Christiane Lange freut sich auf die Wiedereröffnung im März. Sie hat den Lockdown genutzt für eine Renovierung ihres Salons. © Holger Bergmann
Coronavirus

Friseure starten im März: Die ersten Termine sind schon weg

Seit Mittwoch ist klar: Der Lockdown wird verlängert, aber Friseure dürfen wieder öffnen. Einige Friseure im Dortmunder Westen gehen mit Energie in den Neustart. Andere sind zögerlich.

Hundert Telefonate an einem Tag, Christiane Lange kann nur schätzen, wie viele Kunden allein am Donnerstag (12.2.) angerufen haben, um einen möglichst frühen Termin zum Haareschneiden im März zu bekommen. „Das Telefon hat um 7 Uhr gebimmelt und dann nicht mehr aufgehört“, berichtet die Friseurin.

Damit sind in ihrem Geschäft die ersten zwei März-Wochen weitgehend ausgebucht. Auch die Montage. Auch Beate Schultebraucks aus Lütgendortmund hat nach Bekanntgabe der Ausnahme-Regel den Telefon-Anschluss ihres Salons in ihre Wohnung umgeleitet, um die ersten Kundenanrufe entgegenzunehmen.

Sie meldet, dass sie ruckzuck bis zum 6. März ausgebucht war. Und die Kunden bucht meist sofort die Folgetermine. „Es wurden auch schon Termin im April nachgefragt“, so Schultebraucks.

Reparaturen sind nötig

Die Friseurinnen berichten vor allem von Kundinnen, die dem ersten Friseurtermin des Jahres mit großer Vorfreude entgegenfiebern. Denn es geht nicht nur darum, die langen Haare zu schneiden.

„Da kommt noch viel mehr auf uns zu“, sagt Cornelia Schönherr aus Oestrich. Denn viele Kundinnen haben am Telefon gestanden, sich aus Verzweiflung selbst frisiert, ja sogar die Haare getönt zu haben. „Da werden wir einige Reparaturen durchführen müssen“, meint Cornelia Schönherr.

Die Friseure sind geradezu euphorisch, dass für sie der Lockdown zu Ende geht. Aus psychologischen Gründen: „Immer zuhause zu sein ist ganz schön bedrückend“, sagt Schultebraucks.

Wirtschaftlich unter Druck

Aber auch aus wirtschaftlichen Gründen. „Uns steht das Wasser bis zum Hals“, sagt Mehmet Özpamuk. „Wenn wir im März nicht öffnen dürften, würde es mit uns den Bach runtergehen.“ Er kann sich über 20 Termine an den ersten drei Märztagen freuen.

Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass nicht alle Friseure telefonisch erreichbar sind. Unter vielen Telefonnummern meldet sich niemand. Unter anderen nur der Anrufbeantworter, die den Beginn der Terminabsprachen für nächste Woche ankündigen.

So oder so, ab März wird es eng in den Salons. Das wäre eine gute Nachricht für die Friseure, wenn die dann geltenden Hygiene-Regeln bekannt wären. „Wir wissen ja eigentlich gar nicht, wie viele Kunden wir reinlassen dürfen, wie viele Termine wir überhaupt vergeben können“, sagt Christiane Lange.

Lob für das Jobcenter

Das ist nicht die einzige Information, die den Friseuren in den vergangenen Wochen, seit Beginn des Lockdowns, gefehlt hat. „Da reicht man die Anträge für das Dezembergeld ein und erfährt dabei, dass man eine Frist versäumt hat, von der nirgendwo etwas stand“, ärgert sich Beate Schultebraucks über die Corona-Bürokratie. Aber sie lobt auch: „Die netten Leute vom Jobcenter haben mir mit der Kurzarbeit sehr geholfen.“

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Freier Mitarbeiter
Holger Bergmann ist seit 1994 als freier Mitarbeiter für die Ruhr Nachrichten im Dortmunder Westen unterweg und wird immer wieder aufs neue davon überrascht, wieviele spannende Geschichten direkt in der Nachbarschaft schlummern.
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