1400 Wohnungen und Gastronomie - Pläne für neues Stadtviertel in Dortmund

dzFachhochschule am Ex-HSP-Gelände

Wie eine Stadt mitten in der Stadt: In zentraler Lage könnten die neue FH, 1400 Wohnungen und Restaurants entstehen. Wie realistisch sind die Pläne? Eine Studie gibt nun Antworten.

Dortmund

, 20.04.2020, 07:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Staunen war groß, als OB Ullrich Sierau, FH-Rektor Wilhelm Schwick und weitere Akteure im April 2019 ihre Ideen für die Entwicklung der früheren Fläche von Hoesch Spundwand und Profil (HSP) nahe der Emscher vorstellten. Kernpunkt der Überlegungen war, die FH mit ihren verschiedenen Standorten in einem neuen, zentralen Campus für 15 000 Studierende auf dem HSP-Gelände zu bündeln. Eingebettet in ein modernes, zukunftsweisendes Stadtquartier, in dem Menschen wohnen, arbeiten und Freizeit im Grünen genießen.

Wie realistisch sind die Überlegungen? Antworten gibt jetzt eine „Machbarkeitsstudie“, die unter Federführung der Essener Thelen-Gruppe als Eigentümerin der 52 Hektar großen HSP-Fläche entstanden ist. Ihr Fazit: Ja, das Projekt wäre „konzeptionell, technisch und planerisch grundsätzlich zu meistern“.

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Die Rückbauarbeiten von oben

Aufgezeigt wird ein Szenario, das mit der früheren Industrie-Nutzung des Geländes nichts mehr gemein hat. Im Gegenteil: Wo einst Spundwände produziert wurden, soll in einigen Jahren ein hochmodernes Quartier entstehen, das die Akteure als neuen „Raum für Leben, Bildung, Wissen und Technologie“ beschreiben, kurz „Smart Rhino“ genannt.

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Herzstück soll der Wissenschaftscampus mit der FH sein, die sich zu einer „Hochschule für Digitalisierung“ entwickelt und Impulse für Wirtschaft und Gesellschaft gibt. Ergänzt wird sie von einer „Science Factory“; eine Art Inkubator für junge, innovative Unternehmen. Auch ein Berufskolleg ist geplant.

FH-Campus für 614 Millionen Euro

Rund 1400 Wohnungen sollen auf dem Gelände entstehen, davon 25 Prozent als öffentlich geförderte Mietwohnungen. Ebenfalls geplant sind zwei Kindertageseinrichtungen, Gastronomiebetriebe und ein Hotel.

Die industrielle Nutzung hat nur noch Einnerungswert: Auf der früheren HSP-Fläche soll ein hochinnovatives Stadtquartier entstehen.

Die industrielle Nutzung hat nur noch Einnerungswert: Auf der früheren HSP-Fläche soll ein hochinnovatives Stadtquartier entstehen. © Gregor Beushausen

Der Autoverkehr soll nur halb so hoch sein wie in anderen Stadtquartieren. Dafür soll bereits die Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel sorgen: Das Mobilitätskonzept sieht vor, das Gelände mit der Stadtbahn von der Rheinischen Straße aus zu erschließen. Ergänzt werden soll sie durch die H-Bahn, der Gutachter den Vorzug vor einer Seilbahn geben. Das Modell sieht vor, die H-Bahn von der Universität bis zum Bahnhof Dorstfeld zu verlängern, um sie anschließend durch das neue Quartier bis zum Hafen zu führen.

Die Studie listet auch die groben Kosten des Mammutprojekts auf: Sie landet bei gigantischen 1,8 Milliarden Euro, die für die Gesamtentwicklung des Geländes investiert werden müssten. Wer das leisten soll? An erster Stelle die Thelen-Gruppe. Sie trägt einen Kostenblock von rund 1,74 Milliarden Euro. Allein für den FH-Neubau werden 614 Millionen Euro veranschlagt. Die „Science Factory“ schlägt mit 490 Millionen Euro zu Buche, Wohnungsbau und Kita mit 340 Millionen Euro. Das Berufskolleg wird mit rund 105 Millionen Euro kalkuliert, Hotel- und Gastro-Betriebe mit weiteren 86 Millionen Euro.

Das Land muss mitspielen

Allein für den Bau von Parkplätzen veranschlagt die Thelen-Gruppe 105 Millionen Euro. Alle Gebäude wollen die Essener selbst hochziehen und später vermieten. „Wir sind überzeugt, dass wir durch den Schulterschluss mit unseren Partnern und den Einsatz von Fördermitteln langfristig Erfolg haben werden“, so Christoph Thelen von der Thelen-Gruppe. „Dafür werden wir als Investor in besonderem Maße die Verantwortung übernehmen.“

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Die Stadt Dortmund säße mit weiteren rund 110 Millionen Euro im Boot. 80 Millionen Euro entfallen laut Machbarkeitsstudie auf den Ausbau der Stadtbahn. Die Verlängerung der H-Bahn kostet weitere 28,7 Millionen Euro. Für die geplanten Fuß- und Radwege ergibt sich eine Summe von 2, 56 Millionen Euro – öffentliche Fördermittel eingerechnet.

Das HSP-Gelände soll Teil des Zukunftsgartens „Emscher nordwärts“ und von grünen Achsen durchzogen werden. Wie die denkmalwürdigen Gebäude genutzt werden, bleibt vorläufig offen.

Das HSP-Gelände soll Teil des Zukunftsgartens „Emscher nordwärts“ und von grünen Achsen durchzogen werden. Wie die denkmalwürdigen Gebäude genutzt werden, bleibt vorläufig offen. © Gregor Beushausen

Die Kosten dürften auch in den nun anstehenden Gesprächen mit den Landesministerien in Düsseldorf eine maßgebliche Rolle spielen. In die Ruhr-Konferenz des Landes ist das Mammutprojekt inzwischen eingebracht. Nun arbeiten die Akteure – Stadt Dortmund, FH, IHK und die Thelen-Gruppe – auf das „Ja“ der Landesregierung hin: Sie muss die Neubaupläne für Dortmunds FH mit einem Haken versehen. Parallel dazu schmieden die Akteure eine gemeinsame Absichtserklärung („Letter of intend“), die allerdings rechtlich unverbindlich ist. „Die Transformation der Hochschule wird nur mit expliziter Unterstützung der Landesregierung und der Ministerien möglich sein“, weiß FH-Rektor Wilhelm Schwick.

Baustart für FH schon 2024?

Zuvor muss das Projekt in allen Details konkretisiert werden. Stimmt der Rat zu, soll es 2021 einen städtebaulichen Realisierungswettbewerb geben, der noch in diesem Jahr vorbereitet wird. Dabei sollen die Bürger zu Wort kommen: Die Stadt verspricht, die Öffentlichkeit frühzeitig und umfassend zu beteiligen. Der Zeitplan ist ambitioniert: 2023 soll mit der Erschließung begonnen werden. Der Start für den FH-Neubau ist "ab 2024" vorgesehen. OB Ullrich Sierau ist überzeugt, dass „Smart Rhino weit ins Ruhrgebiet ausstrahlen" werde. „Das Projekt bietet die Chance, Dortmund und die gesamte Metropole Ruhr zum Vorreiter auf dem Gebiet der Smart Cities, der innovativen Mobilität und der Wissenschaft und Forschung zu machen“, so Sierau.

Offen bleibt, was aus der alten Walzendreherei, der Feldherrnhalle und dem Emscherschlösschen auf der früheren HSP-Fläche wird. Alle drei Gebäude gelten als denkmalwürdig. Im Raum stehen Ideen wie „Co-Working-Spaces“, Gastronomie und Lofts – aber auch eine Nutzung durch die FH. Die Vorschläge sollen auch mit Blick auf die Kosten „detailliert geprüft werden“.

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