Reimund Bomballa und Markus Lawo sind nicht die Ersten, die den öffentlichen Bücherschrank am Busbahnhof in Mengede füllen. © Uwe von Schirp
Zentrale Lage am Busbahnhof

Öffentlicher Bücherschrank bietet Leseratten auch eine Sitzgelegenheit

Echte Buchliebhaber und vor allem Vielleser werfen keine Bücher in den Müll. Aber wohin mit dem ausgelesenen Schmöker? Ein weiterer öffentlicher Bücherschrank steht nun an zentraler Stelle.

Hildegard und Reimund Bomballa stehen mit einem schweren Stoffbeutel am Busbahnhof. Sie kommen aber nicht vom Wochenendeinkauf in einem der naheliegenden Super- und Drogeriemärkte. Sie wollen auch nicht zurück heim ins benachbarte Castrop-Rauxel-Dingen.

Das Ehepaar ist gerade von zuhause gekommen. Und der Stoffbeutel ist prall gefüllt mit Büchern. Sie stehen am Rand des Mengeder Busbahnhofs vor einer Vitrine. Mengede hat wie andere Stadtteile auch nun einen öffentlichen Bücherschrank.

Initiator des Projekts ist der Heimatverein. „Ermöglicht wurde es durch eine Spende des Wohnungsbauunternehmens Vonovia“, sagt Heimatvereins-Vorsitzender Hans-Ulrich Peuser bei der offiziellen Übergabe an die Öffentlichkeit am Freitag (5.2.). „Auch der Heimatverein hat seinen Beitrag geleistet.“

Schrank aus 500 Kilo Stahl und Panzerglas

In Zusammenarbeit mit der Bezirksvertretung sei der Verein einem großen Wunsch der Mengeder Bevölkerung nachgekommen, erklärt er weiter. Schon seit gut zwei Wochen steht der 500 Kilogramm schwere Schrank aus Stahl und Panzerglasscheiben an der zentralen Stelle.

Sie übergaben den Bücherschrank am Freitag (5.2.) der Öffentlichkeit: Bezirksbürgermeister Axel Kunstmann, Heimatvereins-Vorsitzender Hans-Ulrich Peuser, Ralf Peterhülseweh (Vonovia), Mathias Köbnick (Jeanette-Wolff-Schule) und Vanessa Weber (Vonovia).
Sie übergaben den Bücherschrank am Freitag (5.2.) der Öffentlichkeit: Bezirksbürgermeister Axel Kunstmann, Heimatvereins-Vorsitzender Hans-Ulrich Peuser, Ralf Peterhülseweh (Vonovia), Mathias Köbnick (Jeanette-Wolff-Schule) und Vanessa Weber (Vonovia). © Uwe von Schirp © Uwe von Schirp

Die Regalböden sind schon voller Bücher. „Das freut mich besonders“, erklärt Bezirksbürgermeister Axel Kunstmann. „Jetzt wünsche ich mir noch, dass mehr Kinder- und Jugendbücher in den Schrank kommen.“ Gerade in der Corona-Krise stünde ja mehr Zeit zum Lesen zur Verfügung. „Allein Fernsehen und Handy kann nicht die Freizeitbeschäftigung für Kinder und Jugendliche sein“, sagt der Lehrer im Ruhestand.

Der Mengeder Bücherschrank ist mehr als nur eine Vitrine. Er bietet auch Platz zum Sitzen – und damit Gelegenheit, die ersten Seiten gleich beim Warten auf den Bus zu lesen. Oder bei einer Leseprobe herauszufinden, ob das ausgewählte Buch auch zusagt.

Bibliothek und Schule sind Projektpaten

Projektpaten sind die benachbarte Stadtbibliothek und die gegenüberliegende Jeanette-Wolff-Schule. Schüler und Lehrer haben den Schrank im Blick. „Damit wollen wir Schäden durch Vandalismus vermeiden“, sagt Peuser. An anderen Stellen wurden öffentliche Bücherschränke auch mit Müll zweckentfremdet, erzählt Hildegard Bomballa.

Das Ehepaar ist von dem neuen Angebot begeistert. „Wir werden auch mal ein Buch zum Lesen mitnehmen“, sagt Reimund Bomballa. „Wir sind froh, dass wir die Bücher loswerden“, sagt seine Ehefrau. „Wir möchten sie nicht in die Tonne werfen.“ Ihr Mann nickt: „Das macht man nicht.“

Sie stehen nicht als einzige Bürger vor der Glastür. Auch Markus Lawo hat eine Tasche voll Lektüre mitgebracht: Thriller, Comedy, Science Fiction-Literatur. „Ich unterstütze das und werde noch das eine oder andere Buch nachlegen.“

Über den Autor
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Geboren 1964. Dortmunder. Interessiert an Politik, Sport, Kultur, Lokalgeschichte. Nach Wanderjahren verwurzelt im Nordwesten. Schätzt die Menschen, ihre Geschichten und ihre klare Sprache.
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Uwe von Schirp

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