Der Bezirksbürgermeister der Innenstadt West Ralf Stoltze (SPD, l.) und Manfred Kossack (Sonderbeauftragter der Stadt Dortmund für Vielfalt, Toleranz und Demokratie) legen einen Kranz am Wilhelmplatz nieder. © Ralf Stoltze
Wilhelmplatz

Neue Anlaufstelle gegen Rechtsextremismus entsteht in Dortmund

Im früheren Café „Eat“ in Dorstfeld können sich bald Bürger informieren, was sie unter anderem gegen Rechts tun können. Die neue Anlaufstelle ist Vorbild für andere Städte.

Dorstfeld bekommt eine neue Anlaufstelle für Bürger, Vereine und Organisationen. Sie soll im bisher leerstehenden Café „Eat“ am Wilhelmplatz eröffnen – sobald das die Corona-Pandemie zulässt.

Diese neue Anlaufstelle vereint die Arbeit mehrerer Vereine und Organisationen. Die Interessengemeinschaft Dorstfelder Vereine mietet das alte Café an. Um die Koordination kümmert sich der Trägerverein Quartiersdemokraten.

„In der Nähe der Dorstfelder Neonazis entsteht die neue Anlaufstelle“, sagt Vivianne Dörne vom Projekt Quartiersdemokraten. Dabei schwingt ein wenig Stolz mit. „Die Miete zahlt übrigens die Stadt Dortmund.“ Das zeige, wie wichtig die neue Anlaufstelle sei.

Angebote und Projekte sichtbar machen

Um zu konkretisieren, was in dem alten Café bald möglich ist, nennt Dörne einige Beispiele. Das Vereine, Organisationen, das Seniorenbüro, Gemeinden und das Mütterzentrum können hier die Bürger über aktuelle Projekte und Angebote informieren. So werde „zivilgesellschaftliches Engagement“ umgesetzt.

Sucht ein Elternteil beispielsweise einen Kinderbetreuungsplatz, findet es in der neuen Anlaufstelle Hilfe.

Selbst wenn Bürger bemerken sollten, dass sich jemand aus der eigenen Familie neuerdings mit rechtem Gedankengut identifiziert, vermittelt die neue Anlaufstelle Hilfe. „In dem Fall würden wir an die Opferberatungsstelle Back up verweisen“, sagt Dörne. „Wir weisen niemanden ab.“

Lesungen und andere kulturelle Events

Besonders freut sich Dörne darauf, dass es Lesungen und andere Kulturveranstaltungen geben wird. „Dorstfelder hatten uns im Vorfeld gesagt, dass ihnen das fehlt.“

Obwohl es das Demokratiefestival bereits gibt, sei die Nachfrage nach kulturellen Events nicht gedeckt. „Unser Angebot soll das des Bürgerhauses in Dorstfeld ergänzen, das hoffentlich in diesem Jahr eröffnen kann“, sagt Dörne.

Die Idee der neuen Anlaufstelle gebe es schon länger, so Dörne. Denn die Barriere sei zu hoch. Im Klartext: Die Menschen kommen auf sie und die Quartiersdemokratinnen eher zu, wenn sie sie direkt ansprechen können. Das geht am besten „face to face“.

Am Wilhelmplatz in Dorstfeld wehen nun neue Fahnen als Zeichen gegen Antisemitismus.
Am Wilhelmplatz in Dorstfeld wehen nun neue Fahnen als Zeichen gegen Antisemitismus. © Ralf Stoltze © Ralf Stoltze

Auch Ralf Stoltze (SPD) ist froh, dass die neue Anlaufstelle kommen wird. Derzeit laufen noch die Umbauarbeiten in dem früheren Café, sagt der Bezirksbürgermeister der Innenstadt-West. Die neue Anlaufstelle zeige, wie viele Menschen im Stadtbezirk Dorstfeld aktiv und engagiert sind.

Sobald das Café umgebaut ist, könne sich auf einer Fläche von circa 40 Quadratmetern „gemütlich bei einem Kaffee ausgetauscht“ werden.

Als Zeichen gegen Rechts hat der SPD-Politiker am vergangenen Mittwoch (27. Januar), dem Holocaust-Gedenktag, gemeinsam mit Manfred Kossack einen Kranz am Wilhelmplatz niedergelegt. Kossack ist der Sonderbeauftragte der Stadt für Vielfalt, Toleranz und Demokratie.

Dortmund ist Vorbild

Dass es in Dortmund diese Anlaufstelle gibt, „spricht sich auch in anderen Städten rum. Sonst gibt es nirgends im Land so eine Anlaufstelle“, sagt Stoltze. Das sei einmalig.

Er zählt es als „Teilerfolg“, dass sich Nazis aus Dorstfeld zurückziehen. Damit meint er den Umzug von Michael Brück (Die Rechte) von Dortmund nach Chemnitz.

Doch über den Neonazi redet er nicht lange. Wichtiger ist ihm, dass Dorstfeld zeigt, dass Widerstand und Information bald noch mehr Hand in Hand gehen. Direkt am Wilhelmsplatz. Chemnitz könne sich da gern eine Scheibe von abschneiden.

Über die Autorin
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Freddy Schneider, Jahrgang 1993, Dortmunderin. Gelernte Medienkauffrau Digital/Print und Redakteurin. Seit 2012 arbeitet sie bei den Ruhr Nachrichten.
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Frederike Schneider

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