200 Masken-Atteste bei Demo in Dortmund: Arzt spricht von „Schwachsinn“

dzAnti-Coronaschutz-Demo

Etwa jeder fünfte Teilnehmer der Anti-Coronaschutz-Demo am Sonntag konnte ein Attest vorlegen, das ihn von der Mundschutzpflicht befreit. Ein Arzt aus Dortmund hat dazu eine eindeutige Meinung.

Dortmund

, 19.10.2020, 17:02 Uhr / Lesedauer: 2 min

Etwa 1100 Coronaschutz-Gegner zogen am Sonntag (18.10.) bei einer Demonstration der Gruppierung „Querdenken-231“ über Dortmunds Wall.

Auch bei der Demo herrschten die gängigen Hygienemaßnahmen: Sicherheitsabstand und Mundschutzpflicht. Doch von den über tausend Teilnehmern trugen etwa 200 keinen Mundschutz. Ein ärztliches Attest befreite sie von der Maskenpflicht.

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Die Polizei kontrolliert immer dann, ob ein Attest vorliegt, wenn die Pflicht, einen Mundschutz zu tragen, bestehe, so die Pressestelle der Polizei Dortmund.

Dortmunder Arzt hält Mundschutz-Attest für „schwachsinnig“

Dr. Prosper Rodewyk, Leiter der Dortmunder Bezirksstelle der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, hält die Anti-Mundschutz-Atteste für „Schwachsinn“. „Es gibt keinen organisch medizinischen Grund, einen Mundschutz nicht zu tragen“, sagt er.

Vor allem Patienten mit Vorerkrankungen oder Lungenproblemen müssen sich besonders schützen. Wollen sich diese von der Mundschutzpflicht befreien lassen, bleibe ihnen nur noch, das Haus nicht mehr zu verlassen.

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Es gebe zwar Masken, durch die das Atmen schwerer fallen könnte, wie beispielsweise eine FFP2-Maske, aber „wenn man eine dünne chirurgische Maske trägt, ist das kein Problem“, so Rodewyk.

Neben dem medizinischen Grund könnte es einen psychiatrischen Grund geben, sich von der Mundschutzpflicht befreien zu lassen. Nämlich wenn man nachweislich nichts vor dem Mund haben kann. „Das muss ein Psychiater dann attestieren“, sagt Rodewyk.

Anfrage nach Masken-Attest sehr gering

Im vergangenen halben Jahr hat Prosper Rodewyk nur ein solches Mundschutz-Attest ausgestellt. Ein Einzelfall, wie er sagt. Die Patientin konnte durch die vom Arbeitgeber gestellte Maske nicht gut atmen, der Wechsel zu einer chirurgischen Maske war nicht möglich. „Ansonsten habe ich mich immer verweigert, ein solches Attest auszustellen“, sagt Rodewyk.

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Die Anfrage nach einem Attest in seiner Praxis sei sehr übersichtlich gewesen. „Das waren nicht viele. Vielleicht fünf bis zehn Patienten im halben Jahr“, sagt er. Darunter auch Leute, die ganz offen gesagt hätten, dass sie einfach keinen Mundschutz tragen möchten.

Alle anderen konnte Rodewyk nach einem kurzen Gespräch überzeugen, dass aus medizinischer Sicht nichts gegen das Tragen eines Mundschutzes spricht.

Gefälschte Atteste bei den Demo-Teilnehmern

Trotzdem hatte rund ein Fünftel der Coronaschutz-Gegner einen solchen Attest vorliegen. Wie also kann sowas sein? „Ein vernünftig arbeitender Arzt wird sich schwer tun, so etwas herauszugeben“, sagt Rodewyk. „Es gibt aber auch Ärzte, die zu dieser Aluhut-Gruppe gehören und die dann Atteste ausstellen.“ Außerdem sei die Ärztekammer auf einen Arzt im Internet aufmerksam geworden, der Masken-Atteste online rausgegeben habe.

Die Polizei hat bei ihren Kontrollen am Sonntag festgestellt, dass fünf gefälschte ärztliche Atteste im Umlauf waren. Gegen diese Personen wurde Strafanzeige gestellt, da es sich dabei um Urkundenfälschung handelt.

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