Der 49-Jährige Kneipenwirt Stefan Altstadt lässt sich in Kürze zum Zugbegleiter ausbilden. © Beate Dönnewald
Coronavirus

Wirt wird Zugbegleiter – was passiert mit der letzten Kneipe im Dorf?

Das Gerücht machte schnell die Runde: Die letzte Kneipe im Stadtteil schließt, weil der Wirt wegen Corona-Krise und Lockdown zum Zugbegleiter umschult. Doch der Dortmunder Wirt gibt Entwarnung.

Ein Teil der Nachricht ist wahr: In den kommenden Monaten wird Stefan Altstadt an einer Umschulung zum Zugbegleiter teilnehmen. Im Anschluss möchte der Dortmunder Wirt in diesem Beruf auch arbeiten. Doch seine geliebte Kneipe, die „Linnertschänke“ in Dortmund-Oespel, wird trotzdem nicht dauerhaft schließen.

Aktuell lebt der 49-Jährige von Hartz IV und braucht langfristig eine Perspektive – und die kann ihm die Gastronomie in Corona-Zeiten nicht bieten, die Ausbildung zum Zugbegleiter aber schon. Doch sobald Kneipen und Gaststätten wieder öffnen dürfen, wird auch Tür der „Linnertschänke“ an der Straße „Auf der Linnert“ wieder aufgeschlossen. Das verspricht Stefan Altstadt im Gespräch mit dieser Redaktion.

Verschiedene Kneipen-Modelle sind möglich

Möglich sind nach Lockdown und Corona-Krise dann verschiedene Modelle: Stefan Altstadt arbeitet Vollzeit als Zugbegleiter und übergibt seine Kneipe an einen Nachfolger oder er findet Partner, die mit ihm gemeinsam die kleine Eckkneipe betreiben. „Möglich ist auch, dass ich mit Unterstützung einer Aushilfe beides parallel mache“, so Altstadt. Darüber hinaus arbeite er an verschiedenen Kneipen-Konzepten, die aber noch nicht spruchreif seien.

Der 49-Jährige ist seit über fünf Jahren Wirt mit Leib und Seele. Er liebt seine Kneipe, die Arbeit hinterm Tresen, gleichzeitig empfindet er auch eine soziale Verantwortung: „Die Leute müssen doch eine Anlaufstelle haben, die müssen sich treffen können“, sagt er. Seiner Meinung nach gibt es dafür keinen besseren Ort als (s)eine Kneipe: „Was gibt es Schöneres, als sich bei guter Musik zu unterhalten?“ Die Schließung der Kneipe sei deshalb für ihn keine Option.

„Ich bin schon immer gerne Zug gefahren“

Nach Bekanntwerden seiner Umschulungspläne sei er häufig, sogar auf der Straße und beim Einkaufen im Supermarkt, auf das Corona-Aus seiner Kneipe angesprochen worden, berichtet der Oespeler Wirt. Deshalb sei es gut, an dieser Stelle nun öffentlich mit dem Gerücht aufzuräumen.

Auch wenn Kneipier sein Traumjob sei, freue er sich durchaus auf die rund sechs Monate dauernde Umschulung zum Zugbegleiter und auf die neue Aufgabe. „Ich bin schon immer gerne Zug gefahren“, sagt Stefan Altstadt. Für den Beruf bringe er wichtige Voraussetzungen mit. „Als Wirt bin ich natürlich sehr kommunikativ und ich spreche Englisch.“ Schmunzelnd fügt er hinzu: „Und deeskalierend wirke ich auch ohne Worte.“ Am liebsten würde er im Bistrowagen arbeiten.

„Das Nichtstun geht mir auf den Senkel“

Wann genau die Umschulung losgeht, weiß Stefan Altstadt noch nicht. Er hofft, dass es im Februar soweit sein wird. „Das Nichtstun geht mir auf den Senkel. Alle geplanten Renovierungsarbeiten habe ich schon erledigt.“

Über die Autorin
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1968 geboren und seit über 20 Jahren Redakteurin bei Lensing Media. Zuständig für den Dortmunder Westen mit seinen Stadtbezirken Lütgendortmund, Mengede und Huckarde sowie für die Stadt Castrop-Rauxel.
Zur Autorenseite
Beate Dönnewald

Dorsten am Abend

Täglich um 19:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.