„Privatsphäre verletzt“: Ärger über unangekündigten Telekom-Besuch

dzHaustürgeschäfte

Mehrere Dortmunder beschweren sich über unangemeldete Besuche einer Firma im Auftrag der Telekom. Sie fühlen sich überrumpelt und bedrängt. Das steckt hinter den Haustür-Geschäften.

Dortmund

, 08.07.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

In Dortmund sind zurzeit Mitarbeiter des Unternehmens „Ranger“ unterwegs, um im Auftrag der Deutschen Telekom Internet- und Telefonverträge abzuschließen. Dabei haben Mitarbeiter des Unternehmens eine Wohnung betreten. Die Telekom bestätigt, dass „Ranger“ in ihrem Auftrag unterwegs sei.

Ein Dortmunder (28) berichtet gegenüber dieser Redaktion, dass er sich durch einen solchen Besuch „in der Privatsphäre verletzt“ fühle. Er sagt, dass er einem Vertreter des Unternehmens Zutritt zu seiner Wohnung erlaubt habe, nachdem ihm dieser falsche Tatsachen vorgespiegelt haben.

Mitarbeiter boten Dortmunder Anbieterwechsel an

Die Mitarbeiter hätten die Dringlichkeit ihres Besuchs mit Glasfaser-Bauarbeiten vor der Tür und einer bald erforderlichen Umstellung seines Vodafone-Anschlusses begründet. Dafür müsse der Router überprüft werden. Die Telekom arbeite dafür mit Vodafone zusammen.

Ihr Kommen sei über Flugzettel angekündigt worden, die aber scheinbar wohl ausgerechnet in dieser Wohnung nicht angekommen seien. Der Mann erlaubte den Zutritt zur Wohnung – und bereute dies kurz darauf.

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Denn nachdem ein „Ranger“-Mitarbeiter die Wohnung betreten hatte, habe dieser erklärt, dass der Vodafone-Kunde ein neues Gerät benötige und nach aktuellen Vertragsunterlagen gefragt. Im Gespräch, so berichtet der Dortmunder, habe er zudem den Eindruck gewonnen, dass ein Vertragswechsel zur Telekom damit automatisch einhergehe.

Frage nach vertraulichen Daten

Nach circa 15 Minuten und nachdem der Mitarbeiter mehrfach nach den Bankverbindungsdaten des Dortmunders gefragt habe, habe der Wohnungsinhaber den Besuch abgebrochen - ohne einen Vertrag zu unterzeichnen oder Kontodaten anzugeben.

Der 28-jährige Dortmunder hat eine Beschwerde gegen den Mitarbeiter eingelegt. Er erfuhr dabei unter anderem dieses: Die Frage nach einer Kontoverbindung ist erst bei einem schriftlichen Vertragsabschluss nötig - nicht bei Gesprächen an der Wohnungstür. Und eine Umstellung auf Glasfaser-Technik oder Bedarf an einem neuen Router gibt es laut Vodafone für den Kunden auch nicht.

„Es kann immer sein, dass sich Leute an etwas stören“

In einem anderen Fall in der Dortmunder Innenstadt berichtet ein 78-Jähriger von einem ähnlichen Vorgehen bei einem nicht-angekündigten Besuch.

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Telekom-Sprecher George-Stephen McKinney sagt: „Wir erfassen alle Rückmeldungen. Es kann natürlich immer sein, dass sich Leute an etwas stören.“ Es gebe aber seit langem eine Reihe von Maßnahmen, die eingebaut worden seien, damit Menschen eben nicht durch den Außendienst überrumpelt werden. „Es ist uns wichtig, unsere Kunden vor möglichen Trittbrettfahrern zu schützen“, sagt George-Stephen McKinney.

So seien alle „Ranger“-Mitarbeiter durch Dienstausweis, Kleidung und ein Autorisierungsschreiben eindeutig erkennbar. Das Schreiben sei nur gültig als Original mit Briefkopf im Telekom-Magenta und der Servicenummer 0800 – 82 66 347 für Rückfragen. Die Qualität der Beratungsgespräche werde im Nachgang abgefragt. Außerdem gelte stets die gesetzlich vorgeschriebene 14-tägige Widerrufsfrist.

Immer wieder gibt es Beschwerden über das Telekom-Subunternehmen „Ranger“

Das Unternehmen „Ranger“ taucht häufiger in Beschwerde- und Hilfeforen im Internet auf. Bei der Verbraucherzentrale ist das Thema seit Jahren bekannt. Zuletzt gab es in Dortmund Ende 2019 gehäuft Beschwerden im Stadtteil Brackel.

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Die „Ranger“-Mitarbeiter werden an erfolgreichen Vertragsabschlüssen mit Provisionen beteiligt. Laut Telekom-Sprecher George-Stephen McKinney seien die Rückmeldungen auf die Arbeit des Subunternehmens aber nicht auffällig. Die Zusammenarbeit stehe nicht in Frage.

Das Direktgeschäft sei nach wie vor erfolgreich. Es handele sich bei „Ranger“ um den größten Subunternehmer auf diesem Vertriebskanal.

400.000 Aufträge würden pro Jahr im Direktgeschäft entgegen genommen. „Die Storno-Quote ist nicht höher als auf anderen Kanälen“, sagt der Telekom-Sprecher. „Letztlich entscheidet jeder selbst, ob er die Tür öffnet.“ Der 28-jährige Dortmunder sagt, er werde das in Zukunft wohl nicht mehr tun.

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