Adolf Winkelmann: „Wir nehmen, was wir kriegen“

Interview

Seine Fliegenden Bilder sind in Verbindung mit dem U-Turm inzwischen ein Wahrzeichen der Stadt. Erfolge feierte Adolf Winkelmann zuletzt mit seinem ersten Theaterstück und der So-war-das-Edition der Ruhr Nachrichten. Im Interview spricht Adolf Winkelmann über das vergangene Jahr und den Ausblick aufs neue.

DORTMUND

04.01.2012, 04:41 Uhr / Lesedauer: 4 min
Adolf Winkelmann im Interview: "Der U-Turm stiftet Identität".

Adolf Winkelmann im Interview: "Der U-Turm stiftet Identität".

 

Ich kriege jetzt oft Postkarten von Leuten, die in dem Stück waren und im Schauspielhaus eine der ausliegenden Werbekarten mitgenommen haben. Die gratulieren mir und schreiben, dass das Stück bissig und unterhaltsam war.

Eigentlich sollte im Sommer Schluss sein. Aber ich habe im letzten Moment nochmal für drei Jahre verlängert. In Absprache mit dem Rektor. Ziel ist, dass ich das Forschungsinstitut für Bewegtbild-Studien der Hochschule aufbaue, für das wir jetzt die erste Etage im U-Turm umbauen. Da geht es um das bewegte Bild im öffentlichen Raum. Früher musste man sich eine Karte fürs Kino kaufen, um einen Film zu sehen. Heute ist er überall präsent.  

Ja. Wir untersuchen die Veränderungen des Mediums durch die digitale Revolution. Da war „So war das“ für das Institut übrigens ein gutes Einstiegsprojekt. Wir können jetzt mit Hilfe des alten Materials immer vergleichen: wie war das früher und wie hat sich das entwickelt?

 

Wir bauen jetzt schnell um. Da entstehen zusätzlich zu den bestehenden Räumen ein Raum für Veranstaltungen, in dem man auch mal Gäste empfangen kann, und zwei weitere Räume, die multifunktional nutzbar sind – mit entsprechender Medientechnik. Die Planung sieht vor, dass wir im März fertig sind mit dem Umbau. Obwohl man bei Bauarbeiten im U ja vorsichtig sein muss.  

Inhaltlich wollen wir im Sommersemester mit einer Kooperation mit der Folkwang-Hochschule anfangen. Das ist schon verabredet. Wir machen einen gemeinsamen Workshop zum Thema „Menschenbild und Gesichtserkennung“. Im Endstadium wird es so sein, dass an diesem Forschungsinstitut Master-Studenten arbeiten, die an der FH Film studieren. Es wird also einen Masterstudiengang geben, der sich mit Bewegtbild auseinandersetzt. Wir werden dort besondere Veranstaltungen machen und forschen. Das ist allerdings noch Zukunftsmusik.  

Nein. Das Land wird das nicht machen. Die Fachhochschule wird es auch kaum schaffen, die Stadt hat sowieso kein Geld. Das heißt, wir müssen jetzt gucken, über welche Stiftung oder welchen Sponsor wir das irgendwie hinkriegen. Das macht mir derzeit am meisten Sorgen. Aber nicht nur das.

 

Ich mache mir auch Sorgen um die U-Turm-Bilderuhr. Fakt ist: Der Betrieb des U-Turms ist für die Stadt jetzt enorm teuer geworden. Die 10 Millionen werden für das Gebäude, die Verwaltung, die Wartung der Technik, den Sicherheitsdienst gebraucht. Aber für den kreativen Input ist kein Cent mehr da. Und ich kann jetzt der Stadt schlecht kommen und sagen, ich brauche Geld für neue Programme am Turm.  

Gesichert ist, dass die Bilderuhr weiterläuft und die Technik gewartet wird. Aber wir haben eine begrenzte Anzahl an Programmen, so 80 bis 85. Die wiederholen wir immer. Das reicht noch eine Zeit lang. Aber irgendwann wird das alt. Dann guckt man da nicht mehr hin. Es muss also erneuert werden. Das machen wir schon hin und wieder, wenn beispielsweise etwas Besonderes ist wie zuletzt der Welt-Aids-Tag oder wenn der BVB Meister wird. Aber das ist bislang mein Privatvergnügen und mein Geld. Meine Arbeit kann ich da gern investieren. Nur die Techniker, die mir helfen, das auf dem Computer zu realisieren, die zahlt kein Mensch. Das kann auf Dauer keine Lösung sein.  

Schon für eine leichte Veränderung ist ein Techniker einen Tag beschäftigt. So ein neues Programm kann schon ein paar tausend Euro kosten. Wir hoffen, dass die Stadtgesellschaft das irgendwie schafft, uns über Sponsoren oder so in die Lage zu versetzen, das weiterzuentwickeln. Die Leute finden es ja toll. Das Feedback ist riesig. Ich habe noch nie persönlich so viel Feedback bekommen wie dafür.

 

Das hat was mit Heimat zu tun. Dieser Turm stiftet Identität.  

Wir haben schon die schwarzgelben Kicker zur Meisterschaft des BVB zusammen mit Studenten entwickelt. Wir wollen am Institut auch weiter an Ideen für die Bilderuhr arbeiten. Nur: die technische Umsetzung kann ich nicht nur mit Studenten machen. Und für das Institut gibt es ja auch kein Geld. Da müssen wir jetzt dafür kämpfen, dass man wenigstens mal eine Halbtagskraft kriegt, die das Organisatorische regelt. Ich will aber natürlich auch mal Referenten einladen, Symposien machen und anderes. Bisher ist finanziell nur der Umbau abgesichert. Für die inhaltliche Arbeit gibt es kein Geld.  

Das Institut braucht etwa 200 000 Euro im Jahr. Wir fangen aber auch mit der Hälfte an. Wir nehmen, was wir kriegen.

 

Wir machen das einvernehmlich mit der Stadt. Man muss sehen, wie man damit umgeht. Ich freu mich ja, dass die Menschen das so als „ihres“ wahrnehmen. Deshalb stellen die mit den Bildern vom Turm auch alles Mögliche an. Es geht nicht darum, dass man das privat nicht mehr fotografieren darf. Man muss nur überlegen, wo die Grenze ist. Da geht es auch um Überlegungen, da mal Kunstaktionen zu machen, die nicht unbedingt meine sein müssen. Deshalb muss man die Bilder schützen vor wilder kommerzieller Verwendung oder vor Humbug.  

Ja. Nicht nur für mich. Auch für die Stadt ist klar, dass das nicht passieren darf. Das ist vertraglich von Anfang an so festgelegt. Und da sind sich auch alle einig. Es würde dann ja keiner mehr hingucken. Denn Leuchtwerbung gibt es schon genug.

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