Gewaltige Wassermassen drückten sich am Mittwochabend durch die Drossel-Tore des Wehrs in den Emscher-Auen. © Uwe von Schirp
Starkregen

Unwetter: Emscher-Auen im Härtetest – Wasser an der Deichkrone

Die Emscher schwappte knapp an der Deichkrone. Für das Hochwasser-Schutzsystem war das Unwetter am Mittwoch ein „nie dagewesener Härtetest“. Die Pegelstände sinken – Zeit für eine erste Bilanz.

Donnerstagmittag in den Emscher-Auen an der Stadtgrenze von Castrop-Rauxel und Dortmund-Mengede: Immer noch drücken braune Wassermassen auf die Drosseltore des Wehrs. Strudel tanzen am Übergang in das enge Bett des unteren Emschertals. Eine Radfahrerin steigt ab und macht Fotos.

„Wie voll das ist“, sagt die Ickernerin. „Gut, dass sie das hier gebaut haben. Dadurch ist kein Wasser in unseren Keller gelaufen.“ Sie ist nicht allein. Viele Spaziergänger und Radfahrer sind unterwegs und machen sich ein Bild. Die zurückliegenden 20 Stunden waren ein Stresstest für ihren Schutz.

Es ist beileibe kein Katastrophen-Tourismus. Die Menschen schauen nach, wie das Hochwasser-Schutz-System funktioniert. Bislang kannten sie es nur aus Berichten und Planungen. Und die Emscher-Auen als lohnenswertes Ausflugsziel: eine grüne Oase, ein Biotop mit Flora und Fauna.

Scheitelpunkt gegen Mitternacht

Oberhalb des Wehrs sind die großen Rückhaltebecken gut gefüllt. Die Spuren an den Ufern zeigen: Der Wasserstand fällt wieder – wie auch am Emscherpegel Mengede nahe der Autobahn A45. Der Pegel erreichte seinen Höchststand um 23.30 Uhr mit 5,40 Metern.

Jetzt am Mittag sind es noch 3,10 Meter. Zum Vergleich: Normalerweise liegt der mittlere Wasserstand bei rund 1,30 Metern. Alle Wege zu den Emscher-Auen sind wieder frei. Am späten Mittwochabend sah das völlig anders aus. Der Weg am Emscherdurchlass unter der Autobahn war meterhoch überflutet.

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Hochwasser-Härtetest an der Emscher

800 Meter nordwestlich rauschten die Wassermassen über die noch bestehenden Baustraßen in die Rückhaltebecken. Von 2022 an will die Emschergenossenschaft (EG) diese Dämme zurückbauen und das Bett des Flusses mäandrierend durch die Auen führen. 2024 soll der Endausbau abgeschlossen sein.

Kurz vor dem Scheitelpunkt „stand das Wasser an einigen Orten rund einen halben Meter unter der Deichkrone“, schreibt die EG am Mittag in einer Presseinformation. Im Hintergrund ergriff der Wasserwirtschaftsverband Maßnahmen, um den Deich gegebenenfalls zu sichern.

Phoenixsee mit 100.000 Kubikmetern Wasser geflutet

Das sei aber nicht notwendig geworden. Der Starkregen ließ im Laufe des Abends nach. „Westlich von Dortmund ist die Emscher nicht über die Ufer gelaufen“, sagt EG-Sprecherin Anne-Kathrin Lappe im Gespräch mit dieser Redaktion.

Gewaltige Wassermassen drückten sich am Mittwochabend durch die Drossel-Tore des Wehrs in den Emscher-Auen.
Bis knapp unter die Deichkrone stieg der Wasserpegel – wie hier in der Nähe des Mengeder Volksgartens. © Uwe von Schirp © Uwe von Schirp

Genau das ist das Ziel des Hochwasser-Schutz-Systems rund um Mengede. Auch die Hochwasser-Rückhaltebecken (HRB) in Ellinghausen liefen voll. Alle Rückhaltebecken seien zwar regelmäßig bei starken Niederschlägen im Einsatz. „Gestern musste sich das System aber einem bislang noch nicht da gewesenen Härtetest unterziehen“, heißt es in der Pressemitteilung.

Dazu gehörte auch, das erstmals in seiner zehnjährigen Geschichte der Phoenix-See in Dortmund-Hörde mit mehr als 100.000 Kubikmetern aus der Emscher geflutet wurde. Alle Pumpwerke liefen unter Volllast.

Regenprognosen schwankten

„Das war eine Situation, die wir in der Form im Gesamtsystem noch nicht hatten“, sagt Anne-Kathrin Lappe in einer ersten Bilanz am Donnerstagvormittag. „Man hat gemerkt, dass die Niederschlagsprognosen extrem unstringent waren.“ Am Mittwochmorgen sei die Prognose kritisch gewesen, am Mittag entspannt. „Abends ist es dann richtig spannend geworden.“

Von einem Normalwasserstand ist die Emscher am Donnerstagmittag noch weit entfernt.
Von einem Normalwasserstand ist die Emscher am Donnerstagmittag noch weit entfernt. © Uwe von Schirp © Uwe von Schirp

Die Flussmanager der Emscher-Genossenschaft werten nun Daten aus. Sie erstellen eine Gesamtübersicht, kontrollieren Deiche und Anlagen. Erst dann werden Rückschlüsse möglich sein, wie sicher der Hochwasser-Schutz am „blauen Band“ der Emscher ist.

Emscher-Auen und das HRB in Ellinghausen haben eine zentrale Funktion für den Schutz aller Anwohner flussabwärts – von Castrop-Rauxel bis Dinslaken. Denn eines ist klar: Das nächste Starkregen-Ereignis kommt bestimmt.

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Freier Mitarbeiter
Geboren 1964. Dortmunder. Interessiert an Politik, Sport, Kultur, Lokalgeschichte. Nach Wanderjahren verwurzelt im Nordwesten. Schätzt die Menschen, ihre Geschichten und ihre klare Sprache.
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Uwe von Schirp

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