Nach getaner Arbeit: Marita Pettke und ihr Hund Shawnee beim Mantrailing auf Zeche Zollern in Dortmund. © Rebekka Wölky
Hundetraining

Versteckspiel unterm Förderturm: Warum so viele Hunde auf Zeche Zollern waren

Eine Hundesportgruppe trainiert Mantrailing auf Zeche Zollern. Das Versteckspiel kann im Ernstfall Leben retten. Ein Mädchen stieg mit elf Jahren mit einem Welpen ein. Heute sind sie die Besten.

Hechelnd springt der kleine Hund die Treppe hinauf, die aus dem dunklen Keller der Maschinenhalle auf Zeche Zollern zurück nach „Über Tage“ führt. Der quirlige Sheltie Shawnee wedelt zweimal mit dem Schwanz und setzt sich dann erschöpft hin. Hinter ihm steigt Trainerin und Frauchen Marita Pettke aus der Kellerluke.

Gerade hat Shawnee erfolgreich ein Mantrailing absolviert. Das ist eine Personensuche. Wie ein Versteckspiel für Hunde ist das: Ein Mensch versteckt sich, ein Hund sucht ihn. Dabei bewegt sich das Tier entlang der Geruchsfahne, die der Mensch auf dem Weg zu seinem Versteck hinterlassen hat. Die Spur nehme der Hund zum Beispiel an einer getragenen Socke oder einem Halstuch auf, erklärt Marita Pettke.

Mantrailing ist Höchstleistung für die Hunde

20 Hundebesitzer haben sich am Sonntagabend (19.9.) zum Mantrailing auf dem Parkplatz der Zeche Zollern versammelt, alle in gelben Warnwesten. Marita Pettke bietet das Training ehrenamtlich an, einige der Anwesenden kommen schon seit dem Anfang vor acht Jahren.

Die jüngsten in der Mantrailing-Gruppe, die auf Zeche Zollern in Dortmund-Bövinghausen traininert, sind die 15-Jährige Mara und ihr Hund Gothi.
Die Jüngste in der Mantrailing-Gruppe, die jetzt auch auf Zeche Zollern trainiert, ist die 15-Jährige Mara mit ihrem Hund Gothi. © Rebekka Wölky © Rebekka Wölky

Das jüngste Mitglied ist die Mara (15). Seit vier Jahren ist sie mit ihrem Hund Gothi, damals zwölf Monate alt, dabei. „Ich dachte, das wird nie was, eine 11-Jährige und ein Welpe“, sagt Marita Pettke und lacht. „Heute sind sie eines unserer besten Teams.“

Die Industrieumgebung fordert die Tiere anders

An 35 Orten trainiert Marita Pettke Wochenend-Gruppen. „Die Abwechslung ist wichtig. Sonst kennen die Hunde sich irgendwann aus und es wird zu einfach“, erklärt sie. Auf dem Gelände des LWL-Industriemuseums trailt sie an diesem Sonntagabend zum zweiten Mal. Die Industrieumgebung sei toll, um die Tiere neu zu fordern.

„Der Wechsel zwischen frischer Luft und den Gebäuden, die verschiedenen Böden und der Hall in der Maschinenhalle – das alles macht uns und den Hunden unglaublich viel Spaß.“ Kreative Verstecke werden gesucht, im Keller, am Förderturm oder auf einer alten Lok. Und dann wird gesucht. „Richtig elektrisiert“ seien die Tiere, sagt Maren Feldmann, die mit ihrer Bullterrier-Dame Biene trailt.

„Wir unterstützen solche ehrenamtlichen Dinge gern“, sagt Museumsführer Jann Henrik Höller, nachdem Mara und Gothi stolz die Maschinenhalle verlassen haben, einmal mehr erfolgreich. „Ich bin selbst mit Hunden großgeworden, habe so ein Training aber noch nie erlebt.“

Selbstbewusstsein für traumatisierte Hunde

Die Gruppe darf das Gelände nutzen, solange das Training nach dem Museumsbetrieb stattfindet. Zu den Öffnungszeiten dürfen Hunde nicht in die Gebäude. Marita Pettke ist begeistert von der unkomplizierten Zusammenarbeit mit dem Museum: „Die Organisation war so unbürokratisch und schnell.“

Martina und ihr Collie Toni sind die letzten, die am Sonntagabend nach erfolgreichem Mantrailing die Maschinenhalle auf Zeche Zollern verlassen.
Martina und ihr Collie Toni sind die letzten, die am Sonntagabend nach erfolgreichem Mantrailing die Maschinenhalle auf Zeche Zollern verlassen. © Rebekka Wölky © Rebekka Wölky

Sie selbst trailt seit zehn Jahren. „Ich wollte meinen Hunden eine Aufgabe geben“, sagt sie. Geeignet sei das Training auch für traumatisierte Hunde. „Die Tiere sind bei der Suche so sinngesteuert, dass sie Ängste, die sie sonst haben, ausblenden können. Viele werden dadurch selbstsicherer. Sie haben Erfolgserlebnisse und lernen, mit dem Hundeführer zusammenzuarbeiten und Menschen zu vertrauen.“

Mantrailing im Ernstfall

Wichtig sei, dass der Mensch lerne, seinen Hund zu lesen und das Verhalten des Tiers bei der Suche richtig zu deuten. „Die Tiere sollen Spaß haben. Wenn wir merken, dass sie gestresst sind, weil sie nicht weiterkommen, helfen wir ihnen auch mal auf die Sprünge“, sagt Pettke.

Auf Zeche Zollern ist das Mantrailing nur ein Spiel. Gut ausgebildete Hunde können aber auch im Ernstfall eingesetzt werden. „Ich bin zwar nicht in einer Rettungsorganisation, habe aber trotzdem schon vermisste Menschen und Tiere gesucht“, sagt Pettke. So auch Maren Feldmanns Bullterrier Biene, die sich von der Leine losgerissen hatte – wohl, um Rehe zu jagen – und dann drei Tage lang verschwunden war. Bis Marita Pettke und Shawnee sie fanden…

Über die Autorin
1997 in Dortmund geboren. Dort seit 2017 für die Ruhr Nachrichten im Einsatz. Habe die Stadt dabei neu kennen und lieben gelernt. Mag die großen und kleinen Geschichten um mich herum, Bücher, schreiben und fotografieren.
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Rebekka Antonia Wölky

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