Susanne Brambora-Schulz, Leonie Wenning, Jonathan Knaup und Jürgen Hecht (v.l.) stellten die Pläne für den Revierpark Wischlingen vor. © Uwe von Schirp

Umbau im Revierpark: 6 Millionen Euro für mehr Natur, mehr Erlebnis

Der große Umbau beginnt am Jahresende. Für zwölf Monate geht der Revierpark Wischlingen dann in Frischzellenkur. Einen Vorgeschmack gibt es bereits – und eine gute Nachricht für den Sommer.

Mehr Natur, mehr Umwelt, mehr Erlebnis: Rund sechs Millionen Euro investiert der Regionalverband Ruhr (RVR) in den Revierpark Wischlingen – ein Revitalisierungsprogramm. Das legt der RVR nicht nur im Dortmunder Westen, sondern auch in den vier anderen Revierparks in Duisburg, Oberhausen, Gelsenkirchen und Herne auf.

„Die Parks sind jetzt 50 Jahre alt“, sagt Referatsleiterin Susanne Brambora-Schulz. „Die Maßnahmen zum Erhalt sind daher dringend.“ Am Dienstag (4.5.) stellten RVR und die Verantwortlichen des Wischlinger Revierparks Details und den Fahrplan vor.

Beim großen Umbau geht es nicht um Bestandssicherung. Vielmehr rückt er Naturerlebnis und Umweltbildungsangebote in den Blick. Das Motto: „Park erleben – Natur erlernen“.

„Natur Loop“ – ein Entdeckungspfad quer durch den Park

Im Vordergrund steht die ökologische Aufwertung hin zu mehr Vielfalt an Flora und Fauna. Attraktive Bewegungsangebote sollen Besucher aller Generationen zum Austoben und zur spielerischen Auseinandersetzung mit der Natur einladen.

Auch der Wasserspielplatz wird komplett umgebaut.
Auch der Wasserspielplatz wird komplett umgebaut. © RVR © RVR

Geplant ist ein so genannter „Natur Loop“. Dahinter verbirgt sich ein Entdeckungspfad quer durch den Park: mit einem neuen Teicherlebnis, einem umgestalteten Wasserspielplatz, einem „Grünen Zimmer“ und weiteren Erlebnisstationen wie Kleinbiotope und Blühwiesen.

Stellvertretend dafür gibt es bereits jetzt ein „Quadratmeter-Experiment“. Nahe der Kapelle Wischlingen sind drei jeweils einen Quadratmeter große Flächen markiert. Eine mähen die Gärtner regelmäßig, die zweite seltener, auf der dritten haben sie eine regionale Blumenwiese ausgesät.

Das Quadratmeter-Experiment besteht aus drei Wiesenarten. Es zeigt, in welchem Umfeld sich Wildbienen heimisch fühlen.
Das Quadratmeter-Experiment besteht aus drei Wiesenarten. Es zeigt, in welchem Umfeld sich Wildbienen heimisch fühlen. © Uwe von Schirp © Uwe von Schirp

In unmittelbarer Nähe stehen drei Nisthilfen für Wildbienen. Leonie Wenning ist Umweltbildende im Revierpark Wischlingen. Gemeinsam mit Vorschulkindern der Kita Kinderkiste hat Wenning die Nisthilfen gebaut. Ein Upcycling-Projekt: Alte Emaille-Kochtöpfe schützen die Holzpfähle vor Feuchtigkeit und lassen die Nisthilfen wie Figuren mit Hut aussehen.

Wegweiser durch die Natur – persönlich, mit Kreide oder per App

Sobald es die Corona-Pandemie zulässt, wird Leonie Wenning Umweltführungen für Jung und Alt im Park anbieten. Bis dahin ist sie mit ökologischer Straßenkreide in der grünen Lunge unterwegs. Immer wieder neue, aber vergängliche Pfeile und Beschriftungen auf den Wegen weisen auf Besonderheiten in der Natur hin – etwa welcher Baum oder Strauch gerade farbenfroh blüht.

Für alle fünf Revierparks entwickelt der RVR derzeit digitale Werkzeuge. Gemeinsam mit Spieleentwicklern entsteht die App „Biparcours“, die schon jetzt nutzbar ist. Sie führt auf einer Route durch den Park. In einem kleinen Quiz sollen die Spielenden zum Beispiel den Ruf einer Lachmöwe aus dem nahen Naturschutzgebiet Hallerey erkennen.

Der große Teich ist schon immer ein Ziel von Erholungssuchenden. Im Zuge der Bauarbeiten wird der westliche Teil entschlammt und der Uferbereich naturnah aufgewertet. Am Nordufer entsteht ein schwimmender Steg. Fest installierte Aquaskope erlauben dann einen Blick auf Pflanzen und Tiere unter Wasser.

Am Nordufer des Revierpark-Teichs entsteht ein schwimmender Steg mit Aquaskopen, die einen Blick in die Unterwassser-Welt erlauben.
Am Nordufer des Revierpark-Teichs entsteht ein schwimmender Steg mit Aquaskopen, die einen Blick in die Unterwassser-Welt erlauben. © RVR © RVR

Das „Grüne Zimmer“ entsteht auf einer Waldlichtung. Mit Möbeln aus Naturmaterialien lädt es zum Forschen, Entdecken und Entspannen ein. Hier ist Platz für das gemütliche Picknick oder ein passender Raum für Umweltbildungs-Aktionen.

Keine Einschränkungen für Besucher im zweiten Corona-Sommer

Ursprünglich sollte der Umbau mit Rodungsarbeiten bereits jetzt im Frühjahr beginnen. „Wegen der Pandemie haben wir das auf den November verschoben“, sagt Susanne Brambora-Schulz. „Dann kann die Bevölkerung im Sommer den Revierpark genießen.“

2022 müssen die Besucher dann mit Einschränkungen rechnen. „Wir halten die Bauphase aber kurz und wollen sie in zwölf Monaten abschließen“, betont die Referatsleiterin beim Regionalverband.

Die Zukunft des Parks folge drei „gesellschaftlichen Megatrends“, betont Revierpark-Geschäftsführer Jürgen Hecht, „Klima und Umweltschutz, demographischer Wandel, Fachkräftemangel“. Im dicht besiedelten Ballungsraum Ruhr soll die Erholung vor der Haustür liegen.

Gemeinsam mit Kindern der Kita Kinderkiste baute Leonie Wenning Nisthilfen für Wildbienen.
Gemeinsam mit Kindern der Kita Kinderkiste baute Leonie Wenning Nisthilfen für Wildbienen. © Uwe von Schirp © Uwe von Schirp

„Die Leute sollen dafür nicht durch die ganze Welt fliegen“, erklärt er. Demzufolge will der Revierpark eine längere Aufenthaltszeit ermöglichen. Eine neue Wegebeleuchtung soll den Besuch bis in den späteren Abend, vor allem aber auch im Winter attraktiv machen.

Ein 4,5 Meter großes „R“ begrüßt die Besucher

Zentraler Aspekt sei aber der Umweltgedanke. „Wenn ich mit meinen Kindern einkaufen gehe, kommt kein Plastik in den Einkaufswagen“, sagt Jürgen Hecht. „Kindern sind solche Themen wichtig. Und darum müssen wir uns um die Themen kümmern.“

Dankbar sei er für die finanzielle Unterstützung des Umbaus durch den RVR. „Wir hätten niemals selbst knapp sechs Millionen investiert.“ Insgesamt steckt der Regionalverband 28 Millionen Euro in die Aufwertung der fünf Revierparks. Auch äußerlich wird das neue gemeinsame Markenzeichen sichtbar. Ein 4,5 Meter großes „R“ begrüßt die Besucher an den Eingängen der Parks.

Der RVR trägt 20 Prozent der Investitionen. 80 Prozent kommen vom Land Nordrhein-Westfalen und aus Mitteln der Europäischen Union. Das Projekt ist Teil des Aufrufs „Grüne Infrastruktur NRW“, den das Landesministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz gestartet hat.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Geboren 1964. Dortmunder. Interessiert an Politik, Sport, Kultur, Lokalgeschichte. Nach Wanderjahren verwurzelt im Nordwesten. Schätzt die Menschen, ihre Geschichten und ihre klare Sprache.
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Uwe von Schirp