Die Leuchtreklame abgebaut und die Fenster zugeklebt: Ein Plakat erklärt die Schließung der Volksbank-Filiale in Westerfilde. © Uwe von Schirp
Banken-Schließungen

Volksbank Nordwest schließt Filialen – Alternativen digital oder teuer

Die Volksbank Dortmund-Nordwest hat drei Filialen komplett geschlossen. Kunden müssen weitere Wege inkauf nehmen. Es gibt Alternativen, zum Teil digital. Die sind bequemer, aber auch teurer.

Da stand wohl mancher Kunde Anfang der Woche überrascht vor der Tür: „Die Volksbank hat in Westerfilde am 17. Mai den Geldautomaten abgebaut“, berichtet etwa Monika Hohmann dieser Redaktion.

Das sei nicht die einzige Veränderung, sagt Christopher Wolff auf Anfrage. Die Volksbank Dortmund-Nordwest habe die Standorte in Kirchlinde, Oespel und Westerfilde komplett aufgegeben, erklärt der Sprecher der Bank. Zudem hat sie die erst vor zwei Jahren in Betrieb genommenen Video-Beratungskabinen an den drei Standorten abgebaut.

Schon seit Januar gab es in den drei kleineren Filialen das persönliche Beratungsangebot nicht mehr. „Um den Kollegen Homeoffice anzubieten, haben wir die Beratung auf die großen Filialen in Mengede, Lütgendortmund und Huckarde konzentriert“, sagt Wolff.

Wenig genutzte Geldautomaten sind unrentabel

Der weitere Abbau im bisherigen Service-Angebot habe Gründe. „Die kleinen Filialen sind kaum frequentiert“, erklärt Christopher Wolff. „Seit gut eineinhalb Jahren wurden die Automaten deutlich weniger genutzt.“ Beratungsangebote seien zudem ohnehin hauptsächlich in den großen Filialen nachgefragt worden. „Dort haben wir die Spezialisten, etwa für Baufinanzierungen oder Wertpapiere.“

Bei den Automaten stellte sich für die Bank die Frage der Rentabilität: Denn Kosten fielen nicht nur für die Bestückung mit Bargeld an, sondern auch für die Wartung und Datenleitungen – letztere seien nicht vergleichbar mit einer haushaltsüblichen Internetverbindung.

Generell habe sich aber auch bei den Senioren die Praxis verändert. „Viele ältere Kunden ziehen ihre Kontoauszüge mittlerweile online“, sagt Christpher Wolff. Zunehmend nutze dieser Kundenkreis ebenfalls das komplette Online-Banking. Und ihren Bargeld-Bedarf würden viele auch beim Einkauf an der Supermarkt-Kasse decken.

Videoberatung jetzt zuhause möglich

Dennoch sei für einen Teil der Kunden der Weg zu den drei großen Filialen aufwendig. Deswegen habe die Bank die Videoberatung „VR Sisy“ weiterentwickelt. „VR Sisy Mobil“ heißt das neue Angebot, das mit dem Computer, Smartphone oder Tablet von zu Hause aus genutzt werden könne. Die drei großen Filialen behalten ihre Videokabinen.

Für beide Angebote, stationär wie online seien die gleichen Berater tätig. Sie würden auch bei „VR Sisy Mobil“ etwa bei Überweisungen behilflich sein. Die Unterschrift erfolge dann auf dem Bildschirm des Smartphones.

Die Videokabinen des VR-Sisy-Services gibt es nur noch in den drei großen Filialen in Mengede, Lütgendortmund und Huckarde.
Die Videokabinen des VR-Sisy-Services gibt es nur noch in den drei großen Filialen in Mengede, Lütgendortmund und Huckarde. © Volksbank Dortmund-Nordwest © Volksbank Dortmund-Nordwest

Die Volksbank Dortmund-Nordwest biete zudem einen Bargeld-Lieferservice an, erklärt Christopher Wolff. Per Telefon könnten die Kunden das Bargeld bestellen. Das komme dann per (Paket-)Post. „Wenn die Post fix ist, haben die Kunden am nächsten Tag das Geld.“

Geld per Post – ein teurer Lieferservice

Dieser Service hat jedoch einen stolzen Preis: 11,90 Euro Gebühren fallen an. „Wir geben nur die Kosten weiter, die entstehen“, erklärt der Vertriebschef. Und das seien neben umgelegten Personal- und Versandkosten im wesentlichen Versicherungsgebühren.

Der Geldversand müsse per Paket passieren, sagt Wolff. Nur so könne der Versand versichert erfolgen. Für Kleinbeträge fast 12 Euro Gebühren? „100 Euro bestellt niemand“, sagt der Banker. „Ältere Kunden heben durchschnittlich 500 Euro oder gleich die ganze Rente ab.“

Monika Hohmann kritisierte gegenüber dieser Redaktion, dass die Mitglieder noch nicht über den Abbau des Geldautomaten informiert worden seien. Dem widerspricht Christopher Wolff. „Wir haben vor vier bis sechs Wochen Aushänge in den Filialen gehabt, dass wir zum 17. Mai schließen.“

Kunden die Beratung in den drei kleinen Filialen in Anspruch genommen hätten, seien angeschrieben worden. Das Schreiben habe auch über die neuen alternativen Möglichkeiten informiert.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Geboren 1964. Dortmunder. Interessiert an Politik, Sport, Kultur, Lokalgeschichte. Nach Wanderjahren verwurzelt im Nordwesten. Schätzt die Menschen, ihre Geschichten und ihre klare Sprache.
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Uwe von Schirp

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