Der alte Aldi-Markt soll abgerissen und durch einen größeren Neubau ersetzt werden. Dortmunder Naturschutzverbände schlagen unter anderem eine Tiefgarage vor. © Beate Dönnewald (Archiv)
Bauleitplanung

Zoff um Aldi-Neubau in Dortmund – SPD: „Unfassbare Unterstellungen“

Der Neubau eines Aldi-Marktes erhitzt weiterhin die Gemüter. Ein Arbeitskreis von Anwohnern hat die Bürgerbeteiligung im Bauleitverfahren kritisiert. Nun reagiert die SPD in scharfer Form.

Die Diskussionen über den Neubau eines Aldi-Marktes im Ortskern von Dortmund-Marten schlagen weiter hohe Wellen. Anlass ist der Verlust von Wohnraum im Gebäude der ehemaligen Sparkassen-Zweigstelle. Das Haus soll ebenso wie die derzeitige Filiale des Discounters abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden.

Kürzlich hatte sich bereits der SPD-Ortsverein für den Neubau von Wohnungen stark gemacht. Vor einigen Tagen äußerten nun Mitglieder des Arbeitskreises (AK) „Planen und Bürgerbeteiligung“ im Martener Forum Kritik an der Bauleitplanung. Die Bürgerbeteiligung erfolge „heimlich, still und leise“.

AK-Mitglied Reinhard Gallen bemängelte, dass der Aufruf zur Bürgerbeteiligung lediglich in den städtischen Bekanntmachungen nachzulesen gewesen sei. Eine Mitteilung an Bezirksvertretung und Medien sei dabei ausgeblieben. Vielleicht sei das ja Absicht, provozierte der Ur-Martener.

SPD kontert scharf

In scharfer Form reagiert die SPD im Stadtbezirk Lütgendortmund auf die Kritik. Sie sei „gewürzt mit unfassbaren Unterstellungen in Richtung Bezirksvertretung Lütgendortmund“, heißt es in einer Stellungnahme.

Gallen komme womöglich nicht damit klar, dass er selbst nicht mehr Mitglied der Bezirksvertretung sei, schießt der SPD-Stadtbezirk Lütgendortmund zurück.

Gallens Namen werde in der Mitteilung ebenso wenig genannt wie der von AK-Mitglied Joachim Schmittgen. Der hatte kritisiert, niemand in der BV interessiere sich für die städtebauliche Entwicklung Martens.

„Ein interessierter Bürger, der noch nicht einmal in Marten wohnt, dort aber mehrere Häuser besitzt und natürlich hohes Interesse an der Wertentwicklung seiner Immobilien hat“, so die SPD.

Im Zuge des Aldi-Neubaus wird das
Im Zuge des Aldi-Neubaus wird das „Sparkassen-Haus“ an der Schulte-Heuthaus-Straße abgerissen. Für die Wohnungen in den oberen Etagen plant Aldi derzeit keinen Ersatz. © vom Büchel (Archiv) © vom Büchel (Archiv)

Keineswegs wolle die Verwaltung zusammen mit der Politik „etwas heimlich durch die Instanzen schieben“, heißt es weiter. „Die Veröffentlichung in den Dortmunder Bekanntmachungen ist genauso erfolgt, wie es bei allen anderen Dortmunder Baumaßnahmen üblich ist.“ Die öffentliche Auslegung gehöre zu den rechtlichen Bedingungen. „Das wissen die beiden Herren auch.“

Umfangreiche Stellungnahmen würden belegen, dass die Veröffentlichung durchaus bemerkt worden sei. „Wenn interessierte Kreise in Marten nicht aufgepasst haben […], können sie der Verwaltung und der Politik nicht Unredlichkeit unterstellen.“

Aldi lehnt Neubau von Wohnungen ab

In der Sache verweist der SPD-Stadtbezirk auf die nunmehr fast dreijährige Debatte um den Aldi-Neubau. Nach einer gut besuchten Bürgeranhörung im April 2018 hätte die Bezirksvertretung einige Punkte daraus ihrer Empfehlung hinzugefügt.

Verschiedene Änderungen der Baumaßnahme seien dann mit dem Discounter verhandelt worden. „Es wurde geklärt, dass der Neubau an der Straßenfront stehen wird und der Parkplatz dahinter liegt“, heißt es in der Pressemitteilung. „Es gab das Zugeständnis von Aldi, die Augenarztpraxis und Geldautomaten der Sparkasse im Neubau unterzubringen.“

Aldi habe aber bereits bei der Bürgeranhörung den Neubau von Wohnungen abgelehnt. „Die Gründe hierfür waren vielfältig und würden hier zu weit führen“, erklärt Wehde. „Aldi hat aber auch sehr deutlich gemacht, gegebenenfalls auf einen Neubau zu verzichten.“

Stadt hat die Satzung erst im laufenden Verfahren geändert

Carla Neumann-Lieven, SPD-Stadtbezirksvorsitzende und Ratsmitglied, erklärt in der Pressemitteilung, aufgrund der damaligen Rechtslage hätten Politik und Verwaltung Aldi nicht zum Bau von Wohnungen zwingen können.

Erst in der Folge sei die Satzung der Stadt entsprechend geändert worden. „Das gilt aber leider nicht für für den Aldi-Neubau in Marten, da das Verfahren schon begonnen war“, sagt Carla Neumann-Lieven.

Die SPD wolle im weiteren Verfahren darauf achten, dass möglichst viele der Einwendungen von Martenern berücksichtigt werden, heißt es in der Mitteilung.

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Freier Mitarbeiter
Geboren 1964. Dortmunder. Interessiert an Politik, Sport, Kultur, Lokalgeschichte. Nach Wanderjahren verwurzelt im Nordwesten. Schätzt die Menschen, ihre Geschichten und ihre klare Sprache.
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Uwe von Schirp

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