Jürgen Rysi an dem Krötenzaun, den Agard-Aktivisten vor einer Woche an der Dorneystraße aufgebaut haben. © Holger Bergmann
Krötenwanderung

Kröten auf der Fahrbahn: Auf zwei Straßen sollte man vorsichtig fahren

Mit den steigenden Temperaturen kommen nicht nur die Blumen aus der Erde, sondern auch die Amphibien. Im Dortmunder Westen kreuzen die Kröten vor allem an zwei Straßen den Autoverkehr.

Bereits am Sonntag (21.2.) haben die Tierschützer von Agard (Arbeitsgemeinschaft Amphibien und Reptilienschutz in Dortmund) die ersten Krötenzäune an der Dorneystraße und am Wischlinger Weg aufgestellt.

Doch die Krötenwanderung im Dortmunder Westen ist erst in der Nacht auf Freitag (26.2.) so richtig in Fahrt gekommen. Denn nach dem Regen hatten die Tiere die perfekten Bedingungen: Feuchtigkeit und Wärme.

Beim Aufstellen der Krötenzäune hatte Jürgen Rysi, der sich seit 25 Jahren für Kröten einsetzt, nach eigenen Angaben soviel Helfer wie noch nie. Er sieht darin ein Zeichen dafür, dass den Menschen der Schutz der Natur immer wichtiger wird.

Immer weniger Erd-Kröten

Und Jürgen Rysi, der selbst direkt am Dorneywald wohnt, kann die Sorgen mit Zahlen unterfüttern. Im Jahr 2010 halfen Agard-Mitarbeiter 2006 Erdkröten über die Dorney-Straße. Im vergangenen Jahr waren es nur noch 333 Erdkröten. Die Tierschützer sind sehr besorgt über diesen Rückgang.

Die Krötenwanderung hat gerade erst begonnen und wird sich je nach Witterung bis in den April ziehen. Im Dortmunder Westen sind es vier Tierarten, die aus ihren Winterquartieren zurück in ihr Laich krabbeln: neben Erdkröten Grasfrösche, Teichmolche und Bergmolche.

Die Amphibien haben die vergangenen Monate in Winterstarre, nicht Winterschlaf, verbracht. Nun bewegen sie sich zu den Gewässern, in denen sie sich fortpflanzen möchten.

Klammernde Männchen

Bei den Erdkröten beginnt das Liebesspiel bereits während der Wanderung. Überall in den Gebüschen und unter dem Laub im Unterholz lauern die Männchen auf Weibchen.

Der Teich im Oespler Dorney ist ein wichtiges Laichgewässer unter anderem für Erd-Kröten.
Der Teich im Oespler Dorney ist ein wichtiges Laichgewässer unter anderem für Erd-Kröten. © Bernd Gregarek © Bernd Gregarek

Haben sie eines ausgemacht, klammern sie sich an dem Weibchen fest und lassen nicht mehr los. „Die sind ganz schön kräftig“, sagt die Agard-Vorsitzende Stephanie Wetzold-Schubert. „Wenn die sich an einer Hand festklammern, kriegt man die kaum noch runter.“

An der Dorneystraße und dem Wischlinger Weg würde ihr Weg die Kröten auf die Fahrbahn führen. Doch nun bleiben sie an den Krötenzäunen hängen. „Sie sind zum Glück nicht sehr clever“, sagt Stephanie Wetzold-Schubert.

Kröten werden zweimal pro Tag eingesammelt

Die Kröten versuchen solange an dem Kunststoffhindernis vorbei zu krabbeln, bis sie in einen Eimer fallen. Dort werden sie morgens und abends eingesammelt und auf die andere Seite gebracht.

Die Straßen sind in diesen Bereich momentan für den Straßenverkehr besonders gekennzeichnet, damit die Autofahrer vorsichtig fahren. Die Tierschützer würden sich aber wünschen, dass Autofahrer während der Krötenwanderung die Straßen ganz meiden.

Denn die Kröten sind noch empfindlicher als man denkt. Selbst ein Auto, dass mit nur 30 km/h über eine Kröte fährt, ohne sie überhaupt zu berühren, verursacht eine Druckwelle, die für die Kröte tödlich ist.

Kein Kröten-Zaun im Sommer

Nach der Laich-Ablage, also kurz vor dem Sommer, kehren die Tiere zu ihrem eigentlichen Lebensraum im Wald zurück. Dann stellten die Tierschützer aber keine Krötenzäune mehr auf. „Die Tiere wandern dann sehr individuell, nicht mehr in einer Welle“, sagt Jürge Rysi. Dann lohne sich ein Krötenzaun nicht mehr.

Der starke Rückgang der Erd-Kröten ist den Agard-Aktivisten ein Rätsel. Eine Krankheit könne es kaum sein, so Rysi, denn dann würde man tote Tiere finden. Für den wahrscheinlicheren Grund hält er das Insektensterben. „Die Kröten finden wohl nicht mehr genug Nahrung.“

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Holger Bergmann ist seit 1994 als freier Mitarbeiter für die Ruhr Nachrichten im Dortmunder Westen unterweg und wird immer wieder aufs neue davon überrascht, wieviele spannende Geschichten direkt in der Nachbarschaft schlummern.
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