Hündin Amy geht es heute bei ihrem neuen Frauchen Ingrid Sichort sehr gut. © Stephan Schütze
Tierquälerei

9-Jähriger bettelte um Futter für seinen fast verhungerten Hund

Das Schicksal des misshandelten Hundewelpen Sweety in Derne hat für Empörung und den Ruf nach Konsequenzen gesorgt. Die gibt es jetzt in einem anderen Fall von Tierquälerei – mit einer Anklage.

Zwischen den zwei Fotos liegen ein halbes Jahr, 10 Kilogramm und eine Schicksalswende. Sie zeigen einmal den Labrador-Mix Amy als abgemagertes Gerippe und einmal als glückliche, wohlgenährte Hündin, die sie heute ist. Man sieht dem zehn Jahre alten Tier nicht mehr an, was es durchmachen musste.

Es war am 11. Juni im vergangenen Jahr, als ein neunjähriger, augenscheinlich selbst unterernährter Junge im nahe gelegenen Datteln auf der Straße eine Nachbarin um Hilfe bat und um Essen für seinen Hund bettelte. Das Tier werde sonst sterben.

Die Frau nahm Kind und Tier mit nach Hause und informierte das Jugendamt. Das nahm das Kind in seine Obhut. Der Junge wollte sich aber nicht ohne seinen Hund unterbringen lassen. Die diensthabende Mitarbeiterin des dortigen Jugendamtes wohnte früher in Dortmund und kannte daher die Tierschutzorganisation Arche90,

„Ein toller Hund“

„Sie hat dann bei uns in Dortmund angerufen“, erinnert sich die Arche-Vorsitzende Heike Beckmann, „und weil das so ein außergewöhnlicher Fall war, haben wir geholfen und uns hier beim Tierarzt getroffen. Die Hündin war so abgemagert, dass sie zunächst dort stationär bleiben musste. Sie wog nur noch 16 Kilogramm.“

Noch vor einem halben Jahr sah Amy so aus: abgemagert bis auf 16 Kilogramm.
Noch vor einem halben Jahr sah Amy so aus: abgemagert bis auf 16 Kilogramm. © Arche90 © Arche90

Die Mutter trat den Hund an Arche90 ab und behauptete, der Hund sei so mager, weil er schlecht fresse. Heike Beckmann glaubt das nicht: „Beim Tierarzt und der Pflegestelle hat der Hund sofort gut gefressen.“

Heute lebt Amy bei Ingrid Sichort im Dortmunder Westen – und hat sich prächtig entwickelt. „Sie sieht ganz proper aus“, sagt ihr neues Frauchen, „ich muss aufpassen, dass sie nicht zu dick wird.“ Amy sei ein toller Hund, trotz ihres Schicksals zutraulich und verschmust. „Die bleibt bei mir, die gebe ich nicht mehr her.“

Bis zu drei Jahre Haft

„Hätte der Junge damals mit Amy nicht sein Frühstück geteilt, wäre der Hund heute nicht mehr“, sagt Ingrid Sichort, die auch seit vielen Jahren Pflegemutter ist. Sie hätte den Jungen gern kennengelernt „und etwas für ihn getan“. Doch die Mutter wolle keinerlei Kontakt zu dem Hund.

Allerdings wird sich die 37-jährige Frau für ihr Verhalten vor Gericht verantworten müssen. Die Staatsanwaltschaft Bochum hat Anklage wegen Tierquälerei vor dem Amtsgericht in Recklinghausen erhoben. Die Mutter habe der Hündin Leiden zugefügt, ihr weder ausreichend Futter und Wasser gegeben, noch sie im erforderlichen Maße zum Tierarzt gebracht, erläutert Oberstaatsanwalt Paul Jansen auf Nachfrage. Im Fall einer Verurteilung drohe der Frau nach dem Tierschutzgesetz bis zu drei Jahre Haft oder eine Geldstrafe.

Ironie des Schicksals: Die Mutter hatte Amy vor ein paar Jahren aus dem Tierheim in Dortmund-Dorstfeld geholt. Amy war aus schlechter Tierhaltung dorthin gekommen.

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Stellvertretende Leiterin der Dortmunder Stadtredaktion - Seit April 1983 Redakteurin in der Dortmunder Stadtredaktion der Ruhr Nachrichten. Dort zuständig unter anderem für Kommunalpolitik. 1981 Magisterabschluss an der Universität Bochum (Anglistik, Amerikanistik, Romanistik).
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Gaby Kolle

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