Selbst verantwortlich für alles – in dieser Situation sind einige Referendare ab kommender Woche. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild
Distanzunterricht

Ab Montag in Schulen: „Unerfahrene Menschen müssen Unterricht erteilen“

Die Schul-Schließung ist eine Ausnahmesituation für alle: Lehrer, Schüler und Eltern. Anfang Februar kommt ein weiterer Aspekt hinzu: Manche müssen den Job erst lernen.

Der Zeitplan mag sein wie in jedem anderen Schuljahr. 2020/21 aber kommt dieser Wechsel zu einem ungünstigen Zeitpunkt: mitten im Corona-Lockdown, mitten in der Zeit des Distanzlernens.

Die Schüler sind nicht an den Gymnasien, Gesamtschulen, Sekundar-, Haupt- und Realschulen, sondern zuhause vor Computer, Smartphone oder Tablet. Und das ist für diejenigen, die Unterricht in Schulklassen neu übernehmen, natürlich eine unglückliche Situation.

Referendare haben 18 Monate und drei Phasen

Erst recht wenn es sich um Referendare handelt. Diejenigen, die nach dem Studium 18 Monate Praxis an den Schulen haben, bevor dann die Staatsprüfung ansteht.

Eingestellt wird seit einigen Jahren zum 1. Mai und zum 1. November. Die 18 Monate wiederum unterteilen sich in drei, zwölf und wieder drei: Nach der ersten kurzen Phase beginnen zwölf Monate mit Begleitung durch erfahrene Lehrer. Zum Abschluss ihrer Praxiszeit sollen die Referendare dann selbst schon genügend Rüstzeug haben, um Unterricht geben zu können.

Die letzten drei Monate müssen sie alleine gestalten

Bedeutet ganz konkret für die Referendare, die zum 1. November 2019 angefangen haben: Ab Anfang Februar 2021 und damit pünktlich zu Halbjahr zwei sind sie nun eigenverantwortlich. Nur dass sie jetzt nicht am Pult stehen, idealerweise vor Schülern, die sie schon einige Monate lang kennengelernt haben.

Stattdessen starren auch sie auf einen Computer oder stellen den Schülern online Aufgaben. „Es kommen also unerfahrene Menschen, die Unterricht erteilen müssen“, beurteilt das Markus Katthagen, Leiter des Immanuel-Kant-Gymnasiums in Asseln und Sprecher der Dortmunder Gymnasien.

Schwierige Situation für Referendare und für Schüler

Eine enorm hohe Herausforderung sei das, die da auf alle zukomme: auf die Referendare selbst natürlich, die im eingeschränkten Betrieb der vergangenen Monate weniger für die berufliche Praxis lernen konnten als ihre Vorgänger.

Aber auch für die Schüler könne das ungewohnt und anstrengend werden. Erst recht, wenn Referendare nun Fächer übernehmen, die die Mädchen und Jungen im ersten Halbjahr gar nicht hatten. Dass Nebenfächer wie Musik, Kunst, Erdkunde, Geschichte oder Politik gewechselt werden, ebenso Bio oder Chemie –das ist Teil der Lehrpläne oder der konkreten personellen Umsetzung an den Schulen geschuldet.

Wichtige Frage: Wie geht es weiter in den Schulen?

Vor allem, so Katthagen weiter: Das alles geschehe in einer Phase der Ungewissheit. Wie geht es denn weiter in den nächsten Monaten? „Es gibt drei Möglichkeiten: komplette Rückkehr zum Präsenzunterricht, weiterhin alles im Distanzunterricht, das Wahrscheinlichste ist aber, dass irgendwann ein Schichtmodell kommt.“

Was für die Schulorganisation „nicht so einfach“ sei, „weil die Lehrkräfte dann beides tun müssen“. Auch die Referendare, die den Job gerade erst lernen.

Fragen rund um das Thema Schule beantworten wir in unserem kostenlosen Live-Talk am Dienstag, 2. Februar, um 18.30 Uhr unter www.ruhrnachrichten.de. Zu den Experten gehört unter anderem Mathias Richter, Staatssekretär im Schulministerium. Fragen können Sie schon jetzt mailen an: reden@ruhrnachrichten.de.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Jahrgang 1977 - wie Punkrock. Gebürtiger Sauerländer. Geborener Dortmunder. Unterm Strich also Westfale.
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Björn Althoff

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