Brach und marode liegt die ehemalige Bahntrasse zum Kraftwerk Knepper da. Sie verbindet die Kreuzloh-Siedlung mit der S-Bahn-Station Nette/Oestrich. Autofreie Kreuzungspunkte wie dieser Feldweg wären Auffahrten auf den Radweg. © Uwe von Schirp
Mobilitätswende

Radschnellweg im Dortmunder Westen: Siedlern gefällt Umbau einer Bahntrasse

Auf 1600 Metern verbindet eine Bahntrassen-Brache eine Siedlung mit einer S-Bahn-Station. Ein idealer Radweg, sagen Siedler. Die Stadt Dortmund empfiehlt ihn. SPD und CDU stellen Bedingungen.

Gut 1600 Meter sind es von der Kreuzung Langenacker/Am Kreuzloh zum S-Bahn-Haltepunkt Nette/Oestrich. Eine brach liegende Bahntrasse führt dorthin. Kurz vor Weihnachten 2014 rollten hier die letzten Kohle-Züge zum Kraftwerk Knepper. Mittlerweile sind die Schienen marode. Gestrüpp wuchert wild.

Eine ideale Streckenführung für einen Radweg: kreuzungsfrei und ohne jeden Autoverkehr – wie ein Radschnellweg. Die Trasse unterquert den Autobahnzubringer Königshalt und führt westlich am Gewerbegebiet Oestrich vorbei. Sie reicht direkt bis an den S-Bahnhof mit einer Rampe zum Bahnsteig.

Bis an die Zufahrt zum künftigen LogPoint Ruhr nahe der Autobahnbrücke und an den Rand der Siedlung führt die Bahnstrecke.
Bis an die Zufahrt zum künftigen LogPoint Ruhr nahe der Autobahnbrücke und an den Rand der Siedlung führt die Bahnstrecke. © Uwe von Schirp © Uwe von Schirp

An der Unterführung des Bahndamms endet eine Stichstraße der Haberkamps Vöhde. Die Wohnstraße ist Teil des Dortmunder Radverkehrsnetzes. Am anderen Ende im Norden schlösse die Trasse an die geplanten neuen Radwege auf dem künftigen Industriegebiet LogPointRuhr an.

Siedlern gefällt der Vorschlag

„Wir haben über das Thema in der Siedlung schon gesprochen“, sagt Helmut Graumann. Er ist Vorsitzender der Siedlergemeinschaft Am Kreuzloh/Langenacker. „Im Grunde wäre das eine ideale Geschichte.“ Denn die Siedler fahren gerne Rad, vor allem in der Freizeit am Wochenende.

„Dann sind wir aber eher in Richtung Dingen und Deininghausen unterwegs“, erklärt der Siedler. „In Richtung Mengede kommen wir mit dem Fahrrad überhaupt nicht weg.“ Der Langenacker führt direkt zur Autobahnauffahrt Dortmund-Bodelschwingh. Entsprechend viel Verkehr rollt über die Straße.

Egal, ob Alltags- oder Freizeitradeln: Von einer sicheren Radwegeverbindung ist die Siedlung an der Stadtgrenze quasi meilenweit entfernt. „Selbst wenn man mal etwas im Gewerbegebiet erledigen will, fährt man mit dem Auto“, erklärt Helmut Graumann.

Die Gleistrasse sei aber auch für Kinder und Jugendliche, die das Schulzentrum Nette besuchen, eine direkte und sichere Verbindung. „Auch deswegen macht die Überlegung Sinn.“

Stadtämter empfehlen Umwandlung

Am Mittwoch (15.9.) diskutierte die Bezirksvertretung Mengede die Frage des Trassenausbaus. Die Grünen hatten einen entsprechenden Antrag gestellt. Sie knüpfen damit an ein Schreiben von Dortmunds Planungsdezernent Ludger Wilde vor der Sommerpause an.

Die Stichstraße von Haberkamps Vöhde endet hinter der Brücke mit dem südlichen Zugang zum S-Bahnsteig. Direkt dahinter verläuft die Knepper-Bahntrasse.
Die Stichstraße von Haberkamps Vöhde endet hinter der Brücke mit dem südlichen Zugang zum S-Bahnsteig. Direkt dahinter verläuft die Knepper-Bahntrasse. © Uwe von Schirp © Uwe von Schirp

Darin lieferte Wilde quasi die Idee: Für die Bahnstrecke empfehlen Stadtplanungs- und Bauordnungsamt die „Umwandlung in eine Fuß- und Radwegetrasse“. Dass auf dem Abschnitt zum LogPoint Ruhr noch einmal Züge rollen werden, ist unwahrscheinlich.

Container für die künftig dort ansässigen Unternehmen sollen auf Lastzügen über die A45 zu den Terminals im Hafengebiet rollen. Sie könnten „nicht zur Nutzung eines Gleisanschlusses gezwungen werden“, schrieb Wilde. Hintergrund des Schreibens ist eine Anfrage der BV aus 2018. Darin sollte die Verwaltung eine Übernahme des Bahnkörpers durch die Dortmunder Eisenbahn prüfen.

SPD und CDU wollen erst Gesamtkonzept

Wilde erklärte zwar, der Bahnanschluss an den LogPoint Ruhr solle Bestandteil des neuen Bebauungsplans bleiben. Aber: „Eine besondere Ausweisung von Bahnflächen auf dem Gelände des geplanten Logistikparks ist derzeit nicht beabsichtigt.“

Der Antrag der Grünen in der Bezirksvertretung sieht mehrere Auffahrten zum
Der Antrag der Grünen in der Bezirksvertretung sieht mehrere Auffahrten zum „Oestricher Radschnellweg“ vor. Eine wäre am Ende der Castroper Straße. © Uwe von Schirp © Uwe von Schirp

Jürgen Utecht (Grüne) erklärte am Mittwoch, ein Radweg würde eine Rückumwandlung für den Schienenverkehr zu einem späteren Zeitpunkt nicht ausschließen. Die Trasse bliebe ja erhalten. Doch SPD und CDU mochten dem Antrag nicht folgen.

„Wir wollen erst ein Gesamtkonzept für den Verkehr auf Knepper“, forderte Andreas Flur (CDU). Sylvia Dettke (SPD) schloss sich dem an. „Wer übernimmt die Kosten?“, fragte sie. Utecht verwies auf Fördermittel aus dem Landesverkehrsministerium. Roman Senga (FDP) betonte: „Egal welches Konzept kommt, der Fahrradverkehr wird einen großen Anteil haben.“

Die Bezirksvertreter einigten sich schließlich auf einen Kompromiss: Die Verwaltung soll die Umwandlung der Trasse in einen Rad-/Fußweg prüfen.

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Freier Mitarbeiter
Geboren 1964. Dortmunder. Interessiert an Politik, Sport, Kultur, Lokalgeschichte. Nach Wanderjahren verwurzelt im Nordwesten. Schätzt die Menschen, ihre Geschichten und ihre klare Sprache.
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Uwe von Schirp

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