Im Awo-Seniorenheim in Kirchlinde gilt strenges Besuchsverbot: Hier gibt es einen Massen-Ausbruch des Coronavirus, trotz der Impfungen Anfang Januar. © Stephan Schütze
Awo-Seniorenzentrum

Immunologe erklärt, wie Corona-Ausbruch nach Impfung im Altenheim möglich war

Im Awo-Seniorenzentrum Kirchlinde sind mehr als 100 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Wie kann das sein, wo doch die meisten gerade erst geimpft wurden? Experten erklären den Zusammenhang.

In einer Expertenrunde am Montagabend (25.1.), die wir live auf unserem Internetportal übertrugen, standen drei Dortmunder Fachleute Rede und Antwort: Prof. Dr. Carsten Watzl (Immunologe, Direktor am Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der Technischen Universität Dortmund), Privatdozent Dr. Bernhard Schaaf (Direktor der Lungenklinik am Klinikum Dortmund) und Dr. Prosper Rodewyk, Hausarzt in Dortmund-Hörde und Leiter der Bezirksstelle der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe beantworteten Fragen unserer Leser.

Funktioniert der Impfstoff nicht?

Eine Frage drehte sich um den Ausbruch von Sars-CoV-2 in einem Seniorenzentrum der Awo in Kirchlinde: Dort sind derzeit rund 100 Personen, Bewohner und Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert, obwohl Anfang Januar die meisten Menschen, die in der Einrichtung im Dortmunder Westen leben oder arbeiten, mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer geimpft wurden. Wie können dann jetzt so viele Menschen erkranken? Funktioniert der Impfstoff nicht?

„Man muss sich mindestens noch zwei Wochen nach der ersten Impfung genauso vorsichtig verhalten wie vorher, denn man hat keinen Impfschutz.“

Prof. Carsten Watzl

Die Antwort gab Carsten Watzl, und sie ist recht einfach: „Der Impfschutz tritt nicht sofort nach der ersten Impfung ein“, sagte er gegenüber unserem Moderator Ulrich Breulmann. „Der 95-prozentige Schutz tritt erst bis zu zwei Wochen nach der zweiten Impfung ein“, so Watzl. Man habe auch nach der ersten Impfung schon einen Schutz, aber 10 bis 12 Tage lang stelle sich nach den bisher vorliegenden Studien noch kein Effekt ein.

Bedeutet laut Professor Watzl: „Man muss sich mindestens noch zwei Wochen nach der ersten Impfung genauso genauso vorsichtig verhalten wie vorher, denn man hat keinen Impfschutz.“ Vorsicht walten zu lassen, sei in jedem Fall der beste Weg.

Das tut man nun im Seniorenzentrum, auch wenn der Ausbruch nun schon geschehen ist: Man stellte das Heim unter Quarantäne, Besuche sind aktuell nicht möglich. Inzwischen wurde der erste Todesfall in der Einrichtung bekannt.

Bereits Erkrankte sollten nicht zur Impfung gehen

Sobald jemand infiziert war, sollte man laut Watzl übrigens nicht mehr zur Impfung gehen: Die Immunisierung nach einer durchgemachten Erkrankung über körpereigene Antikörper ist ziemlich wahrscheinlich, auch wenn es immer wieder einzelne Fälle gibt, bei denen Menschen zweimal an Covid-19 erkranken.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Gebürtiger Münsterländer, Jahrgang 1979. Redakteur bei Lensing Media seit 2007. Fußballfreund und fasziniert von den Entwicklungen in der Medienwelt der 2010er-Jahre.
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Tobias Weckenbrock

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