Der Pendlerparkplatz an der S-Bahn-Station Nette/Oestrich am Sonntagnachmittag: Kreisemarkierungen der SPurensicherung zeugen von der Ereignissen der vergangenen Nacht. © Uwe von Schirp
Nächtlicher Polizeieinsatz

Schüsse an einer S-Bahn-Station: Eine Spurensuche am Tatort

Nach Schüssen an der S-Bahn-Station Nette/Oestrich blieben die Anwohner lange verunsichert, was überhaupt passiert ist. Ein Besuch am Ort des Geschehens und Erklärungen des Staatsanwalts.

Sonntagnachmittag, an der S-Bahn-Station Dortmund-Nette/Oestrich. Spaziergänger sind unterwegs. Manche schauen neugierig auf den Pendlerparkplatz. Markierungen mit weißer Kreide zeugen von polizeilichen Ermittlungen.

13 Stunden zuvor sind hier Schüsse gefallen. Es gab einen Polizeieinsatz, der Anwohner aus dem Schlaf riss. Zwei junge Männer sehen sich um. „Ich möchte gern wissen, was hier los war“, sagt einer. Beide wohnen in Sichtweite des S-Bahn-Haltepunkts. „Ich habe fünf bis sechs Schüsse gehört“, berichtet er weiter. Gesehen habe er nichts.

Auf dem Pendlerparkplatz (halb rechts im Bild) kam es zum Schusswaffengebrauch durch die Polizei. Nach einer Verfolgungsfahrt durch das Stadtteilviertel stellte sich der Beschuldigte schließlich am Kreisverkehr Ammerbaum (links in der Bildmitte).
Auf dem Pendlerparkplatz (halb rechts im Bild) kam es zum Schusswaffengebrauch durch die Polizei. Nach einer Verfolgungsfahrt durch das Stadtteilviertel stellte sich der Beschuldigte schließlich am Kreisverkehr Ammerbaum (links in der Bildmitte). © Uwe von Schirp © Uwe von Schirp

Staatsanwalt Jörg Schulte Göbel bestätigt zwei Stunden später die Anzahl der abgegebenen Schüsse. Zum Schusswaffengebrauch kam es nach einer Flucht infolge häuslicher Gewalt. Auf dem Parkplatz am Ammerbaum stellten die Beamten den Flüchtenden. Dann sei er auf die Polizisten zugefahren. Es kam zu den Schüssen durch die Beamten. „Sie haben wohl auch einen Reifen getroffen“, sagt Schulte-Göbel.

Beschuldigter stellt sich nach kurzer Verfolgungsfahrt

Die Kreide-Markierungen ergeben mit den Schilderungen des Staatsanwalts ein Bild vom Geschehen unter der S-Bahn-Brücke. Der Beschuldigte habe nach den Schüssen dann seine Flucht zunächst fortgesetzt, schildert der Staatsanwalt.

Es kam zu der von einem Augenzeugen geschilderten Fahrt der Polizei über Hansemannstraße und Schragmüllerstraße: eine Verfolgung. Zurück am Kreisverkehr habe sich der Täter gestellt. Der ebenfalls beobachtete Rettungswagen sei wohl vorsorglich alarmiert worden, erklärt er.

Markierungen der Spurensicherung: Hier stand das Auto des Beschuldigten, als die Polizei schoss. Er setzte dann seine Flucht noch einmal kurz fort.
Markierungen der Spurensicherung: Hier stand das Auto des Beschuldigten, als die Polizei schoss. Er setzte dann seine Flucht noch einmal kurz fort. © Uwe von Schirp © Uwe von Schirp

Üblicherweise ermittelt nach einem Schusswaffengebrauch durch Polizeibeamte eine externe Polizeibehörde – in diesem Fall die Mordkommission Recklinghausen. Jörg Schulte Göbel war am Sonntagmorgen zusammen mit der Spurensicherung vor Ort.

Demoliertes Auto sorgt für Spekulationen

Indes sorgen die Ereignisse der Nacht nicht nur bei Passanten für Diskussionen und Spekulationen. In einer Mengeder Facebook-Gruppe kommentiert ein Mitglied: „Wäre für uns als Anwohner mal wichtig, was das so abging“. Die Staatsanwaltschaft erklärt die lange Unsicherheit mit einer Kommunikationspanne. Über Anfragen auch aus dieser Redaktion habe die Polizei Recklinghausen ihn nicht informiert.

Für Aufmerksamkeit sorgte auch ein dunkelblauer Ford Fiesta mit zerstörter Heckscheibe. Auch bei Staatsanwalt Jörg Schulte-Göbel. „Der Wagen hat mit dem Einsatz nichts zu tun“, erklärt er. „Der Stand wohl vorher schon so da.“

Dieser Ford-Fiesta sorgte am Sonntag für Spekulationen über die Dimension der Ereignisse. Er steht aber in keinem Zusammenhang mit dem Polizeieinsatz.
Dieser Ford-Fiesta sorgte am Sonntag für Spekulationen über die Dimension der Ereignisse. Er steht aber in keinem Zusammenhang mit dem Polizeieinsatz. © Uwe von Schirp © Uwe von Schirp

Verdreckte Scheiben, ein fehlendes Autoradio und im Wageninneren liegende Kennzeichen lassen diese Rückschlüsse ebenfalls zu. Und: Es ist nicht das einzige Auto ohne Kennzeichen auf dem Parkplatz. Von den nächtlichen Schüssen zeugen aber allein die Kreidespuren und Glassplitter auf dem grauen Pflaster.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Geboren 1964. Dortmunder. Interessiert an Politik, Sport, Kultur, Lokalgeschichte. Nach Wanderjahren verwurzelt im Nordwesten. Schätzt die Menschen, ihre Geschichten und ihre klare Sprache.
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Uwe von Schirp

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