Hans Dornseif verschenkt seit Monaten MNS und FFP2-Masken an Obdachlose und Bedürftige. Hier überreicht er eine Spende an Svea Schleiken von der Wohnungslosten-Initiative „Gasthaus statt Bank“. © Stephan Schuetze
Coronavirus

FFP2-Masken-Enpgass? „Nein, der Markt ist derzeit geradezu überschwemmt“

Die Nachfrage nach FFP2-Masken wächst. Sie gelten als sicherster Corona-Schutz. Einige Politiker fürchten gar einen Engpass. Ein Dortmunder Masken-Händler gibt Entwarnung und wichtige Tipps.

Über Hans Dornseif hat diese Redaktion schon einmal berichtet und ihn „Corona-Engel“ getauft. Denn der Dortmunder Geschäftsmann versorgt Bedürftige, vor allem Obdachlose, mit FFP2-Masken. Bezahlen müssen sie dafür nichts.

Darüber hinaus kann jeder in seiner Mengeder Firma China Supply UG diese viel diskutierten Atemschutzmasken ganz regulär erwerben. Hans Dornseif kennt sich mit dem Thema bestens aus und gibt im Interview zuallererst Entwarnung: Trotz steigender Nachfrage erwarte er keinen FFP2-Masken-Engapss. Auch seine Regale seien voll.

Herr Dornseif, wird die FFP2-Maske möglicherweise das neue Toilettenpapier mit dem Effekt, dass die Regale leergefegt sind?

Nein, der Markt ist derzeit geradezu überschwemmt mit Masken. Seit vergangenem Jahr gibt es einige neue europäische und deutsche Hersteller, die gute Qualität zu günstigen Preisen liefern. Zudem braucht China im Land kaum noch FFP2-Masken, daher sind die Fabriken nicht ausgelastet. Die chinesische Maskenproduktionskapazität ist größer als 100.000.000 Stück pro Tag, dazu kommen die Türkei und Europa.

Halten Sie eine FFP2-Maskenpflicht für sinnvoll?

Ich bin kein Mediziner, denke aber, dass es ein schwerer Fehler war, der Bevölkerung zu erzählen, dass Schals, Mundschutz oder Stoffmasken ausreichend vor Covid-19 schützen. FFP2- und FFP3-Masken sind die einzige Möglichkeit, auch sich selbst zu schützen. Daher machen sie meiner Meinung nach sehr viel Sinn, sofern sie richtig angelegt und regelmäßig gewechselt werden.

Woran erkennt man mangelhafte Masken?

Niemand kann eine gute Maske von einer schlechten unterscheiden, es sei denn, man hätte ein eigenes Testlabor. Der Verbraucher kann sich nur darauf verlassen, dass sein Lieferant, die Apotheke, der Online-Händler oder andere den Hersteller sowie die Zertifikate und deren Echtheit geprüft hat.

Worauf sollte der Kunde beim FFP2-Masken-Kauf achten?

Er sollte auf die korrekte Beschriftung der Maske achten, also dass das CE-Zeichen nebst vierstelliger Nummer der benannten Stelle, die Nummer des Funktionstests, der Name des Herstellers sowie die Typbezeichnung korrekt aufgedruckt sind. Die Nummer bestätigt, dass der Hersteller gewisse Anforderungen an sein Qualitätsmanagement erfüllt. Funktionstests werden bezeichnet mit EN149:2001 + A1:2009. Seriöse Verkäufer haben auch die entsprechenden Zertifikate verfügbar, also CE, EN149:2001 + A1:2009, sowie die EU-Konformitätserklärung und die Daten des EU REP, das bezeichnet den „Inverkehrbringer“, griffbereit.

Woher kommen Ihre Masken. Warum sind Kunden bei Ihnen auf der sicheren Seite?

Unsere Masken kommen aus China, der Hersteller ist uns bekannt. Die Firma existiert seit 2012, ist CE zertifiziert unter der Nummer 0099 Aenor. Und die Masken haben einen 149:2001 + A1:2009 Test von TÜV Rheinland.

Verkaufen Sie Ihre Masken mit Bedienungsanleitungen?

Ja. In den 10er- und 50er-Packungen finden die Kunden eine gedruckte fünfsprachige Anleitung in Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch und Spanisch. Ein Piktogramm ist außerdem auf jeder Box sowie jedem Zweier-Beutel aufgedruckt.

Wie trägt man eine FFP2-Maske richtig?

Die Maske sollte eng anliegen, lieber etwas zu eng als bequem. Wenn man eine gekauft hat, die nicht eng anliegt, sollte man das nächste Mal eine andere kaufen und solange weitersuchen, bis eine gefunden ist, die passt.

Wie lange kann man eine FFP2-Maske tragen bzw. wie oft wiederverwenden?

Die Masken haben eine eindeutige Beschriftung: FFP2 NR. NR steht für „Non Reusable“, also „Nicht Wiederverwendbar“. Es werden mittlerweile viele Methoden publiziert, wie man die Masken wiederverwenden kann, von Trocknen über 7-Tage-Rhythmus bis hin zum Erhitzen auf 80 Grad. Auch hier muss ich sagen, dass ich kein Mediziner bin, mir also nicht anmaße, diese Methoden beurteilen zu können, aber: Es gibt sicherlich Gründe, warum die Fachleute, die die Test-Normen erstellt haben, die Masken in „Non Reusable“ und „Reusable“ eingeteilt haben.

Wie groß sind Ihre eigenen FFP2-Masken-Vorräte?

Heute (19.1., Anm. der Red.) zum Beispiel circa 25.000 FFP2-Masken. Bald sind es wieder mehr, Anfang letzter Woche waren es über 100.000 Stück.

Was kosten Ihre Masken?

Der Preis bei Abnahme von zwei Stück ist 2,50 Euro, bei zehn Stück 2,20 Euro und bei 50 Stück 1,98 Euro. Wir verkaufen die Masken übers Internet, wer möchte, kann sie nach telefonischer Anmeldung auch in unserem Büro an der Remigiusstraße 6 abholen.

Bei einer einmaligen Verwendung kommen da trotz des niedrigen Stückpreises erhebliche Kosten auf den einzelnen zu…

Ja, deshalb meine ich auch, dass es sich die bayrische Landesregierung mit der FFP2-Pflicht etwas zu einfach macht. Normale Bürger können sich diese Pflicht schlicht nicht leisten. Wenn man mal optimistisch annimmt, dass eine FFP2-Maske einen Tag lang getragen werden kann, braucht jetzt also jeder Bürger 30 Masken im Monat. Bei den derzeitigen Preisen von minimal circa 2 Euro als Untergrenze für eine ordentliche Maske sind das 60 Euro jeden Monat, für Vater, Mutter und 17-jähriges Kind „mal eben“ 180 Euro. Wer kann sich denn das leisten? Und da sind Oma und Opa noch gar nicht mitgerechnet.

Über die Autorin
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1968 geboren und seit über 20 Jahren Redakteurin bei Lensing Media. Zuständig für den Dortmunder Westen mit seinen Stadtbezirken Lütgendortmund, Mengede und Huckarde sowie für die Stadt Castrop-Rauxel.
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Beate Dönnewald

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