Die Schafherde mit rund 50 Tieren steht zurzeit auf einer Weide in Deusen. © Keller
Missstände und tote Lämmer

Tierschützer haben Online-Petition gegen „Problemschäfer“ gestartet

Die Wahrnehmung von Tierschützern und Dortmunder Veterinäramt zur Tierhaltung des „Problemschäfers“ in Deusen klafft weit auseinander. Inzwischen gibt es eine Online-Petition gegen den Schäfer.

Seit einem Jahr sorgt ein Wanderschäfer aus Castrop immer wieder für Schlagzeilen sowie für Einsätze von Tierschützern und Auflagen des Veterinäramtes wegen der teilweise unzulänglichen Haltung seiner Schafherde im Dortmunder Westen.

Allerdings geht die Meinung über mögliche Konsequenzen zwischen Tierschützern, darunter vor allem der Dortmunder Organisation Arche90, und dem Dortmunder Veterinäramt weit auseinander. Während Arche90 ein Tierhaltungsverbot für den Schäfer fordert, den sie nur noch „Problemschäfer“ nennt, sieht das Veterinäramt, das um Versachlichung bemüht ist, dafür keinen Anlass.

Nun gibt es seit dem 14. Februar auch eine Online-Petition im Netz von Tierschützern, die am Dienstagmittag (16. 2.) bereits 1639 Menschen unterzeichnet haben. Darin heißt es unter anderem: „Der Fall ist dem Veterinäramt Dortmund schon länger bekannt, doch wirklich durchgegriffen wurde hier nie.“ Ein Verbot der Tierhaltung für den Schäfer sei „längst überfällig“.

„Missstände sind nicht mehr hinnehmbar“

Die Missstände, die von Unterversorgung (kein Wasser und Futter) bis hin zu kranken und toten Tieren reichten, seien „nicht weiter hinnehm- und entschuldbar“, so der Text der Petition. Thema sind auch das tote Mutterschaf und die verendeten Lämmer, die von Tierschützern am Freitag (12.2.) in einer Kadavertonne gefunden wurden.

Dagegen teilt das Veterinäramt auf Anfrage mit, ihm lägen keine Kenntnisse vor, „dass Lämmer, die in der letzten Zeit draußen geboren wurden, erfroren sind“. In dem Kadavercontainer habe sich bereits am Donnerstagnachmittag nach einer Kontrolle vor Ort ein totes Schaf mit zugehörigem Lamm befunden.

„Bis Freitag-Spätnachmittag war das angesprochene Lamm bereits durch die draußen herrschenden Minustemperaturen durchgefroren. Das andere in dem Container befindliche Lamm ist später im Stall verendet.“

„Verluste liegen im Normbereich“

Arche90 hatte eine Untersuchung der toten Tiere gefordert, beziehungsweise auf eigene Kosten angeboten. Dazu sagt das Veterinäramt: „Durch die Untersuchung dieser Lämmer hätte kein Zusammenhang mit Erfrierungen von Lämmern auf der Weide hergestellt werden können.

Zudem kommt es in der Ablammzeit selbst in vorbildlich geführten Betrieben zu Verlusten von Lämmern und Mutterschafen. Die bisher bekannten Verluste in der Schafhaltung liegen bis jetzt im Normbereich, gilt übrigens auch für die Ablammung im Vorjahr. Auch aus diesen Gründen würde die Untersuchung der Tierkörper nicht weiter führen.“

Zudem dürften laut Amt aus Gründen der vorbeugenden Tierseuchenbekämpfung verendete Tiere nur von Tierhaltern selber, ihren Beauftragten, behandelnden Tierärzten oder auf behördliche Anordnung vom Betrieb entfernt werden, um die Krankheits- oder Todesursache feststellen zu lassen.

Veterinäramt kontrolliert Schafhaltung derzeit täglich

Der Schäfer hat die Auflage des Veterinäramtes vom vergangenen Jahr, seine Schafe nicht wieder zu früh decken zu lassen, nicht voll erfüllt. 13 Mutterschafe haben deshalb in winterlicher Kälte gelammt oder lammen noch. Dieser Verstoß gegen die Auflage werde auch ordnungsrechtlich geahndet, versichert Amtsleiter Dr. Rüdiger Wurm.

Die Schafhaltung werde derzeit täglich kontrolliert, notwendige Maßnahmen würden angeordnet, und „verwertbaren Hinweisen“ aus der Bevölkerung werde sofort nachgegangen, stellt das Veterinäramt fest. Und: „Der Schäfer wird auch weiter regelmäßig kontrolliert.“

Der Schäfer selbst ist für die Redaktion für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Die Handynummer auf dem Schild an der Weide gibt es nicht mehr.

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Stellvertretende Leiterin der Dortmunder Stadtredaktion - Seit April 1983 Redakteurin in der Dortmunder Stadtredaktion der Ruhr Nachrichten. Dort zuständig unter anderem für Kommunalpolitik. 1981 Magisterabschluss an der Universität Bochum (Anglistik, Amerikanistik, Romanistik).
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Gaby Kolle

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