Alltagsradler kommen auf der Bundesstraße 235 schnell voran. Verkehrsexperte Karl-Heinz-Schikowski hat mit uns den Ausbau des Radwegs getestet. © Uwe von Schirp
Neue Radwege

Mit Video: Sicherer Radweg entlang einer Dortmunder Bundesstraße

Alltagsradler wollen schnell und sicher vorankommen. Auch entlang einer Bundesstraße im Dortmunder Westen. Auf gut drei Kilometern ist der fahrradgerechte Ausbau nun abgeschlossen. Ein Praxistest.

Zugegeben: Gemütlich Radeln durchs Grün der Großstadt geht anders. Auto an Auto rollt über die Hauptverkehrsstraße. 40-Tonner donnern vorbei. Aber, die Fahrt geht flott. 1,85 breit ist der Radweg auf beiden Seiten der Bundesstraße. Und genau darum geht es: die schnelle Verbindung zur Arbeit, zum Einkaufen, zum Arzt.

Es ist viel Verkehr an diesem Vormittag auf der B235 in Bövinghausen. Das Tiefbauamt der Stadt Dortmund hat den Ausbau des Radwegs entlang der vielbefahrenen Nord-Süd-Achse abgeschlossen. Mittlerweile sind die Radwege im Bereich der Kreuzungen rot markiert. Wir haben uns mit einem Experten zu einem Praxistest verabredet.

Zwischen der Stadtgrenze zu Castrop-Rauxel und der Anschlussstelle zur Autobahn A40 ist dieses Teil-Projekt der Mobilitätswende abgeschlossen. Karl-Heinz Kibowski ist zufrieden. Der rund drei Kilometer lange Abschnitt der Provinzialstraße entspricht den Anforderungen des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC).

Rote Kreuzungsbereiche fokussieren auf besondere Gefahren

Kibowski ist der verkehrspolitische Sprecher des ADFC Dortmund. „Radwege auf einem ausreichend breiten Streifen entlang der Fahrbahn sind sicherer als sogenannte Bordstein-Radwege“, sagt er. Bei einem Radweg auf einer Ebene mit dem Bürgersteig kämen sich Fußgänger und Radfahrer häufig gefährlich nah.

Exakt 1,85 Meter breit ist der Radfahrstreifen an der Provinzialstraße.
Exakt 1,85 Meter breit ist der Radfahrstreifen an der Provinzialstraße. © Uwe von Schirp © Uwe von Schirp

Eine weitere Gefahr lauere, wenn Autos aus Einfahrten herausfahren und beim Einfädeln in den Verkehr den Radweg blockieren. Auf der Provinzialstraße ist der Radverkehrsstreifen 1,85 Meter breit. Kibowski misst beim Ortstermin mit dieser Redaktion nach. Lediglich an wenigen Stellen, etwa an Bushaltestellen, ist die Spur ein bisschen schmaler.

Anders als andere Städte hat Dortmund die Radwege nur in den Kreuzungsbereichen rot gestrichen. Damit werde der Fokus auf diese besonderen Gefahrenstellen gelenkt, erklärt der Experte.

Linksabbieger warten in einer Halte-Tasche

Radfahrer, die an den Kreuzungen nach links abbiegen wollen, fahren nicht auf die Linksabbiegespur der Autos. Vielmehr lenken sie das Rad nach rechts in eine Linksabbiege-Tasche. Hier warten sie, bis auf der gegenüberliegenden Seite der Kreuzung eine Fahrradampel grün zeigt.

Linksabbieger warten in einer Haltetasche auf eine eigene Grünphase.
Linksabbieger warten in einer Haltetasche auf eine eigene Grünphase. © Uwe von Schirp © Uwe von Schirp

Diese Querungsphase ist für wenige Sekunden geschaltet. In dieser Zeit zeigen alle Ampeln auf der Provinzialstraße und der jeweiligen Seitenstraße für Autofahrer rot. Ein Praxistest zeigt: Auch auf dem Fahrrad geht es dadurch flott und ohne Gefahr voran. Für Autos und Lastwagen ist es kaum eine Verzögerung.

Wenn die Seitenstraße eine von Radfahrern viel genutzte Route ist, kommt eine weitere Besonderheit hinzu. Das ist zum Beispiel an der Kreuzung mit der Bövinghauser Straße der Fall. Radfahrer, die aus Kirchlinde oder Westrich nach links auf die Provinzialstraße abbiegen wollen, finden vor der Ampel eine große rot markierte Fläche vor.

Richtung Süden steht der Ausbau noch aus

Der Straßenraum ist in diesem Bereich zwischen Eisenbahnbrücke und Kreuzung eng. Nur ein Radfahr-Schutzstreifen ist hier möglich. Der ist deutlich schmaler als 1,85 Meter. Fahrradfahrer können über ihn aber bis zur Ampel vorfahren und auf der roten Fläche auf Grün warten.

„Diese Fläche nennt man ‚aufgeblasener Radfahrstreifen‘“, erklärt der ADFC-Experte. Die Zone erlaubt bei Grün dann ein sicheres Abbiegen auf den Radweg der B 235 – vor den Autos.

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Aus dem „aufgeblasenen Radfahrstreifen“ vor der Ampel biegen Radfahrer vor den Autos nach links auf die Provinzialstraße ab. © Uwe von Schirp © Uwe von Schirp

So zufrieden Karl-Heinz Kibowski mit dem B235-Radweg in Bövinghausen und Lütgendortmund ist, so fehle noch ein großes Stück auf der Nord-Süd-Achse: der Ausbau zwischen der A40 und der Stadtgrenze Bochum und dann weiter nach Langendreer.

„Ich kann mir vorstellen, dass Lütgendortmunder gerne mit dem Rad zum Bahnhof Langendreer fahren wollen“, sagt der 70-Jährige. Das werde aber wohl erst nach der noch ausstehenden Sanierung der Bundesstraße auf einem Radweg möglich sein.

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Freier Mitarbeiter
Geboren 1964. Dortmunder. Interessiert an Politik, Sport, Kultur, Lokalgeschichte. Nach Wanderjahren verwurzelt im Nordwesten. Schätzt die Menschen, ihre Geschichten und ihre klare Sprache.
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Uwe von Schirp

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