Im Knappschaftskrankenhaus in Brackel sollen ab sofort mehr Menschen behandelt werden, die an Covid-19 erkrankt sind. Dazu wurde eine Spezialstation aufgebaut. © Dieter Menne (Archiv)
Britische Mutation

Ab wann spricht man in Krankenhäusern von einem Corona-Ausbruch?

Was ist ein Corona-Ausbruch in einem Krankenhaus in Dortmund, was sind einzelne Fälle? Die Stadt erklärt, wo sie die Grenze zieht und welche Rolle die britische Mutation B.1.1.7 spielt.

Mehr als 70 Corona-Infektionen in den vergangenen drei Wochen, mehr als 130 seit Jahresbeginn – gleich mehrfach hat es Corona-Ausbrüche im Knappschaftskrankenhaus in Dortmund-Brackel gegeben.

Doch: Wann beginnt die Stadt eigentlich, von einem Ausbruch zu reden? Und bis wohin sind es noch einzelne Fälle? Gehören kleinere Geschehen auch in anderen Dortmunder Kliniken zum Alltag?

War jemand schon Corona-positiv bei der Aufnahme?

Die Antwort von Dr. Frank Renken beginnt mit einem ganz einfachen Satz: „Krankenhäuser behandeln Kranke und logischerweise auch Covid-Patienten, so weit klar“, findet der Leiter des Dortmunder Gesundheitsamts.

Etwas anderes sei es aber bei denjenigen, die bei der Aufnahme im Krankenhaus negativ getestet würden, von denen es später aber einen positiven Corona-Test gebe.

Oder war die Inkubationszeit schon vorbei?

Ist derjenige erst wenige Tage im Krankenhaus, besteht die Möglichkeit, dass er während der Inkubationszeit aufgenommen sein könnte. Dass er also schon Corona im Körper hatte, als er in die Klinik kam und dass man das Virus da aber noch nicht nachweisen konnte.

Doch viele liegen länger, sodass eindeutig ist: Derjenige muss sich während des Aufenthalts im Krankenhaus mit dem Coronavirus angesteckt haben.

Häufungen von Corona-Fällen auch in anderen Kliniken

Solche Fälle seien normal, unterstreicht Gesundheitsamts-Chef Renken. Die gebe es nicht nur im Knappschaftskrankenhaus in Brackel. Zwar habe er die aktuellen Zahlen nicht zur Hand, erklärte der Gesundheitsamts-Chef in der Pressekonferenz der Stadt Dortmund am Dienstag. Aber bezogen auf die vergangenen sechs Wochen könne er sagen: „Gefühlt ist es so, dass Brackel alleine so viel Fälle hatte wie die anderen Häuser zusammen.“

Was bedeutet: Auch dort gab es mehr als 50 Infektionen, nur eben verteilt auf verschiedene Häuser und den ganzen Zeitraum. „Wir kennen auch Häufungen in anderen Häusern, auch wenn sie kleiner gewesen sind.“

„Wir müssen leider das ganze Personal testen.“

Wie die Stadt die Ausbrüche überhaupt bemerkt: Wenn jemand Corona-positiv ist und sich in einer Klinik angesteckt haben muss, „müssen wir leider das ganze Personal sowie alle Patientinnen und Patienten der Station testen. So kommen wir dann langsam dahin“, erklärte Renken: „Dann entdecken wir die, die asymptomatisch sind und die jetzt aber positiv getestet werden.“

Natürlich sei es nicht immer das große Ausbruchsgeschehen. Es gebe auch einzelne Fälle: ein Patient vielleicht, „eventuell wird auch noch jemand vom Personal“, so Renken: „Und wenn wir zwei Fälle haben, sprechen wir mindestens von einer Häufung.“

Sequenzierung hilft, um das Geschehen zu erklären

Ein weiteres Hilfsmittel, wenn auch ein aufwendiges: Die Sequenzierungen der positiven Tests, die seit dem verstärkten Auftreten der Virusmutation zum Standard geworden sei. „Das hat uns, was Brackel betrifft, beispielsweise zu der Erkenntnis verholfen, dass wir mindestens zwei Ausbrüche hatten.“

Denn im Knappschaftskrankenhaus habe sich seit Mitte Februar einerseits der Virus-Wildtyp verbreitet, andererseits auch die englische Corona-Variante.

„Ich kann nicht erklären, warum Brackel jetzt Spitzenreiter geworden ist“, erklärte Renken. Ein Grund könne allerdings eine schnellere Verbreitung gewesen sein, da es sich auch um die britische Variante gehandelt habe.

Besuchsregelung vor Kurzem umgestellt

Zudem: In Brackel sei vor einigen Wochen die Besuchsregelung umgestellt worden. „Dadurch ist die Gefährdung, dass wir wieder Einträge haben, höher geworden“, befand Renken: „Das ist die Problematik, die wir in den Krankenhäusern immer haben.“ Erst recht dort, wo man viele Covid-Stationen habe. Wie eben im Knappschaftskrankenhaus.

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Redaktion Dortmund
Jahrgang 1977 - wie Punkrock. Gebürtiger Sauerländer. Geborener Dortmunder. Unterm Strich also Westfale.
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Björn Althoff

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