Niko Savvidis (l.) will in der Netter Sportklause ein Schnelltest-Zentrum eröffnen. Am Montag berichtete er davon Bezirksbürgermeister Axel Kunstmann. © Uwe von Schirp

Lange Wartezeiten – nun eröffnen weitere Testzentren im Stadtbezirk

Drei Schnelltest-Zentren, alle nahe beieinander. Die Menschen im Stadtbezirk warten lange auf einen Termin. Nun ergreifen Bürger die Initiative und der Bezirksbürgermeister „putzt Klinken“.

Nur drei bekannte Corona-Teststellen gibt es derzeit im Stadtbezirk Mengede, alle nahe beieinander. Ein Problem – vor allem für ältere Menschen, die sich vor dem Friseurbesuch testen lassen müssen.Ende April ist eine weitere hinzugekommen. Und dabei ist es nicht geblieben.

Corona-Schnelltests sind ein Weg, um einerseits das Infektionsgeschehen einzudämmen. Andererseits erlauben sie es den Menschen ein halbwegs alltägliches Leben bei allen Einschränkungen der Corona-Schutzverordnung.

Mit Einführung der Schnelltest-Regelung gab es im Stadtbezirk Mengede zunächst drei Adressen: die Alte Apotheke am Bahnhof sowie die Remigius-Apotheke und die gynäkologische Praxis Claudia Eiche am Markt. Sie liegen alle im Mengeder Ortskern.

Lange Wartezeiten

Für die Menschen in Bodelschwingh, Westerfilde, Nette und Oestrich ist das ein Problem. Sie müssen umständlich einen vergleichsweise weiten Weg auf sich nehmen, um sich dann in der Nachbarschaft die Haare schneiden zu lassen. Zudem ist die Nachfrage nach Terminen hoch – und entsprechend lang die Wartezeit für einen Schnelltest.

Am Montagnachmittag (26.4.) steht Niko Savvidis in Arbeitshosen in seiner Kneipe. Er nutzt den anhaltenden Lockdown, um die Sportklause zu renovieren. Jetzt erhalten Saal und Gesellschaftszimmer den letzten Schliff. „Wir müssen nur noch sauber machen, dann kann es losgehen“, erzählt der 42-Jährige.

Friederike Mönnighoff von der Wodan-Apotheke hat ihn angesprochen, ob er in der derzeit geschlossenen Kneipe nicht ein Schnelltest-Zentrum einrichten will. Die Geschäftsräume der Apotheke sind zu eng. Niko Savvidis findet Gefallen an der Idee.

Seit fast 10 Wochen hat Wirt Niko Savidis den Zapfhahn in der Sportklause an der Netter Wodanstraße “hochgedreht”. Obwohl er noch keine Hilfszahlungen erhalten hat, bleibt der Wirt optimistisch. © Uwe von Schirp © Uwe von Schirp

Zum einen ist er in Nette gut vernetzt und kennt die Bedürfnisse der Menschen. Außerdem sind die Türen der Sportklause seit Anfang November wegen des Lockdowns geschlossen, Einnahmen fehlen. „Die Hilfen vom Staat waren ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt der Gastronom. „So langsam wird es knapp.“

Antrag beim Gesundheitsamt

Letztlich sind da seine zehn Servicekräfte, denen er derzeit keine Beschäftigung bieten kann. „Ich habe einen Kumpel beim Deutschen Roten Kreuz“, erzählt der Wirt. „Das DRK würde die Schulung für meine Leute machen.“ Räumlich ist die Sportklause groß genug. Sie verfügt mit einer Tür zum Garagenhof auch über den notwendigen separaten Ausgang.

Mitte April stellt Savvidis stellt einen Antrag bei der Stadt. „Das Ordnungsamt hat schon zugestimmt“, berichtet er Bezirksbürgermeister Axel Kunstmann an jenem Montag. Am 5. Mai kommt schließlich die Genehmigung des Gesundheitsamtes.

Am Dienstag (11.5.) geht es los. Die Sportklause ist offiziell registriertes Bürger-Testzentrum. Am Montag (10.5.) erfolgt die Schulung durch das DRK. Das Testzentrum an der Wodanstraße öffnet von Montag bis Freitag täglich von 8 bis 14 Uhr und von 15 bis 17 Uhr sowie samstags von 8 bis 13 Uhr. Vorherige Anmeldungen sind nicht erforderlich.

Bezirksbürgermeister „putzt Klinken“

Axel Kunstmann ist an diesem Montag Ende April unterwegs, „um Klinken zu putzen“, berichtet er. „Viele, vor allem ältere Menschen haben mir geschrieben oder mich angerufen.“ Nun will er vor allem Dienstleister aus dem Gesundheitsbereich für weitere Schnelltest-Stellen gewinnen.

Philipp Ostermann hat schon morgens ein positives Signal gegeben. Er ist Geschäftsführer des Pflegedienstes Vidomed und der Tagespflege Königshalt in Oestrich. Am Freitag (30.4.) ist quasi alles in trockenen Tüchern.

Philipp Ostermann ist Geschäftsführer von Vidomed in Oestrich. Der Pflegedienst an der Castroper Straße wird am 10. Mai ein Schnelltest-Zentrum
Philipp Ostermann ist Geschäftsführer von Vidomed in Oestrich. Der Pflegedienst an der Castroper Straße wird am 10. Mai ein Schnelltest-Zentrum © Vidomed © Vidomed

„Wir kooperieren mit unserem Betriebsarzt von der Firma Dometec Arbeitsmedizin“, berichtet Ostermann im Gespräch mit dieser Redaktion. Ein eigener Antrag auf ein Testzentrum dauere aber vier Wochen. „Und dann ist der Zug abgefahren.“

Probelauf an Karsamstag: „Erst zum Test, dann zum Fest“

Dometec und Vidomed haben bereits am Karsamstag eine Aktion gemacht: „Erst zum Test, dann zum Fest“. Wie Ostern werden Vidomed und Tagespflege quasi mobile Teststelle von Dometec Arbeitsmedizin.

Am Montag (10.5.) öffnet das Oesatricher Testzentrum in den Räumlichkeiten von Vidomed und Tagespflege an der Castroper Straße 124. Die Öffnungszeiten sind von Montag bis Freitag, jeweils von 7.30 bis 9.30 Uhr und von 16.15 bis 18.15 Uhr. „Bei entsprechender Nachfrage können wir die Öffnungszeiten anpassen“, sagt Ostermann.

In Westerfilde hat ein Schnelltest-Zentrum bereits am Mittwoch (28.4.) eröffnet. Kunstmann erfuhr davon bei Gesprächen am Tag zuvor. Betreiber ist der Pflegedienst „Lebenswert“ am Westerfilder Markt. „Meine Frau kam auf die Idee und hat eine E-Mail an die Stadt geschrieben“, erzählt Anton Richert.

Mareike und Anton Richert haben am Mittwoch (28.4.) ein Testzentrum am Westerfilder Markt eröffnet.
Mareike und Anton Richert haben am Mittwoch (28.4.) ein Testzentrum am Westerfilder Markt eröffnet. © Axel Kunstmann © Axel Kunstmann

Er und Ehefrau Mareike sind Geschäftsführer von „Lebenswert“. Eine ganze Zeit hätten sie gar nichts von der Stadt gehört. „Dann kam letzten Freitag (23.4., d. Red.) die E-Mail, wir sind jetzt ein anerkanntes Testzentrum.“

Menschen in Westerfilde sind glücklich

Die sprach sich offenbar schnell herum. Jeweils 20 bis 25 Tests hätten sie an den ersten beiden Tagen vorgenommen. „Das Angebot wird dankbar angenommen“, sagt Richert. „Die Menschen sind total glücklich.“

Zunächst öffnet das Westerfilder Testzentrum zunächst von 9 bis 13 Uhr. „Wir müssen das personell gestemmt bekommen“, sagt Anton Richert. „Derzeit sind alle verfügbaren Kräfte im Boot – meine Frau, unsere Pflegekräfte und ich.“

Finden Mareike und Anton Richert weiteres Personal, könnten sie die Öffnungszeit ausweiten, sagt der Geschäftsführer. „Dann werden wir auch 100 bis 200 Personen täglich testen können.“

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Geboren 1964. Dortmunder. Interessiert an Politik, Sport, Kultur, Lokalgeschichte. Nach Wanderjahren verwurzelt im Nordwesten. Schätzt die Menschen, ihre Geschichten und ihre klare Sprache.
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Uwe von Schirp