50.000 Euro in Mietwohnung gesteckt, jetzt kommt der Abriss

dzWohnen in Bövinghausen

In ihrer Mietwohnung wollten die Steinmeiers alt werden. Das Ehepaar investierte rund 50.000 Euro. Jetzt droht der Abriss des eigentlich schönen Mehrfamilienhauses. Das ist der Grund:

Bövinghausen

, 25.10.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für Gisela Steinmeier sind die Pläne des Bauvereins zu Lünen, der einen großen Wohnungsbestand im Westen Dortmunds hält, eine Katastrophe: „Wenn das dazu kommt, können sie mich gleich in die Klapse nach Aplerbeck bringen“, sagt sie und lacht ein Lachen der Verzweiflung.

Heile Wohnungswelt ist kaputt

Seit einigen Tagen ist die kleine, heile Wohnungswelt, die sich das Ehepaar am Adamsweg in Bövinghausen geschaffen hat, zerbrochen. Da erreichte sie ein Schreiben des Vermieters - des Bauvereins zu Lünen -, dass ihr Haus als Teil eines Ensembles von 61 Wohnungen an Uranusstrasse, Unterdelle, Neptunstraße und Adamsweg nach und nach abgerissen werden soll.

Der Bauverein will dann dort mit öffentlichen Fördergeldern moderne und behindertengerechte Wohnungen neu bauen und im gleichen Zug das drückende Parkproblem in der engen Siedlung durch den Bau einer Tiefgarage lösen. Die Neubauten sollen dreieinhalb-geschossig werden, ein Aufzug soll die Geschosse mit der Tiefgarage verbinden.

Die Frage ist: Ist eine Sanierung sinnvoll?

„Bei so einem Bestand muss man abwägen“, wirbt Vorstand Andreas Zaremba um Verständnis für die radikale Maßnahme. „Die Frage ist doch: Macht es Sinn, eine Modernisierung zu machen und dann ist außen alles fertig, aber innen ist es immer noch nicht schön, weil die Zuschnitte der Wohnungen nicht mehr zeitgerecht sind. Also haben wir auch die Alternative Neubau erwogen.“

50.000 Euro in Mietwohnung gesteckt, jetzt kommt der Abriss

So gut in Schuss wie das Haus, in dem die Steinmeiers wohnen, sind die anderen Mehrfamilienhäuser nicht, die nun durch Neubauten ersetzt werden sollen. © Irene Steiner

Bauarbeiten laufen über Jahre

Und die soll nun Realität werden. Nicht mit einem Schlag, sondern sukzessive. Haus für Haus sollen die Mieter in Ersatzwohnungen umgesiedelt werden, dann die Häuser abgerissen werden. Über Jahre. Dann ist alles schön und modern und soll - so Zaremba - 100 Jahre lang halten.

Aber bevor es so weit ist, gibt es jahrelang Bauarbeiten mit den damit verbundenen Belastungen. Denen fühlt sich Gisela Steinmeier nicht gewachsen und ihr Mann fürchtet den Verlust von rund 50.000 Euro, wie er sagt: Die stecken in einem barrierearmen neuen Bad, in Schiebetüren, in Bodenbelägen, in Wandverkleidungen, auch in einer neuen Küche, neuen Möbeln und moderner Alarm- und Sicherheitstechnik. Alle Investitionen nahmen die beiden 71-Jährigen - so Heinrich Steinmeier - in Absprache mit dem Bauverein in Angriff.

50.000 Euro in Mietwohnung gesteckt, jetzt kommt der Abriss

Mit Glasschiebetüren haben die Steinmeiers Licht in den schmalen Wohnungsflur gelenkt und gleichzeitig Platz geschaffen. © Irene Steiner

Von Abriss war vor zwei Jahren keine Rede

Vor zwei Jahren, als die Steinmeiers einzogen, da war von Abriss und Neubau keine Rede. „Hätten wir das gewusst, wären wir hier nicht eingezogen“, sagt Gisela Steinmeier. Und auch der Bauverein zu Lünen war ja bis vor Kurzem durchaus gewillt, in die Häuser zu investieren: Es gab neue Fenster in dem Haus. „Das zeigt, dass wir unseren Bestand in Schuss halten“, sagt Zaremba dazu.

Am Adamsweg scheinen die Häuser - und besonders das, in dem die Steinmeiers wohnen - von außen wirklich gut in Schuss zu sein. Aber Bestandsschutz kann es auch für dieses Haus kaum geben: „Wir prüfen das noch einmal, aber es gibt zwei Probleme: zum einen den Bau der Tiefgarage, dann müsste das Haus ja untergraben werden, zum anderen der Abstand zu den Neubauten, der zu gering werden dürfte“, so Zaremba.

Der Bauverein verspricht, die Sorgen ernst zu nehmen

Zaremba will die Steinmeiers - und die anderen Mieter - mit ihren Sorgen nicht allein lassen. „Wir werden mit allen Mietern Einzelgespräche führen“, verspricht der Bauverein-Vorstand. Und man bemühe sich auch, in finanziellen Fragen eine tragbare Lösung zu finden.

50.000 Euro in Mietwohnung gesteckt, jetzt kommt der Abriss

Ein Balkon gehört auch zu der Wohnung, an anderen Häusern des Quartiers gibt es die nicht. © Irene Steiner

Alle Mieter des Wohnungsquartiers haben Fragen. Die Möglichkeit, sie zu stellen, haben sie am Dienstag, 12. November. Dann gibt es eine erste Informationsveranstaltung zu der Maßnahme mit dem Vorstand des Bauvereins. Sie findet ab 18.30 Uhr im Herz-Jesu-Gemeindesaal, Saturnstraße 13, statt. Da können die Mieter ihrem sorgengeplagten Herzen Luft machen.

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