Entenmama, Entenpapa und fünf Küken bei einem Ausflug in die Stadt: Sie überqueren eine Straße und watscheln schnurstracks zu einer Großpflegeeinrichtung. © privat

Tagesmutter konsequent – aber Entenvater will nicht zurück in den Wald

Seltener Besuch in der „Zwergenoase“. Am Mittwoch steht eine siebenköpfige Entenfamilie vor der Großpflegeeinrichtung. Offen bleibt, ob Entenmama und Entenpapa den Nachwuchs anmelden wollen.

Da staunen die Tagesmütter nicht schlecht. Am Mittwochvormittag (28.4.) steht plötzlich eine siebenköpfige Familie vor der „Zwergenoase“: Entenpapa, Entenmama und fünf Küken. Ob die Eltern den flauschigen Nachwuchs in der Dortmunder Großpflegeeinrichtung anmelden wollen, bleibt offen.

Der Aufmerksamkeit auf der Jungferntalstraße im Stadtteil Rahm können sie sich auf jeden Fall gewiss sein. Autos müssen bremsen, zwei Kinder aus der Nachbarschaft sehen staunend zu, erzählt Patricia Mingram. Gemeinsam mit Jasmin Verhoff betreibt sie die Einrichtung.

„Ich habe die Feuerwehr angerufen“, berichtet die 33-Jährige im Gespräch mit dieser Redaktion. „Sie konnte aber nicht helfen, weil es kein Notfall war.“ Eigeninitiative ist also gefragt. Die Inhaberin des benachbarten Hundesalons hat ein Gitter.

Langer Weg ins Naturschutzgebiet

Drei Kinder sind an diesem Vormittag in der Tagespflege – in der Notbetreuung gemäß der Corona-Schutzverordnung. Alle sind noch sehr klein. Das jüngste ist ein Säugling. Nur ein Zweijähriger erlebt bewusst den überraschenden Besuch. „Es hätte zu lange gedauert, sie mitzunehmen“, erklärt Patricia Mingram.

Mit einem Gitter und einem Stöckchen führt Patricia Mingram die Entenfamilie zurück in den Wald.
Mit einem Gitter und einem Stöckchen führt Patricia Mingram die Entenfamilie zurück in den Wald. © privat © privat

Behutsam führt Patricia Mingram die Entenfamilie in den Rahmer Wald. Eine Kollegin begleitet sie. Ihr Ziel: der See im Naturschutzgebiet Mastbruch. „Ein ganz schön weiter Weg“, erzählt die Retterin. Sie kennt die Strecke. „Wir sind fast jeden Tag mit den Kindern im Wald.“

Er ist ein echter Mehrwert für die Großpflegeeinrichtung. Das weitläufige Gebiet bietet immer wieder Abwechslung, Erlebnis und naturnahe Erfahrungen. Mit Krippenwagen und Turtlebus geht es ins Grüne. 2017 haben Patricia Mingram und Jasmin Verhoff die Tageseinrichtung eröffnet.

Entenmama und -papa wollen an diesem Mittwochmorgen ihrem Nachwuchs mit einem Ausflug „in die Stadt“ wohl das gegensätzliche Erlebnis bieten. Entsprechend geteilt ist in der Entenfamilie offenbar die Meinung über das behutsame, aber konsequente Ende des Abenteuers.

Entenvater faucht beim Gänsemarsch

„Der Vater hat uns ganz schön angefaucht. Er wollte sich nicht führen lassen“, berichtet Patricia Mingram. Die Enten-Mama ist aufgeregt. Erst langsam fasst sie Vertrauen. „Sie hat gemerkt, dass wir etwas Gutes wollen.“ Im Gänse-, besser: Entenmarsch, geht es in Richtung Norden. „25 Minuten sind wir gelaufen“, erzählt Patricia Mingram.

Entenfamilie im Gäsemarsch: die Entenmama vertraut, der Entenpapa faucht.
Entenfamilie im Gäsemarsch: die Entenmama vertraut, der Entenpapa faucht. © privat © privat

„Es war ein schönes Erlebnis, auch aufregend. Das hat man nicht so oft.“ Derzeit sind übrigens alle neun Kindertagespflege-Plätze in der Zwergenoase belegt. Ab August werden zwei Plätze frei. Interessierte Eltern können sich melden. „Ich würde auch 14 Kinder nehmen“, sagt Mingram mit Blick auf die fünf Küken. Entenmama und -papa haben wohl ein nachhaltiges Zeichen gegeben.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Geboren 1964. Dortmunder. Interessiert an Politik, Sport, Kultur, Lokalgeschichte. Nach Wanderjahren verwurzelt im Nordwesten. Schätzt die Menschen, ihre Geschichten und ihre klare Sprache.
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Uwe von Schirp