Mittags hat die 67-Jährige bereits 15 Eimer mit Wasser aus ihrem Keller gefüllt. Nun reagiert endlich die Vonovia. © Beate Dönnewald
Mieter-Ärger

Seit acht Wochen Wasser im Keller: Vonovia-Mieterin am Ende ihrer Kräfte

Jeden Tag muss eine Vonovia-Mieterin in ihrem Keller Wasser schöpfen. Rund 20 Eimer täglich. Die kranke Frau ist längst völlig ausgelaugt. Hinzu kommt auch noch ein erbärmlicher Gestank.

Seit Anfang Dezember hat eine Dortmunder Vonovia-Mieterin Wasser in ihrem Keller. Mittlerweile steuert die 67-Jährige also auf die achte Woche zu.

Die alleinstehende Frau aus Dortmund-Nette ist mit ihren Nerven und Kräften am Ende. Jeden Tag müsse sie Wasser schöpfen. Morgens, mittags, abends. Mindestens 20 gefüllte Wassereimer, sagt sie, trage sie täglich die Treppe hoch, um sie dann auf der Straße auszukippen. Ein Kraftakt für die gesundheitlich angeschlagene Frau.

„Und dann stinkt es auch noch wie Bolle“

Beide Kellerräume sind mit zahlreichen Handtüchern und Lappen gepflastert, um das Wasser notdürftig aufzufangen. „Meine Wäsche kann ich hier unten nicht mehr trocknen, der Wäscheständer steht jetzt in der Küche“, erzählt sie. Glück im Unglück: Waschmaschine und Regale stehen auf Podesten und sind so vor den Wassermassen geschützt.

Die Vonovia-Mieterin zeigt auf die Stelle, wo  sich das meiste Wasser sammelt.
Die Vonovia-Mieterin zeigt auf die Stelle, wo sich in ihrem Keller das meiste Wasser sammelt. © Beate Dönnewald © Beate Dönnewald

„Und dann stinkt es auch noch wie Bolle“, erzählt die Vonovia-Mieterin. Ständig müsse sie lüften, auch in ihrer Wohnung direkt über dem Keller. Die 67-Jährige weiß nicht weiter, denn alle Versuche, von ihrem Vermieter Hilfe zu bekommen, seien trotz ständiger Anrufe beim Vonovia-Kundenservice bislang ins Leere gelaufen.

„Mittlerweile drücken die einen einfach weg oder man muss sich freche Sprüche gefallen lassen“, so die Netterin. „Einmal hat der Mitarbeiter gesagt, man sollte einfach nicht so oft auf die Toilette gehen. Unglaublich“, erzählt sie.

Vonovia-Mieterin hat Angst, gekündigt zu werden

In ihrer Not und Hilflosigkeit hat sich die Witwe am Mittwoch (27.1.) an diese Redaktion gewandt. „Obwohl ich Angst habe, dass die mich nach dieser öffentlichen Beschwerde rauswerfen“, so die Seniorin. Das wäre für sie eine Katastrophe. Schließlich wohne sie schon mehr als 30 Jahre in ihrer Wohnung in der Friedrich-Naumann-Straße.

Doch die Sorge ist unbegründet: „Wir haben uns heute direkt bei der Mieterin entschuldigt. Selbstverständlich erhält sie eine Mietminderung“, sagt Vonovia-Pressesprecherin Bettina Benner – nur wenige Stunden, nachdem sie diese Redaktion über die missliche Lage ihrer Mieterin informiert hatte. Eine Kündigung habe die Mieterin keinesfalls zu befürchten.

Immer wieder läuft der Kellerabfluss voll, das Wasser verteilt sich im gesamten Keller.
Immer wieder läuft der Kellerabfluss voll, das Wasser verteilt sich im gesamten Keller. © Beate Dönnewald © Beate Dönnewald

Gleichzeitig sei alles Nötige in die Wege geleitet worden, um für die 67-Jährige Abhilfe zu schaffen, betont Bettina Benner: „Ihr Keller wird ab sofort regelmäßig von Turbofix abgepumpt.“ Turbofix ist ein Rohr- und Kanalreiniger.

Kanal vor dem Haus ist eingebrochen

Warum dies nicht schon seit Anfang Dezember passiert, erklärt die Unternehmenssprecherin so: „Wir wussten nicht, dass es in diesem Haus zwei Keller gibt, deswegen sind wir nur in einem tätig geworden.“

Auch die Ursache für das Wasser-Dilemma hat Bettina Benner herausgefunden: „Am 7.12.2020 wurde eine Verstopfung im Waschkeller gemeldet, die Turbofix versucht hat zu lösen. Durch eine Kamerafahrt am 10.12.2020 wurde dann aber festgestellt, dass der Kanal vor dem Haus eingebrochen ist.“

Erst Kanalreparatur, dann Reinigungsarbeiten

Die nötigen Tiefbauarbeiten durch die Stadt sollen am 1. Februar beginnen, weiß Benner. „Im Gebäudekeller fallen abschließende Reinigungsarbeiten an, die ein bis zwei Tage dauern können.“ Über den gesamten Zeitraum soll Turbofix im Einsatz bleiben.

Vor dem Haus der Vonovia-Mieterin befindet sich bereits eine Baustelle. Die Arbeiten sollen am 1. Februar beginnen.
Vor dem Haus der Vonovia-Mieterin befindet sich bereits eine Baustelle. Die Arbeiten sollen am 1. Februar beginnen. © Beate Dönnewald © Beate Dönnewald

Auch zur mangelhaften Kommunikation seitens der Vonovia äußert sich Bettina Benner: „Bedauerlicherweise sind hier entgegen der Standards unseres Kundenservices, unserer Techniker und deren Qualität einige Dinge nicht so abgearbeitet worden wie gewünscht.“

Blumenstrauß für die gebeutelte Mieterin

Zur Entschuldigung gebe es nicht nur eine Mietminderung, sondern auch einen Blumenstrauß für die Mieterin, verspricht sie. Den wolle man in den nächsten Tagen bei ihr vorbeibringen.

Über die Autorin
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1968 geboren und seit über 20 Jahren Redakteurin bei Lensing Media. Zuständig für den Dortmunder Westen mit seinen Stadtbezirken Lütgendortmund, Mengede und Huckarde sowie für die Stadt Castrop-Rauxel.
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Beate Dönnewald

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