Die Stadt Dortmund möchte die Schulen wieder geschlossen halten. © picture alliance / dpa
Schulschließungs-Idee

„Absolute Vollkatastrophe“ – Bei Dortmunder Eltern liegen die Nerven blank

Die Stadt Dortmund hat angekündigt, die Schulen wieder schließen zu wollen – das Land NRW hat dies kurz darauf verboten. Die Stadteltern-Vorsitzende schäumt vor Wut.

Gerade mal einen einzigen relativ normalen Schultag hatten die Kinder in Dortmund hinter sich, als die Stadt am Dienstag (16.3.) mitteilte: Die Schulen sollen bereits am Mittwoch (17.3.) wieder geschlossen bleiben.

Das Land NRW hat diesem Vorhaben vorerst einen Strich durch die Rechnung gemacht – langfristig steht aber noch nichts fest. Und so oder so: Für viele Eltern bedeutet Schulschließung Chaos – erneut.

Wut über die Organisation von Bund und Ländern

Die ständigen Änderungen in der Organisation bringen Anke Staar zur Weißglut: Das Telefon der Vorsitzenden der Stadteltern steht seit Montag nicht mehr still, berichtet sie im Gespräch mit unserer Redaktion. Die anrufenden Eltern seien schlichtweg verzweifelt und wütend.

„Es ist natürlich das Recht des Oberbürgermeisters, das zu beschließen, wenn die Gefährdungsbeurteilung des Gesundheitsamtes so ausfällt“, meint Anke Staar. Allerdings drängt sich im Falle der Schließung für die Vorsitzende eine Frage besonders auf:

„Warum habt ihr in den letzten Monaten versäumt, die Schulen richtig sicher zu machen?“

Anke Staar (Archivbild).
Anke Staar (Archivbild). © Sarah Rauch © Sarah Rauch

Angesichts der steigenden Inzidenzen seien viele Eltern über die Schließungspläne der Stadt durchaus erleichtert, sagt Anke Staar. Allerdings seien sie gleichzeitig auch verärgert – die Mehrheit halte die Pläne für „eine absolute Vollkatastrophe“.

Denn man stehe nun erneut vor Planungsunsicherheiten, der Frage nach einer Notbetreuung für die Kinder und schließlich auch vor der Bedrohung der eigenen Existenz, wenn keine kurzfristige Lösung gefunden werden könne und der Arbeitstag erneut ins Wasser fallen müsse.

Dabei habe man seit Beginn der Pandemie von Bund und Ländern gefordert, die Schulen so zu sichern, dass der Präsenzunterricht unabhängig von den Inzidenzzahlen erhalten bleiben kann, erklärt Anke Staar.

„Wir haben Luftfilter, Plexiglasscheiben und die Finanzierung der Masken für Schüler gefordert, doch es ist einfach nichts passiert“, sagt sie. Man müsse verstehen, dass Schulen systemrelevant sind und man die Schulen nicht einfach schließen könne.

„Reine politische Schlammschlacht?“

„Der Landtag hat für sich gesorgt, in den Schulen hat man es nicht hinbekommen“, ordnet die Vorsitzende die Situation ein. Den Schülern fehle bei einer Schließung erneut zwei Wochen Begegnung. „Wir sind da wirklich ein bisschen enttäuscht, bei uns kommt große Wut an.“ Die Eltern und die Vorsitzende fragten sich: „Sind unsere Kinder es nicht wert?“

Die Absage, die das Land NRW der Stadt Dortmund am späten Dienstagnachmittag vorerst erteilt hat, sieht Anke Staar ebenfalls skeptisch. „Ich weiß noch nicht, ob das zu Ende ist.“ Ihre Einschätzung: In der aktuellen Situation habe Oberbürgermeister Thomas Westphal die Möglichkeit, eine einstweilige Verfügung bei Gericht zu beantragen, erklärt Staar.

Er müsse die Entscheidung gut begründen können, dann habe Minister Laumann verloren, meint Staar weiter. Zur Ankündigung des OB meint sie: „Entweder setzt er es durch zum Schutz der Kinder oder es war eine reine politische Schlammschlacht. Wenn er das nicht macht, kapitulieren die Kommunen wirklich.“

Doch fest steht so oder so: Das Hin und Her mache die Eltern „einfach kirre.“

Über die Autorin
Freie Mitarbeiterin
1999 in Dortmund geboren und aufgewachsen. Seit 2017 Medienwissenschafts- und Sowi-Studentin an der RUB. Nach zwei Jahren im Fernsehjournalismus, 2020 auch bei den Ruhr Nachrichten. Im Regionaljournalismus möchte ich über Geschehnisse und Menschen aus unmittelbarer Nähe berichten, so wie über das was sie und uns bewegt.
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Sophie Conrad

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