Wie der BVB gehören auch die drei Buchstaben TRD untrennbar zu Dortmund. Das Reiseunternehmen feiert seinen 60. Geburtstag. Es gab eine Zeit, da gehörten BVB und TRD besonders eng zusammen.

Dortmund

, 22.05.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es war die Wirtschaftswunderzeit, als sich die Dortmunder nach Krieg und entbehrungsreichen Wiederaufbaujahren nach Reisen und „Dolce Vita“, dem süßen Leben an der italienischen Adria, sehnten. In dieser Zeit, im Jahr 1960, gründete der Dortmunder Busfahrer Fritz Fischer das Unternehmen TRD Reisen - mit zwei Bussen und drei Großbuchstaben, die für „Touren- und Reise-Dienst“ standen und stehen.

„Eigentlich wollten wir in diesen Tagen unser 60-jähriges Bestehen mit den 140 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern feiern. Wegen der Corona-Pandemie haben wir das aber verschoben“, sagt Anja Fischer, die heutige Geschäftsführerin und Tochter von Fritz Fischer und Christel Fischer-Albrecht.

Bis zur Jahrtausendwende führten ihre Eltern das Reiseunternehmen, mit dem viele Dortmunder sehr früh viele schöne Ziele in Europa kennenlernen konnten. Die ersten Reisen führten nach Bayern und Österreich - und nur selten über den Brenner nach Italien.

Jugoslawien wurde zur „zweiten Heimat“

„Die Italiener waren bei der Reiseorganisation und -abwicklung oft nicht so berechenbar. Mein Vater hat daher nach anderen Sommerreisezielen gesucht“, erzählt Anja Fischer. So bot TRD schließlich als erstes Busunternehmen schon 1969 Busreisen in das damals sozialistische Jugoslawien an. „Das war wunderbar. Wir sind nach Slowenien und vor allem nach Istrien ans Meer gefahren. Jugoslawien ist für uns zur zweiten Heimat geworden“, sagt Anja Fischer.

Anja Fischer (r.) und ihre Tochter Victoria führen heute gemeinsam das Unternehmen. Auch, wenn sie selbst keine Reisen mehr anbieten, lenken sie doch das nach wie vor größte private Busunternehmen Dortmunds.

Anja Fischer (r.) und ihre Tochter Victoria führen heute gemeinsam das Unternehmen. Auch, wenn sie selbst keine Reisen mehr anbieten, lenken sie doch das nach wie vor größte private Busunternehmen Dortmunds. © TRD

Insgesamt lief das Reiseunternehmen so gut, dass der 1969 neu bezogene Betriebshof an der Güntherstraße schon vier Jahre später zu klein war. „1973 wurde das Gelände mit unserem heutigen Standort am Spähenfelde bebaut - mit vielen Gebäuden und einer Tiefgarage für alle Busse und etlichen Etagen Bebauung oben drauf“, so Anja Fischer.

Heute beherbergt der TRD-Komplex eine Großraumdiskothek (derzeit Rush Hour), einen türkischen Hochzeitssaal, eine Autovermietungsstation und viele kleinere Firmen in dem fünfstöckigen Büroturm. „Mein Vater war eher ein verkappter Bauunternehmer als ein Busunternehmer“, sagt Anja Fischer augenzwinkernd.

Ihr Vater liebte Bayern und baute auch dort. In Piding eröffnete Fritz Fischer 1982 das Berg- und Sporthotel Neubichler Alm. In den ersten Jahren diente das Hotel als Ort für Zwischenübernachtungen auf den Reisen nach Jugoslawien, dann wurde es von Tochter Christiane Fischer-Urlbauer zum Familienhotel umgewandelt.

In der zweiten Hälfte der 70er-Jahre fuhr TRD Reisen den Mannschaftsbus des BVB. Dieses Foto am Westfalenstadion entstand 1978 und zeigt unter anderem BVB-Trainer Otto Rehhagel (hinten, 5.v.l.) mit einigen Spielern, Vereinsvertretern und Fritz Fischer (r.) mit Ehefrau Christel.

In der zweiten Hälfte der 70er-Jahre fuhr TRD Reisen den Mannschaftsbus des BVB. Dieses Foto am Westfalenstadion entstand 1978 und zeigt unter anderem BVB-Trainer Otto Rehhagel (hinten, 5.v.l.) mit einigen Spielern, Vereinsvertretern und Fritz Fischer (r.) mit Ehefrau Christel. © TRD

TRD veranstaltete jedes Jahr rund 500 Reisen. In den Sommermonaten pendelten Busse im Wochentakt nach Bayern, Österreich oder an den Gardasee, nach Jugoslawien und Spanien sogar zweimal in der Woche. Die großen Fernreisebusse wurden zum Markenzeichen.

Selbst der BVB ließ sich einige Jahre von TRD chauffieren. Das Unternehmen fuhr von 1976 bis 1978 den Mannschaftsbus – unter anderem mit Trainer Otto Rehhagel.

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1979 hatte Fritz Fischer dann mit dem Erwerb eines Jumbocruisers, dem bis heute größten Omnibus der Welt, für Aufsehen gesorgt. Es folgten ihm noch zwei weitere. Dieser Bus fuhr bis 2002 unter anderem nach Spanien und Paris und bot 90 Personen Platz.

Die 90er-Jahre änderten schließlich für das Familienunternehmen alles.

„Nach dem Fall der Mauer boten wir Tagestouren nach Dresden und hörten dort, dass die Dresdener auch gerne in unseren modernen Bussen fahren würden“, sagt Anja Fischer. Es wurde ein Schwesterunternehmen in Dresden gegründet. Das brachte viel Umsatz, aber auch viel Arbeit und kostete viel Geld. „Zeitgleich brach wegen des Krieges auch Jugoslawien weg und es begann die Zeit der Billigflieger“, sagt Anja Fischer.

Trennung von der Reisesparte im Jahr 2013

Sie fand also im Jahr 2000, als sie die Firmenleitung übernahm, ganz neue Rahmenbedingungen vor. „Der Preis, den so eine Art Busreise, wie mein Bruder und ich sie uns vorstellten, mit Reiseleitung, Bordservice, Sitzkomfort mit viel Beinfreiheit und vielen Extras, gekostet hätte, wäre kein Kunde bereit gewesen zu bezahlen. Das heißt, wir haben mit dem Touristikgeschäft seit den 90ern ein totales Minus gemacht. Bis 2012 haben wir gekämpft und dann haben wir uns schweren Herzens entschlossen, uns von diesem Geschäftsbereich zu trennen“, sagt Anja Fischer.

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2013 wurde die Reisesparte an die Reiseallianz von Herrmann Meyering verkauft und firmiert seitdem unter TRD Reisen Dortmund GmbH, nach wie vor als Mieter von TRD Reisen Fischer unter selbiger Anschrift. Bruder Kai hat sich dann seiner zweiten Leidenschaft gewidmet und den in Dortmund seit mehr als 150 Jahren ansässigen Kostümverleih Sommer übernommen.

Ein Bild aus den 70er-Jahren, als TRD Reisen den Firmensitz gerade zum Spähenfelde verlegt hatte. Wo heute eine Großraumdiskothek ist, war damals noch der Eispalast - ein Eisstadion.

Ein Bild aus den 70er-Jahren, als TRD Reisen den Firmensitz gerade zum Spähenfelde verlegt hatte. Wo heute eine Großraumdiskothek ist, war damals noch der Eispalast - ein Eisstadion. © TRD

Heute führen Anja Fischer und ihre Tochter Victoria die TRD Reisen Fischer GmbH & Co. KG gemeinsam. Auch, wenn sie keine eigenen Reisen mehr anbieten, so sind sie nach wie vor das größte private Busunternehmen Dortmunds.

Sie haben sich auf den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) konzentriert – seit mehr als 50 Jahren nun schon für die DSW21. Sie fahren auch Schüler-Spezialverkehre und verchartern die Reisebusse, wann und wohin auch immer sie gebraucht werden – zum Beispiel für alle Auswärtsspiele des BVB.

„Meine Tochter Victoria und ich sind Unternehmerinnen aus Leidenschaft, wie auch schon so etliche Frauen aus unserer Familie vor uns. Und ich hoffe, dass wir unser Jubiläum zum 60-jährigen Bestehen möglichst bald mit allen unseren 140 Beschäftigten aus 20 verschiedenen Nationen, unserer Familie, unseren Freunden und Geschäftspartnern nachholen können“, so Anja Fischer.

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