Den "Lebenden Adventskalender" Bodelschwingh-Westerfilde gibt es auch in diesem Jahr: im Internet und mit einer großen Resonanz. © von Schirp
Digitale Version

„Lebender Adventskalender“ erreicht mehr Menschen als in den Vorjahren

Nachbarn stehen an festlich gedeckten Tischen und singen „O Tannenbaum“. Im Hintergrund sind die Bäume noch grün. Der „Lebende Adventskalender“ ist in diesem Jahr digital – und überrascht.

Heinz Hiller sitzt in einem Sessel im Wohnzimmer. Auf den Knien ein Manuskript, im Hintergrund erklingt leise „Stille Nacht“ . Heinz Hiller spricht über den Advent, Corona und die Nachbarschaft. Es ist der vierte Adventssonntag (20.12.).

Der 86-Jährige lebt in Bodelschwingh. Immer schon. Seine Nachbarn leben Gemeinschaft. Bis Ende Oktober haben sich die Anwohner von Stilkingweg und Richterstraße jeden Abend auf den Balkonen und im Wendehammer der Sackgasse getroffen. Um zu singen.

Wenn es die Corona-Umstände erlauben, sagt Hiller, wollen sie die abendlichen Treffen fortsetzen. Heinz Hillers Worte sind die Anmoderation hinter dem 20. Türchen des „Lebenden Adventskalenders“ Bodelschwingh-Westerfilde.

Nachbarn haben im Herbst den Tisch festlich gedeckt

In diesem Jahr treffen sich die Bürger beider Stadtteile nicht vor den Türen der Häuser, Einrichtungen oder Geschäfte. Der „Lebende Adventskalender“ ist digital. Jeden Tag gibt die Internetseite des Heimatvereins ein neues Türchen frei. „Lassen Sie sich überraschen“, sagt Heinz Hiller am 20. Dezember.

Sekunden später zeigt das Video die versammelten Nachbarn im Wendehammer des Stilkingwegs. Stehtische sind festlich gedeckt. Auf den Adventskränzen brennen die Kerzen. Allein im Hintergrund zeigen die Blätter der Bäume noch das Farbenspiel des Herbstes: von Tiefgrün bis leuchtend Orange.

Bereits im Herbst deckten die Nachbarn festlich den Tisch und zündeten an den Adventskränzen die Kerzen an. © Nachbarschaft Stilkingweg © Nachbarschaft Stilkingweg

Die Anwohner singen „O Tannenbaum“ – das älteste bekannte Weihnachtslied, hat Hiller zuvor erklärt. Gerd Obermeit ist Vorsitzender des Heimatvereins-Bodelschwingh-Westerfilde. Er hatte vor drei Jahren die Idee zum „Lebenden Adventskalender“. Und auch für die digitale Variante in Corona-Zeiten fand er wieder schnell 24 Gastgeber.

Mehr Teilnehmer im Internet als an den Haustüren

Wie in den Vorjahren machen nicht nur Vereine, Einrichtungen und Geschäfte mit, sondern auch Familien und Nachbarschaften. Der Unterschied: Sie hatten mit dem 15. November ein frühes Ultimatum für die Vorbereitungen. Dann musste das Rohmaterial vorliegen. Zwei Wochen blieben, um die Daten zu bearbeiten und auf der Internetseite zu verlinken.

Ein Grafiker hatte zuvor das bekannte Motiv des „Lebenden Adventskalenders“ mit 24 kleinen Fenstern versehen. „Jeder Einzelne aber hat sein Video selbst gemacht“, sagt Obermeit. „Chic und Charme liegen im Unperfekten und Menschlichen.“

Seit drei Jahren ein ebenso gewohntes wie beliebtes Bild: die Grafik zum Lebenden Adventskalender. © Grafik: Christian Pätzold © Grafik: Christian Pätzold

Die Resonanz ist groß. Bis Freitagabend (18.12.) gab es 4000 Seitenaufrufe von 650 unterschiedlichen Besuchern. Bezogen auf die Seitenaufrufe sind das sechsmal so viele Teilnehmer wie im Vorjahr an den Haus- und Geschäftstüren.

Der „Lebende Adventskalender“ endet immer mit dem Weihnachtsgottesdienst in der Schlosskirche. Auch in diesem Jahr: hinter dem 24. Türchen, produziert Anfang November.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Geboren 1964. Dortmunder. Interessiert an Politik, Sport, Kultur, Lokalgeschichte. Nach Wanderjahren verwurzelt im Nordwesten. Schätzt die Menschen, ihre Geschichten und ihre klare Sprache.
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Uwe von Schirp

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