Nach zwei Stunden war es soweit: Retter Michael Erdmann hält das Kätzchen wohlbehalten im Arm - nachdem er zweimal in den Finger gebissen wurde. © Frank Simonsmeier/Feuerwehr
Feuerwehr Dortmund

Erst Geburtshelfer, dann Katzenretter – die Helden für die Spezialfälle

Eine kleine Katze sitzt im Motorraum eines Autos. Zwei Stunden dauert es, bis die Feuerwehr sie befreien kann. Ihre Retter haben in den vergangenen Wochen schon für einige Schlagzeilen gesorgt.

Nach zwei Stunden ist es endlich soweit: Oberbrandmeister Michael Erdmann hält ein schwarzes Katzenbaby wohlbehalten im Arm. Er selbst ist ein wenig lädiert: Das ängstliche Tier hat den 33-Jährigen gleich zweimal gebissen, einmal in den Zeige- und einmal in den Ringfinger. Diverse Kratzspuren hat er auch noch.

„Ich sehe aus, als hätte ich eine ganze Katzenfamilie zu Hause“, sagt der Mengeder Feuerwehrmann. Seinen Humor hat er trotz Schmerzen und Tetanus-Spritze nicht verloren. Er sei einfach glücklich, dass er gemeinsam mit seinen Kollegen die Katze retten konnte.

Bis zum Happy End war es kein ganz einfacher Weg. Denn die circa fünf Wochen alte Katze saß im Motorraum eines geparkten VW Golf am Gerlachweg in Westerfilde. „Hätten wir sie da nicht rausgeholt, wäre sie wohl verhungert“, so Michael Erdmann.

Halterin des Wagens ist Mariam Hammoud. Sie war es auch, die die Feuerwehr am Montagnachmittag alarmierte. Ein Löschfahrzeug der Feuerwehrwache 9 in Mengede mit sechs Rettern auf dem Wagen rückte sofort aus. „Ich wollte unbedingt, dass die Katze gerettet wird, um mein Auto hatte ich keine Angst“, sagt die junge Frau gegenüber dieser Redaktion.

Tim Wiesner (l.) und Michael Erdmann haben sich von ihrem Einsatz als Geburtshelfer gut erholt.
Tim Wiesner (l.) und Michael Erdmann haben sich von ihrem Einsatz als Geburtshelfer gut erholt. © Holger Bergmann © Holger Bergmann

Den sechs Feuerwehrmännern blieb schließlich nichts anderes übrig, als die Unterbodenplatte des Autos zu lösen. „Glücklicherweise hat das gereicht, den Motorblock auszubauen, wäre eine ganz andere Hausnummer gewesen“, so Erdmann. Der 33-Jährige war es dann auch, der im richtigen Moment unter den Wagen robbte. „Ich habe den Schwanz und die Tatzen gesehen und dann etwas rabiat am Bein der Katze gezogen.“

„Wir sind nur als Team stark“

Was dem Mengeder Oberbrandmeister wichtig ist: „Wir haben es nur gemeinsam geschafft, die Katze zu retten. Wir sind nur als Team stark.“ Und gemeinsam haben Kollegen dieser Wache in den vergangenen Wochen und Monaten bereits einige dramatische Situationen gemeistert.

Zweimal waren sie in diesem Jahr als spontane Geburtshelfer, einmal sogar mitten auf einer Mengeder Kreuzung, im Einsatz, jüngst retteten sie in Oestrich einen Igel aus einer misslichen Lage, und jetzt die Rettungsaktion der kleinen Katze.

Fünfmal Frühstück für die Kollegen der Feuerwehr

Kurios: Bei allen Einsätzen war Michael Erdmann dabei, der nicht nur Feuerwehrmann, sondern auch Notfall-Sanitäter ist. Der 33-Jährige war es zudem, der erst Anfang November einen Rückwärtsfahrer auf der A2 gefilmt und der Polizei gemeldet hat. „Tja, und deshalb war ich derjenige, der jedes Mal für die Kollegen ein Frühstück ausgeben musste.“ Ob es bei diesen fünf bleiben wird?

Das Kätzchen, wahrscheinlich aus einem Wildwurf, hätte Michael Erdmann am liebsten mit nach Hause genommen. „Ich bin total tierlieb und möchte mir tatsächlich eine Katze anschaffen. Im Tierheim in Castrop-Rauxel habe ich mich bereits erkundigt.“

Nachbarin nimmt Katzenbaby auf

Schließlich hätte er sich aber gegen das niedliche Katzenbaby entschieden. „Eine junge Katze muss ja erstmal erzogen werden, dafür habe ich wegen meiner 24 Stunden-Dienste leider gar keine Zeit“, so Erdmann. Deshalb werde er wohl ein älteres Tier „adoptieren“.

Für das gerettete Tierbaby gibt es aber trotzdem ein Happy End auf ganzer Linie. Denn bei Mariam Hammouds Nachbarin hat die Katze ein neues und sicheres Zuhause gefunden.

Über die Autorin
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1968 geboren und seit über 20 Jahren Redakteurin bei Lensing Media. Zuständig für den Dortmunder Westen mit seinen Stadtbezirken Lütgendortmund, Mengede und Huckarde sowie für die Stadt Castrop-Rauxel.
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Beate Dönnewald

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