Seit Wochen ist das Klangspiel auf dem Schulhof eingezäunt. Die Station auf dem Boulevard der Kinderrechte soll beschädigt sein. © Uwe von Schirp

Kinderrecht hinter Gittern: Nebulöser Unfrieden um ein Klangspiel

Kaum ein Jahr gibt es den Boulevard der Kinderrechte mit Spielstationen und Erklärungstafeln. Nun umgibt ein Bauzaun ein Klangspiel auf einem Schulhof. Die Begründung hat den Hauch einer Posse.

Kinder haben Rechte: etwa auf Gleichheit, auf Gehör und Meinungsäußerung, auf Eltern, auf Bildung, auf Frieden und einiges mehr. Insgesamt neun Stationen des „Boulevards der Kinderrechte“ erinnern daran.

Die Teens-Jugend der Falken hat das „Nordwärts“-Projekt zusammen mit dem Büro für Kinderinteressen im städtischen Jugendamt entwickelt. Kurz vor den Sommerferien 2020 hat der damalige Oberbürgermeister Ullrich Sierau den Boulevard im Dortmunder Stadtteil Nette eröffnet.

An den einzelnen Stationen haben Kinder mitgewirkt. Die neun Spiel-Stationen stehen an den Schulen, an Kindertageseinrichtungen, auf Spielplätzen und in der Kleingartenanlage Wachteloh.

Beschwerde von Anwohnern

Klaus Schlichting ist einer der Projektverantwortlichen. „Seit einigen Wochen ist das Klangspiel auf dem Schulhof des Heinrich-Heine-Gymnasiums von einem Bauzaun umgeben“, berichtet er und wundert sich. „Und niemand kann mir sagen, warum.“

Das „Klangspiel“ ist ein Holzgerüst. Daran hängen Scheiben und Röhren. Wenn Kinder mit einem Holzklöppel oder Ast darauf schlagen, erklingen Töne – wie bei einem Xylophon. „Ich habe gehört, dass sich Anwohner beschwert haben, das sei zu laut“, berichtet der Falken-Verantwortliche.

Daraufhin sei der Holzklöppel entfernt worden. Kinder hätten fortan mit Stöcken aus dem kleinen Wäldchen des Schulhofs auf das Klangspiel geschlagen. „Das ist deutlich leiser“, sagt Klaus Schlichting.

Er ließ nichts unversucht, der Einzäunung auf den Grund zu gehen: sprach mit den Schulleitungen im Schulzentrum, den Hausmeistern, schaltete über das Nordwärts-Büro die Stadtämter ein. Überall: Ratlosigkeit. Da wird doch nicht etwa „Nachbarschaftshilfe“ dem Klangspiel Einhalt geboten haben?

Bei einer Kontrolle fiel eine Beschädigung auf

Nein, erklärt auf Anfrage die Pressestelle der Stadt. Dass sich Leute über eine Störung beschwert haben, weiß auch Christian Schön. Aber: Bei einer Kontrolle sei eine Beschädigung aufgefallen, erklärt er. „Es besteht eine Unfallgefahr.“ Daraufhin habe das Grünflächenamt die Zäune aufgestellt. Was genau beschädigt ist, kann der Stadtsprecher indes nicht sagen.

Es bestehe eine Unfallgefahr, sagt die Stadt. Warum die Füße des Bauzauns indes frei zugänglich auf dem Schulhof herum liegen, ist eine Frage, die noch niemand gestellt hat.
Es bestehe eine Unfallgefahr, sagt die Stadt. Warum die Füße des Bauzauns indes frei zugänglich auf dem Schulhof herum liegen, ist eine Frage, die noch niemand gestellt hat. © Uwe von Schirp © Uwe von Schirp

Nun müsse die Frage geklärt werden, ob das Klangspiel überhaupt genutzt werde. „Dann wird es auch repariert“, versichert er. Womöglich werde es auch ab- und anderenorts wieder aufgebaut. Die Entscheidung treffe das Schulverwaltungsamt in Absprache mit dem Heinrich-Heine-Gymnasium. „Bis die Entscheidung gefallen ist, bleibt es gesperrt.“ Punkt. Wann das sein wird, lässt Schön offen.

Zumindest die Frage, wer die fünf Zaunelemente aufgestellt hat, ist geklärt. Die Umstände bleiben derweil ebenso nebulös wie viele Fragen offen. Nur am Rande: Diese Station steht für das „Recht auf Frieden“.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Geboren 1964. Dortmunder. Interessiert an Politik, Sport, Kultur, Lokalgeschichte. Nach Wanderjahren verwurzelt im Nordwesten. Schätzt die Menschen, ihre Geschichten und ihre klare Sprache.
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Uwe von Schirp