Die Bewohner dieses Seniorenwohnparks können aufatmen: Die Stadt startet das mobile Impfen im betreuten Wohnen. © Holger Bergmann
Coronavirus

Pflegedienst im Dortmunder Westen bietet Stadt eigenes Impfzentrum an

Ein Pflegedienst möchte mit einem eigenen Impfzentrum das Impftempo erhöhen. Seit Monaten antwortet die Stadt nicht auf sein Angebot. Immerhin beginnt nun das mobile Impfen im betreuten Wohnen.

Bereits zweimal hat Jörg Wunsch, Geschäftsführer der Wunsch-Pflege GmbH, an Sozialdezernentin Birgit Zoerner einen Brief geschrieben. Das erste Mal im November 2020, das zweite Mal im Januar 2021. Darin bietet er der Stadt an, in seinem Kirchlinder Verwaltungstrakt ein eigenes „Vorort-Impfzentrum“ einzurichten, um so die Impfkapazitäten zu erhöhen.

„Wir möchten unterstützen und entlasten. Die gesamte Organisation des Impfvorgangs würden wir übernehmen“, schreibt Jörg Wunsch. Und weiter: „Unsere Impfärzte haben zugestimmt und würden die Impfungen mit uns organisieren und durchführen.“ Auf eine Antwort zum möglichen „Impfstandort für den Dortmunder Westen“ wartet der Pflegedienst-Chef noch immer (Stand 25.3.).

Auch die Bewohner des Kirchlinder Wohnparks, der zur Wunsch-Pflege GmbH gehört, sollten von diesem „Vorort-Impfzentrum“ profitieren. Denn im Gegensatz zur vollstationären Wohngemeinschaft im Erdgeschoss wurden sie als Bewohner des betreuten Wohnens in den Etagen eins und zwei Anfang des Jahres nicht geimpft. Auch andere ambulante Pflege-Einrichtungen in Dortmund sind bisher leer ausgegangen.

Bewohner im betreuten Wohnen warten auf Impfung

Die 45 Bewohner in den 37 Wohnungen über der Wohngemeinschaft verwies man an das Impfzentrum auf Phoenix-West. „Dabei wäre es doch für die betagten Bewohner so viel einfacher, wenn wir sie hier vor Ort impfen könnten“, sagte Jörg Wunsch am Dienstag (23.3.).

Jörg Wunsch möchte die Stadt mit einem Vorort-Impfzentrum unterstützen.
Jörg Wunsch möchte die Stadt mit einem Vorort-Impfzentrum unterstützen. © Privat © Privat

Am selben Tag fragte diese Redaktion die Stadt Dortmund, warum Jörg Wunsch noch immer keine Antwort auf sein Angebot erhalten habe und ob der Vorschlag realisierbar sei. Am späten Mittwochnachmittag (24.3.) antwortete Stadtsprecherin Katrin Pinetzki: „Herrn Wunschs Mail von Januar mit seinem freundlichen Angebot ist bei uns leider zunächst untergegangen – Herr Wunsch erhält aber auf jeden Fall noch eine Antwort.“ Wie diese ausfallen wird, erfuhren wir auf Nachfrage nicht.

Gleichzeitig hielt Katrin Pinetzki für alle Dortmunder Bewohner im betreuten Wohnen eine gute Nachricht bereit. „Die Stadt hat inzwischen mit der Organisation der Impfungen im betreuten Wohnen begonnen.“ Das habe man auch der Wunsch-Pflege am Dienstag (23.3.) mitgeteilt.

Stadt braucht Vorlauf von fünf Tagen

In der Mail an die Wunsch-Pflege GmbH ist der genaue Ablauf beschrieben: „Sie teilen uns mit, ob ein Impfarzt vor Ort ist, die Anzahl der zu impfenden Bewohner sowie den gewünschten Impftag. Wir benötigen einen Vorlauf von fünf Tagen um den Impfstoff Moderna und das nötige medizinische Zusatzmaterial zu bestellen.“

Über diese Nachricht wird sich sicherlich auch Christoph Becker als Sohn einer Bewohnerin freuen. Denn der Angehörige hatte in einer Mail an diese Redaktion die Folgen geschildert, unter denen die nicht geimpften Senioren leiden: „Weitestgehende Isolation über mehr als fünf Monate“, schreibt er und listet die sozialen Nachteile auf: „Kein gemeinsames Mittagessen, keine gemeinsamen Aktivitäten, reduzierte Verwandtenbesuche, wenn sie denn überhaupt stattfinden.“

„Man möchte helfen, die Krise zu mildern und zu lindern“

Auch Jörg Wunsch zeigte sich am Dienstag enttäuscht über das Schweigen der Stadt. „Man möchte helfen, die Krise zu mildern und zu lindern. Dass man gar keine Antwort erhält, zeigt doch, welchen Stellenwert man hat.“ Es ginge ihm keineswegs darum, sich mit seinem Vorschlag unbedingt durchzusetzen. Er halte es einfach nur für angemessen, nach so langer Zeit irgendeine Reaktion zu erhalten, so Wunsch.

Das Impfangebot der Wunsch-Pflege GmbH bezieht sich im übrigen nicht nur auf die Bewohner des Kirchlinder Wohnparks. Impfen könne man unter anderem auch alle Mitarbeiter der Wunsch-Pflege GmbH, alle mobilen Wunsch-Pflege-Patienten des ambulanten Pflegebereichs und die bettlägerigen Patienten. So hat es Jörg Wunsch in seiner Mail an Birgit Zoerner aufgelistet.

Über die Autorin
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1968 geboren und seit über 20 Jahren Redakteurin bei Lensing Media. Zuständig für den Dortmunder Westen mit seinen Stadtbezirken Lütgendortmund, Mengede und Huckarde sowie für die Stadt Castrop-Rauxel.
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Beate Dönnewald

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