Endlich können Azra Safall, Quentin Modenbach und Lina Duda (v.l.) wieder an die Kletterwand des RSG. Im Homeschooling hat sich die Kletter-AG regelmäßig digital getroffen. © Patricia Böcking
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Klettern statt Netflix: Dortmunder Schule hält Kinder zuhause in Bewegung

Klettern: Das war in den vergangenen Monaten nicht möglich. Eine Dortmunder Schule hat ihre Schüler trotzdem in Bewegung gehalten – per Zoom. Jetzt dürfen die Schüler wieder an die Kletterwand.

Den ganzen Tag lang auf dem Sofa sitzen, Netflix schauen und dabei ganz viel essen: So war die Zeit des Homeschoolings für Azra Safall. Zumindest wäre sie so gewesen, wenn es da nicht einen Grund gegeben hätte, der sie vom Sofa gezwungen hat: die Klettergruppe ihrer Schule.

Azra ist 15 Jahre alt und Teil der Kletter-AG des Reinoldus- und Schiller-Gymnasiums in Dortmund-Dorstfeld. In vorpandemischen Zeiten war sie mit der Schulgruppe alle zwei Wochen in der Kletterhalle Bergwerk in Dortmund. Im vergangenen halben Jahr war das aber nicht mehr möglich.

Statt an der Kletterwand zu hangeln, saß Azra jeden Tag am Schreibtisch oder vor dem Fernseher. „Ich bin keine Person, die gerne Sport macht“, erzählt sie. Sich alleine für Bewegung zu motivieren, falle ihr deshalb schwer.

Kletter-AG traf sich regelmäßig digital

Netflix statt Kletterhalle: Genau das wollten Michaela Neuhaus und Andrea Kullik, die beiden Leiterinnen der Kletter-AG, unbedingt verhindern. Sie haben die Kinder und Jugendlichen ihrer Klettergruppe während des Homeschoolings deshalb in Bewegung gehalten: mit regelmäßigen Zoom-Sitzungen.

Was zunächst so klingt, als würden die Kinder und Jugendlichen dadurch noch mehr Zeit vor dem Bildschirm verbringen, ist genau das Gegenteil. Mit den digitalen Treffen haben Neuhaus und Kullik es geschafft, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vom Bildschirm wegzulocken.

„Wir haben über Zoom ganz viele Spiele gemacht“, erzählt Noah Westerwelle. Der Zehnjährige ist in der fünften Klasse und hat erst in diesem Schuljahr mit dem Klettern angefangen. In den ersten drei Monaten des Schuljahrs konnte er noch richtig an die Kletterwand. Ab Dezember 2020 hieß es dann: Ab jetzt geht es nur noch digital. Aber auch das hat ihm Spaß gemacht, sagt er.

„Wir mussten zum Beispiel durchs Haus rennen und Sachen mit verschiedenen Farben suchen“, erzählt Noah. „Das war ein richtiges Rumgerenne zuhause“, erinnert sich auch Azra. So haben sich die Schüler auch während des Homeschoolings bewegt. „Wir haben mit der AG Sport getrieben statt Netflix zu schauen“, erzählt Azras Mitschülerin Luise.

Klettern ist mehr als nur Klettern

Seit einer Woche können die Schüler endlich wieder an die Kletterwand. Neben der Wand in der Schul-Turnhalle besitzt das RSG noch eine neue Boulderwand im Schulhof. Das ist besonders jetzt praktisch: So können die Schüler draußen klettern – bei geringem Infektionsrisiko.


Das Klettern macht den insgesamt rund 60 AG-Mitgliedern nicht nur Spaß, sondern hilft ihnen auch im Alltag. „Ich habe durch das Klettern gelernt, meine Höhenangst zu überwinden“, erzählt Lina Duda, 18. Sie hat in diesem Jahr Abitur gemacht und den Kletterkurs in der Oberstufe belegt.

Klettern unter freiem Himmel: Azra Safall, Noah Westerwelle, Quentin Modenbach, Luise Respondek, Tom Höcke, Lina Duda, Elena Volkov und die Leiterinnen Andrea Kullik und Michaela Neuhaus (v.l.) probieren die neue Boulderwand aus.
Klettern unter freiem Himmel: Azra Safall, Noah Westerwelle, Quentin Modenbach, Luise Respondek, Tom Höcke, Lina Duda, Elena Volkov und die Leiterinnen Andrea Kullik und Michaela Neuhaus (v.l.) probieren die neue Boulderwand aus. © Patricia Böcking © Patricia Böcking

„Klettern ist viel mehr, als nur den Gurt anzuschnallen und die Wand hochzuklettern“, findet auch ihr Mitschüler Tom Höcke, 18. „Es ist psychisch anspruchsvoll und hilft, seine Ängste zu überwinden.“ Neben dem Klettern müssen die Schüler auch ein Heft mit spielerischen Aufgaben ausfüllen. So können sie sich selbstständig verbessern und Kraft und Beweglichkeit schulen.

Quentin und Noah (Mitte) zeigen das Aufgabenheft, das sie in der Kletter-AG ausgefüllt haben.
Quentin und Noah (Mitte) zeigen das Aufgabenheft, das sie in der Kletter-AG ausgefüllt haben. © Patricia Böcking © Patricia Böcking

Damit beim Klettern die größtmögliche Sicherheit gewährleistet ist, wird ein Kletterer immer von zwei Mitschülern gesichert. Wer wen beim Klettern sichert, wechselt sich ständig ab. Das stärkt das Gemeinschaftsgefühl in der Gruppe.

„Man vertraut seinen ganzen Körper einer anderen Person an“, sagt Lina. „Dadurch bekommt man eine ganz andere Vertrauensbasis zu seinen Mitschülern.“

„Kletterstärkste Schule Dortmunds“

Die Klettergruppe gibt es am RSG erst seit 2015. „Wir haben zuerst klein mit einer Kletter-AG angefangen. Jetzt ist es ein ganzes Netzwerk geworden“, erzählt Leiterin Andrea Kullik.

Schon die ganz Kleinen können mit dem Klettern anfangen. Jedes Jahr bietet die Kletter-AG des RSG ein- bis zweitägige Kletterkurse für Grundschulen an. „Es ist schön, die strahlenden Gesichter der Grundschüler zu sehen“, erzählt Lina Duda.

Auch die meisten Lehrerinnen und Lehrer am RSG können mittlerweile klettern, erzählt Kullik. „Wir sind die kletterstärkste Schule Dortmunds“, sagt sie stolz.

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