A45-Schilder schicken Autofahrer auf Umwegen nach Dortmund-Mitte

dzAutobahn-Beschilderung

Wer über die A45 fährt, wird je nach Fahrtrichtung auf einem Umweg in die Dortmunder Innenstadt geschickt. Warum ist das so? Eine Spurensuche.

Dortmund

, 12.09.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der kürzeste Weg ins Dortmunder Stadtzentrum ist nicht leicht zu finden. Zumindest dann nicht, wenn man sich als Autofahrer auf die Beschilderung der A45 verlässt.

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Der Fahrer bleibt auf der Strecke

Konkretes Beispiel: Ein Autofahrer kommt aus Norden die A 45 entlang. Aus Richtung Castrop-Rauxel. Er kennt sich nicht aus, möchte nach Dortmund-Mitte.

Fährt er auf das Autobahn-Kreuz Dortmund-Hafen zu, zeigt die Ausfahrttafel die Ziele Hafen, Marten und Huckarde an. Nicht erwähnt ist, dass es hier nach Dortmund-Mitte geht. Auf kürzestem Wege. Der Autofahrer bleibt auf der Strecke – im wahrsten Sinne des Wortes.

Beim nächsten Autobahn-Kreuz erst kommt der Hinweis auf Dortmund-Mitte: am Kreuz Dortmund-West. Dort wird man über die A40 und die B1 in Richtung Zentrum geführt.

Was dieser ortsunkundige Autofahrer nicht weiß: Hätte er die Ausfahrt ein Kreuz eher genommen, in Richtung Hafen nämlich, hätte er über die Mallinckrodtstraße fast drei Kilometer gespart.

Ein Ziel wird nur einmal abgeführt

Warum fehlt auf dem Schild, das Richtung Hafen weist, der Hinweis auf das Stadtzentrum? Die Antwort auf diese Frage zu finden, ist gar nicht so leicht. Nach mehreren Telefonaten mit dem Landesbetrieb Straßen.NRW ergibt sich: Es sei generell so, dass auf einer Autobahn ein Ziel nur einmal ausgewiesen werden soll.

Das erklärt Stefan Hidding, Hüter des sogenannten „Fern- und Nahzielverzeichnisses“ des Landesbetriebs. „Ein Ziel führen wir nicht zweimal ab“, sagt er im Gespräch mit der Redaktion.

Dass das Ziel Dortmund-Mitte am Kreuz Dortmund-West ausgewiesen sei und nicht am Kreuz Dortmund-Hafen, „das ist irgendwann mal so entschieden worden“, sagt er eher schwammig.

Eine Entscheidung aus einer anderen Zeit

Die Spurensuche geht Richtung Stadtverwaltung, die da „irgendwann mal“ mit Entscheidungsträger gewesen sein soll. Auf eine entsprechende Anfrage landet man schließlich bei der Bezirksregierung Arnsberg. Hier müssten, laut Stadt, alle Informationen über die Entscheidung vorliegen.

Problem: Dass die Beschilderung auf der A45 so ist, wie sie ist, hat mit Beschlüssen aus einer anderen Zeit zu tun. Diese Beschlüsse sind so lange her, dass es bei der Bezirksregierung keine Unterlagen dazu gebe, geschweige denn jemanden, der daran beteiligt gewesen sei. Das sei „irgendwann in den 80er Jahren“ gewesen, sagt Sprecher Christoph Söbbeler.

Möglichst viele Information in möglichst wenigen Symbolen

Das Entscheidende auf der A45 sei: Zwischen dem Kreuz Hafen und dem Kreuz West komme kein neuer Verkehr hinzu. Also: Niemand fährt auf die Autobahn in Richtung Süden noch auf, und auch niemand in Richtung Norden.

Wer aus Süden kommend in Richtung Norden unterwegs ist, kommt auf jeden Fall am Kreuz West vorbei - und sieht dort die Schilder Richtung Mitte. Wer aus Norden kommend in Richtung Süden unterwegs ist und nicht im Kreuz Hafen abfährt, komme als nächstes auch am Kreuz West vorbei - und sieht dort ebenfalls den Hinweis auf Mitte.

Deshalb reiche es an dieser Stelle, das Ziel nur einmal auszuweisen, so Söbbeler. Auch, wenn der Fahrer aus Norden einen Umweg in Kauf nehmen müsse.

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„Die Grundüberlegung ist immer, eine möglichst gute Übersichtlichkeit zu garantieren“, sagt Söbbeler. Das heißt: möglichst viele Informationen in möglichst wenige Buchstaben und Zahlen zu verpacken.

Keine Erklärung, aber eine Vermutung

Auf das konkrete Beispiel bezogen hat er keine genaue Erklärung, aber eine Vermutung zur Entscheidungsfindung: „Das war damals noch ein ganz anderes Verkehrsaufkommen.“ Vielleicht habe es auch damit zu tun, dass Autofahrer damals auf Straßenkarten angewiesen waren.

Es sei irgendwann in Absprache von Stadt und Bezirksregierung die B1 als Hauptweg in die City beschlossen worden. Die tatsächliche damalige Argumentation dafür bleibt jedoch verborgen.

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