Seit einem halben Jahr kreieren und verkaufen Mario (l.) und Mirko Di Mauro sizilianisches Streetfood in Dortmund. Viele Stammkunden halten ihnen die Treue, den Lockdown spüren Vater und Sohn trotzdem. © Beate Dönnewald
Gastronomie

Sizilianisches Streetfood in Dortmund: „Alle sollen unser Essen lieben“

Seit einem halben Jahr verkauft Mario Di Mauro sizilianisches Streetfood in Dortmund. Mit 63 Jahren verließ er dafür seine Heimat. Trotz des Lockdowns bereut er diesen mutigen Schritt nicht.

Mit 63 Jahren wagte der Sizilianer Mario Di Mauro im vergangenen Sommer den Sprung in eine neue Selbstständigkeit – fast 3000 Kilometer fern der Heimat. Exakt ein halbes Jahr liegt die Neueröffnung seines kleines Ladenlokals „Il Siciliano“ zurück. Seit dem 18. August verkauft Mario Di Mauro in Dortmund-Kirchlinde sizilianisches Streetfood zum Mitnehmen.

Arancini (gefüllte Reisbällchen), Cartocciata und Cannoli (gefüllte Teigtaschen und gefülltes Gebäck), Pasticcini (Minitörtchen), Pizzetta (kleine Pizzen) und im Sommer auch Eis: Das alles stellt der Konditor, Bäcker und Gelatiere (Speiseeishersteller) nach Originalkonzepten aus seiner Heimat her.

Ein Teil der Familie ist mitgekommen

Ganz alleine ist der 63-Jährige diesen Weg nicht gegangen. Ein Freund hat ihn auf die Idee gebracht und anfangs begleitet, auch ein Teil seiner Familie ist mit nach Dortmund gekommen: Sein Sohn Mirko (29) und seine Lebenspartnerin Giovanna Pistorio (54) bilden mit ihm das „Il Siciliano“-Team. Gemeinsam haben sie ein Ziel: „Alle sollen unser Essen lieben.“

Im „Il Siciliano“ hat man die Qual der Wahl: Die Auslagen sind üppig mit süßen und herzhaften Spezialitäten gefüllt.
Im „Il Siciliano“ hat man die Qual der Wahl: Die Auslagen sind üppig mit süßen und herzhaften Spezialitäten gefüllt. © Beate Dönnewald © Beate Dönnewald

Der Start im Sommer war fantastisch. Über Mundpropaganda und die sozialen Netzwerke hat sich das besondere und seltene kulinarische Angebot schnell herumgesprochen. Anfangs seien vor allem Sizilianer gekommen, die sich über Originalgerichte aus ihrer Heimat gefreut hätten, erzählt Dolmetscherin Brenda Mimini, eine gute Freundin der Familie.

Im Lockdown kommen weniger Kunden

„Die Kunden kommen aus ganz Nordrhein-Westfalen“, berichtet die 26-jährige Venezianerin. Aber auch viele Dortmunder ohne italienische Wurzeln gehörten mittlerweile zu den Stammkunden. Für sie habe Mario Di Mauro die eine oder andere Rezeptur geändert. „Manche wollen lieber vegetarisches Essen.“

Seit dem Beginn des Lockdowns liefen die Geschäfte etwas schlechter, so Mario Di Mauro. „Die Leute dürfen nichts mehr im Laden probieren und wir haben keinen Lieferservice“, zählt er die Nachteile auf. Doch ein Lieferauto und zusätzliches Personal könne er sich im Moment nicht leisten.

Mutlos mache ihn die Situation aber nicht: „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“ lautet sein Lebensmotto. Gemeinsam mit seiner Lebenspartnerin und seinem Sohn hoffe er einfach darauf, dass es im Frühjahr und Sommer wieder bergauf gehen wird. Das Geschäft in Kirchlinde zu eröffnen, sei auf jeden Fall die richtige Entscheidung gewesen.

Der 63-Jährige brennt für seine drei Berufe

Die Freude an seiner Arbeit lässt sich Mario Di Mauro durch die Coronavirus-Pandemie jedenfalls nicht nehmen. Der 63-Jährige brennt spürbar für seine drei Berufe, und diese Leidenschaft hat er auch an seinen Sohn Mirko weitergegeben.

Die „Cassatine Siciliane“ (kleine Törtchen) sind bei den Stammkunden besonders beliebt.
Die „Cassatine Siciliane“ (kleine Törtchen) sind bei den Stammkunden besonders beliebt. © Beate Dönnewald © Beate Dönnewald

Auf Sizilien hat Mario Di Mauro auch als Ausbilder gearbeitet. Über 40 Jahre liegt seine eigene Ausbildung zurück. Solange schon setzt er die Familien-Tradition fort und versucht sich an immer neuen Kreationen. Seiner Kreativität lasse er vor allem beim Anfertigen von Geburtstags- und Hochzeitsorten freien Lauf. Sie bilden ein weiteres Standbein des Familienbetriebs.

Glücklich macht Mario Di Mauro noch etwas Anderes: Mit seiner Familie habe er mittlerweile eine Wohnung in Huckarde gefunden: „Zwei Minuten Rückfahrt und ich kann schlafen“, sagt er und lacht. Große Pläne habe er erstmal nicht: Einzig eine Renovierung des Ladenlokals stehe an.

Täglich außer montags geöffnet

Ihre Kreationen posten Mario und Mirko Di Mauro regelmäßig auf Instagram. Geöffnet hat das kleine Geschäft an der Straße Im Dorloh 67 täglich von 10 bis 20 Uhr, montags ist Ruhetag. Telefonisch, zum Beispiel für Vorbestellungen, ist das „Il Siciliano“ unter 0231/13 72 57 04 erreichbar.

Giovanna Pistorio zeigt, wie man die Reisbällchen richtig hält: Die Spitze gehört nach unten - das hat praktische Gründe, wie man beim Essen schnell feststellt.
Giovanna Pistorio zeigt, wie man die Reisbällchen richtig hält: Die Spitze gehört nach unten – das hat praktische Gründe, wie man beim Essen schnell feststellt. © Beate Dönnewald © Beate Dönnewald
Über die Autorin
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1968 geboren und seit über 20 Jahren Redakteurin bei Lensing Media. Zuständig für den Dortmunder Westen mit seinen Stadtbezirken Lütgendortmund, Mengede und Huckarde sowie für die Stadt Castrop-Rauxel.
Zur Autorenseite
Beate Dönnewald

Dorsten am Abend

Täglich um 19:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.