Das Schild "Open" im Fenster von Hansans Holzkohlegrill in Oestrich steht für "Außer-Haus-Verkauf" - noch mindestens bis zum 31. Januar 2021. © Uwe von Schirp
Gastronomie im Lockdown

Lockdown-Verlängerung: Gastronomen in Dortmund bleiben zuversichtlich

Die Verlängerung des Lockdowns trifft einmal mehr Kneipen und Restaurants. Am 31. Januar werden sie ein ganzes Vierteljahr keine Gäste empfangen haben. Wie geht es den Gastronomen im Westen?

Stühle stehen auf den Tischen, Zapfhähne sind hochgedreht, viele Küchen bleiben kalt. Die Gastronomen gehen mit der Verlängerung des Lockdowns in die Wochen elf bis 13, nachdem sie ihre Türen am 3. November abgeschlossen haben. Vor allem die Inhaber von Kneipen sind zum Nichtstun verdammt. Restaurantbesitzer helfen sich mit Liefer- und Abholservices.

Ein hartes Los. Und niemand weiß, wie lange es noch so weitergeht. Dennoch ist unter den Gastronomen im Dortmunder Westen von Resignation und Verzweiflung wenig zu spüren.

Wirt greift auf Erspartes zurück

Niko Savidis betreibt die Sportklause in Nette. „Es ist so, wie es ist“, sagt er im Gespräch mit dieser Redaktion. „Wir müssen da durch.“ Er rechnet damit, frühestens im März seine Kneipe wieder öffnen zu können. Die letzten Wochen hat er damit verbracht, kleinere Renovierungsarbeiten im Saal vorzunehmen.

Viel finanziellen Spielraum hat er da nicht. Von den beantragten November- und Dezemberhilfen ist noch kein Cent geflossen. „Ich habe gut gespart und verbrauche das jetzt. Stundungen kommen für mich nicht infrage“, sagt er.

Seit fast 10 Wochen hat Wirt Niko Savidis den Zapfhahn in der Sportklause an der Netter Wodanstraße “hochgedreht”. Obwohl er noch keine Hilfszahlungen erhalten hat, bleibt der Wirt optimistisch. © Uwe von Schirp © Uwe von Schirp

Er vertraut auf die Aussage von Finanzminister Olaf Scholz, dass die Hilfszahlungen in den kommenden Tagen erfolgen. „Wir können doch froh sein, dass in Deutschland überhaupt etwas gezahlt wird.“

Lieber Außer-Haus-Verkauf als Gäste mit Angst im Restaurant

Anna Scheele hat Anfang November gleich wieder auf den Modus aus dem ersten Lockdown im vergangenen Frühjahr umgestellt. Die Inhaberin des Burghofs in Mengede verkauft von 12 bis 19 Uhr warme Gerichte im Eingangsbereich des Restaurants, Mengeder Straße 687. Montags ist Ruhetag.

Neben Tagesgerichten und der kompletten Schnitzelkarte bietet sie mit Bigos und verschiedenen Variationen von Maultaschen ihre polnischen Spezialitäten an. Jeden Samstag gibt es Spareribs mit Krautsalat, Knoblauchdip und Baguette auf Vorbestellung.

Anna Scheele (hier mit ihren Kindern Pascal und Joel während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020) verkauft ihre Tages- und Schnitzelgerichte sowie polnische Spazialitäten durch das Fenster des Restaurants an der Ecke Siegenstraße/Mengeder Straße. © Uwe von Schirp © Uwe von Schirp

„Mich stört das nicht“, sagt sie. „Was hilft es mir, wenn wegen Corona nur drei bis vier Gäste kommen und Angst haben.“ Eine Erfahrung aus der Zeit der Lockerungen im Sommer. Jetzt spare sie Personal- und Stromkosten.

Und ihre Gäste nähmen das Außer-Haus-Angebot gerne an. „Sie kommen immer wieder.“ Anna Scheele ist optimistisch: „Irgendwann ist das vorbei.“ Vorbestellungen nimmt Anna Scheele unter Tel. (0231) 22 65 643 entgegen.

Paar verspricht Genuss in „schlechten Zeiten“

Fast wortgleich äußert sich Nurdal Güler. Sie betreibt mit ihrem Mann „Hansans Holzkohlegrill“ in Oestrich. „Man muss das Beste daraus machen“, sagt sie. „Die Gesundheit meiner Familie und meiner Gäste ist mir wichtig.“ Gülers bieten ebenfalls Gerichte zum Abholen an.

Einen Ruhetag haben sie seit dem Umzug in die Castroper Straße 92 nicht mehr. Hasans Holzkohlegrill ist von Montag bis Samstag von 12 bis 22 Uhr geöffnet, an Sonn- und Feiertagen von 14 bis 22 Uhr. Alle Grill-, Teig- und Dönergerichte bereitet das Paar frisch zu. „Wir haben auch Pizza“, betont Hasan Güler.

Hasan und Nurdal Güler servieren nun ihre Gerichte an einer neuen Adresse.
Hasan und Nurdal Güler servieren nun ihre Gerichte an einer neuen Adresse. © Uwe von Schirp © Uwe von Schirp

„Es läuft“, sagt Ehefrau Nurdal. „Wir sind zufrieden.“ Es gebe ruhigere Tage, aber auch viele mit richtig gutem Geschäft. „Viele, die arbeiten müssen, haben dann keine Lust mehr noch zu kochen und möchten genießen“, weiß sie. „Wir sind in der schlechten Zeit für sie da.“ Vorbestellungen sind in Hasans Holzkohlegrill unter Tel. (0231) 93 699 299 möglich.

Vermutung: Lockdown wird bestimmt nochmals verlängert

Kay Fräder von Friedchens Bahnhof in Huckarde glaubt auch nicht daran, dass der verlängerte Lockdown am 31. Januar (Sonntag) enden wird. „Ich gehe davon aus, dass der Lockdown erst nach Karneval vorbei ist“, sagt Fräder, der Mitarbeiter in dem beliebten Restaurant und zuständig für Marketing und die Küchenführung ist.

Fräder bedauert sehr, dass die Lockdown-Verlängerung die Gastronomie trifft. Denn: In dem BBQ-Restaurant an der Altfriedstraße 16 konnten die Hygieneregeln eingehalten werden. Selbst der Tresen wurde mit einer Plexiglasscheibe ausgestattet, damit Gäste geschützt am Tresen sitzen konnten.

Nach seiner Oma hat Kay Fräder seine beiden Gastronomie-Betriebe in Dortmund benannt. Der kleinere in Kirchlinde musste nun schließen.
Nach seiner Oma hat Kay Fräder seine beiden Gastronomie-Betriebe in Dortmund benannt. Der kleinere in Kirchlinde musste nun schließen. © Beate Dönnewald © Beate Dönnewald

Fräder spricht von hohen Investitionen, die getätigt wurden, damit im Restaurant Abstände eingehalten werden können und die Gäste bestmöglich geschützt sind. Das habe nun „leider nichts gebracht“, denn das Restaurant, das für 80 Gäste Sitzplätze bietet, muss geschlossen bleiben.

Uwe Slodowski vom Friedchens-Team ergänzt: „Der Lockdown wäre nur halb so problematisch, wenn die zugesagten November und Dezemberhilfen seitens der Bundesregierung geleistet würden.“ Bisher wartet das Team auf finanzielle Unterstützung.

Fräder bleibt optimistisch

Doch Trübsal bläst Kay Fräder nicht. „Es wird weitergehen“, ist er sicher. Friedchens Bahnhof bietet weiterhin freitags bis sonntags einen Außerhaus-Verkauf an. „Wir kreieren auch neue Burger, damit die Menschen sehen: ‚Es stagniert nicht.‘“

Fräder scharrt, wie seine Gastronomen-Kollegen im Dortmunder Westen, mit den Hufen und hofft auf ein baldiges Ende des Lockdowns, damit er wieder Gäste persönlich im Restaurant begrüßen kann. „Ich bleibe voller Tatendrang und guten Mutes.“ Bestellungen sind unter Tel. (0231) 13749708 möglich.

„Schön isses nicht“

Für die Dorfkrug-Wirtin Jasmin Nickstat kommt die Lockdown-Verlängerung auch nicht überraschend. „Schön isses natürlich nicht“, sagt sie. Sie denkt ebenfalls, dass die Gastronomie erst nach Karneval oder „wenn es wärmer wird“ öffnen darf.

Jasmin Nickstat will auch weiterhin hinterm Tresen stehen. Es werde vorerst keinen Pächterwechsel im „Dorfkrug“ geben, betont die 46-Jährige.
Jasmin Nickstat will auch weiterhin hinterm Tresen stehen. Es werde vorerst keinen Pächterwechsel im „Dorfkrug“ geben, betont die 46-Jährige. © (A) Beate Dönnewald © (A) Beate Dönnewald

Die Kleyer Wirtin hofft, dass die 23-Uhr-Regel wenigstens wegfällt, wenn Kneipen nach der Lockdown-Verlängerung wieder öffnen dürfen. Von 17 bis 23 Uhr zu öffnen, lohne sich einfach nicht. „Besonders nicht unter der Woche. Das bricht mir das Genick“, sagt sie.

Café-Inhaber ist tiefbetrübt

In Huckarde ist Toni Neziri vom Café Täglich so deprimiert, dass es ihm die Sprache verschlagen hat. „Ich kann dazu nichts mehr sagen“, sagt der Café-Inhaber. So sehr setzt ihm die Nachricht zu, dass die Gastronomie von der Lockdown-Verlängerung betroffen ist.

Toni Neziri vom Café täglich in Huckarde ist tiefbetrübt, weil die Gastronomie von der Lockdown-Verlängerung betroffen ist.
Toni Neziri vom Café täglich in Huckarde ist tiefbetrübt, weil die Gastronomie von der Lockdown-Verlängerung betroffen ist. © Cafe täglich (Archivbild) © Cafe täglich (Archivbild)

Hoffnungsfroher ist hingegen Antonio Link von Hopfen und Salz . Sicher zehren die vergangenen Monaten an den Kräften der Gastronomen und Wirte. „Die Munition ist leer“, gibt der 43-Jährige zu. Das macht die Lockdown-Verlängerung nicht einfacher.

Antonio Link von „Hopfen und Salz“ vor seiner Gastronomie in Lütgendortmund
Antonio Link von „Hopfen und Salz“ vor seiner Gastronomie © (A) Dieter Menne © (A) Dieter Menne

Doch hat er die Zeit genutzt, um wieder kreativ zu werden. „Wir planen eine Valentins- und St.-Patricks-Box“, sagt er. Diese soll an den Erfolg der Gänse-Boxen während der Weihnachtszeit anknüpfen.

Auf der Website sind schon Einzelheiten zu lesen: Die Valentins-Box beinhaltet neben zwei Hauptgerichten auch Schokolade und passende Biere. Kostenpunkt: 69 Euro.

Mehr Infos zur St.-Patricks-Box wollte sich Link jedoch nicht entlocken lassen. „Details folgen“, verspricht er. Und bis zum Stichtag am 13. März ist auch noch ein wenig Zeit.

Was Antonio Link aber verraten kann ist, dass es in den nächsten Wochen noch etwas anderes „ganz, ganz Cooles“ geben wird. Bestellungen können online auf www.hopfenundsalz.de und unter Tel. (0231) 61050440 aufgegeben werden.

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Geboren 1964. Dortmunder. Interessiert an Politik, Sport, Kultur, Lokalgeschichte. Nach Wanderjahren verwurzelt im Nordwesten. Schätzt die Menschen, ihre Geschichten und ihre klare Sprache.
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Uwe von Schirp
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Freddy Schneider, Jahrgang 1993, Dortmunderin. Gelernte Medienkauffrau Digital/Print und Redakteurin. Seit 2012 arbeitet sie bei den Ruhr Nachrichten.
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Frederike Schneider

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