Verein Chancengleich: Mit 3D-Drucker und Nähmaschine zu mehr Vielfalt

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Durch unterschiedliche Gesellschaftsschichten kann das Miteinander in Hörde eine Herausforderung sein. Das Zentrum für Vielfalt stellt sich dieser Aufgabe nun – mit außergewöhnlichen Ideen.

von Alexandra Wachelau

Hörde

, 01.07.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hörde hat viele Gesichter: In der einen Ecke liegt der Phoenix-See, dessen Bau in einzigartiger Weise zum Strukturwandel im Stadtteil beigetragen hat. Auf der anderen Seite gibt es die alteingesessenen Hörder, die den Fall der Montanindustrie und der Hörder Fackel mitbekommen haben.

Und dann gibt es noch die Clarenberg-Wohnsiedlung. Über 30 Prozent der dort lebenden Menschen haben einen Migrationshintergrund, rund die Hälfte davon sind von sozialen Leistungen abhängig.

Nachbarschaft, Vernetzung, Gemeinschaft

Ingibjörg Pétursdóttir, die Geschäftsführerin des neuen Zentrums für Vielfalt, ist sich dieser sozialen Ungleichheit bewusst. Sie und ihr Team haben es sich auf die Fahnen geschrieben, Begegnungen zwischen Ur-Hördern und Menschen mit Migrationshintergrund zu fördern – die im Stadtteil häufig Tür an Tür leben. „Es ist ein langsamer Prozess, keine Frage, aber das Programm wird von den Menschen bisher gut angenommen“, sagt Ingibjörg Pétursdóttir.

Vor allem Sprachangebote des Vereins werden von Migranten in Hörde gerne genutzt.

Vor allem Sprachangebote des Vereins werden von Migranten in Hörde gerne genutzt. © Alexandra Wachelau

Trotz Corona-Krise war das Team nicht untätig. Es hat Online-Sprachkurse auf die Beine gestellt, einen Literaturkreis organisiert und Masken genäht – „so lange, bis die Nähmaschine kaputtgegangen ist“, sagt Kollegin Anna-Marie Wahle und lacht: „In unserem Repair-Café wird sie dann hoffentlich wieder repariert“.

Weitere Ideen aus dem Projekt-Fundus des Teams beinhalten einen 3D-Drucker, ein Kochbuch und ein Nachbarschaftscafé – an Kreativität mangelt es den Ehrenamtlichen nicht. Allerdings werden hierfür noch einige Helfer benötigt.

Einzigartiges Angebot im Stadtteil

Willkommen ist bei den Angeboten jeder. Der gemeinnützige Trägerverein „Chancengleich in Europa“, der 2009 von ehrenamtlichen Dortmundern gegründet wurde, engagiert sich seit 2012 in Hörde. Dabei stehen die Bildung, Beratung und Beschäftigung von Migranten im Mittelpunkt. „Wir definieren uns in erster Linie als Migrantenorganisation“, sagt Ingibjörg Pétursdóttir.

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Vergleichbare Angebote gibt es im Stadtteil nicht – zumindest nicht religionsneutral. Laut Pétursdóttir seien die vom Zentrum angebotenen Sprachkurse zwar niedrigschwellig, „aber auch das hat hier vor Ort einen Wert“, betont sie.

Generell lege ihr Team den Fokus auf individuelle Potenziale: „Wir sehen einen Migranten nicht als Menschen mit einem Defizit, sondern konzentrieren uns auf die Fähigkeiten“, so die Geschäftsführerin.

So gibt es ein Projekt, in dem unter der Leitung einer Künstlerin aus Bosnien natürliche Farben hergestellt werden. Auch der Nähkurs entstand durch eine Migrantin, die ihr Können an der Nähmaschine mit anderen teilte.

Auch bei kleinen Problemen finden die Menschen Unterstützung

Die Ideen und Projekte des Hörder Zentrums für Vielfalt sind dabei ebenso vielfältig wie die alltäglichen Probleme, mit denen sich die Ehrenamtlichen täglich konfrontiert sehen.

Auch Kinderbetreuung wird beim Verein angeboten – zumindest während der Kurszeiten. Doch auch für andere, alltägliche Probleme haben die ehrenamtlichen Mitarbeiter ein offenes Ohr.

Auch Kinderbetreuung wird beim Verein angeboten – zumindest während der Kurszeiten. Doch auch für andere, alltägliche Probleme haben die ehrenamtlichen Mitarbeiter ein offenes Ohr. © Alexandra Wachelau

Das Team von Ingibjörg Pétursdóttir hilft den Menschen sowohl bei der Anmeldung beim Amt als auch mit Arztbesuchen oder der Kinderbetreuung, wenn die Eltern in Ruhe deutsch lernen möchten.

Die Vernetzung funktioniert dabei: „Wir beobachten, dass hier durchaus Freundschaften und Netzwerke entstehen“, sagt Anna-Marie Wahle. Viele kämen auch gerne wieder, und sei es nur „auf einen Kaffee“.

Das Projekt ist befristet

Drei Jahre lang wird das Projekt des Zentrums vom BAMF unterstützt. In der Zeit versuchen die Mitarbeiter, das Projekt im Quartier zu etablieren – auch durch Verbindungen mit Betrieben vor Ort oder Schulpraktika.

Den feierlichen Abschluss bildet ein Fotoband, in dem Personen, Organisationen und Unternehmen aus dem Stadtteil abgebildet werden. Was danach passiert wissen Ingibjörg Pétursdóttir und Anna-Marie Wahle noch nicht: „Natürlich hoffen wir, dass sich das Projekt weiter trägt“, sagt Pétursdóttir.

Ehrenamtliche gesucht

  • Helfende Hände sind bei dem Verein immer gerne gesehen. Wer sich ehrenamtlich einsetzen möchte, kann sich unter info@ch-e.eu anmelden.
  • Auch Spenden sind bei dem Verein immer willkommen. Im Internet sind die Daten hierfür angegeben: IBAN: DE95 4405 0199 0721 0048 48.
  • Am 7. Juli (Dienstag) startet der Workshop „Vielfalt im Quartier leben und erleben“. Von 13 bis 17 Uhr treffen sich Anwohner und Zugezogene, um gemeinsam Ideen zur Stadtteilverbesserung auszutauschen. Mehr Infos zu den Kursen gibt es online. Das Hörder Zentrum für Vielfalt sitzt nahe des Hörder Neumarkts - Am Heedbrink 29.
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