Joachim Schmittgen in dem leeren Raum der Metzgerei, die sein Großvater nicht nur eröffnet, sondern sogar gebaut hat. Jetzt denkt er über eine Umwandlung der Fläche in seniorengerechte Wohnungen nach. © Holger Bergmann
Neuvermietung

Endgültiges Aus für Dortmunder Traditions-Fleischerei

116 Jahre liegt die Eröffnung der Metzgerei zurück. Nachfolger waren unter anderem die Fleischereien Ollenhoff und Vollmer. Nach langem Leerstand zieht nun eine branchenfremde Firma ein.

Rund zwei Jahre hat die Suche gedauert, am Ende blieb der erhoffte Erfolg aus: Für eine Traditions-Fleischerei im Dortmunder Westen wollte sich einfach kein Nachfolger finden lassen. Nun kann man dort in Kürze Klimaanlagen kaufen oder warten lassen.

„Es macht mich wehmütig, dass es weder meinem verstorbenen Bruder noch mir gelungen ist, einen Interessenten zu gewinnen, der in Alt-Marten eine Verkaufsstelle für frisches Fleisch und frische Wurst anbietet“, sagt Joachim Schmittgen, Testamentsvollstrecker der Erben Migliaccio, im Gespräch mit dieser Redaktion.

Großeltern haben Metzgerei vor 116 Jahren eröffnet

Denn seine Großeltern waren es, die die Metzgerei 1905 eröffnet haben. Die Tradition hätte der Jurist gerne fortgesetzt. „Sie haben die Fleischerei zunächst im Haus Martener Straße 303, heute Syrtaki Grill, betrieben und waren auch auf den Wochenmärkten präsent.“

1938 haben Schmittgens Eltern die Fleischerei, mittlerweile Martener Straße 324, übernommen. „In der Blütezeit der 1950er-Jahre gehörten dazu auch Filialen in der Germania-Siedlung und an der Martener Straße.“ Mit dem Aufkommen der Discounter sei die Belieferung von Lebensmittelläden mit Wurstwaren aber nicht mehr rentabel gewesen, weiß Joachim Schmittgen.

Sein Bruder Peter sei 1976 in die Fußstapfen der Eltern getreten, so der Jurist. „Solange, bis er ab 1989 für die Firma Real den Aufbau der Frischfleischtheken in den neuen Ländern organisierte.“

Noch laufen Renovierungsarbeiten in der ehemaligen Fleischerei in Marten.
Noch laufen Renovierungsarbeiten in der ehemaligen Fleischerei in Marten. © Beate Dönnewald © Beate Dönnewald

1989 mietete die Fleischerei Ollenhoff, die ihren Hauptsitz in Huckarde hatte, das Ladenlokal zuzüglich der Nebenräume, insgesamt 120 Quadratmeter. 2004 folgte die bekannte Fleischerei Vollmer.

Aus Produktionsflächen wurde eine behindertengerechte Wohnung

„Während des Leerstandes ab 2016 war eine Zwischennutzung als Verkaufsstelle für Wurstwaren möglich, aber ohne wirtschaftliche Perspektive“, erklärt Joachim Schmittgen. Seit diesem Intermezzo blieben die Fleisch- und Wurst-Theken leer. Die Produktionsflächen der Martener Fleischerei wurden bereits in den 1990er-Jahren stillgelegt und 2015 in eine behindertengerechte Wohnung umgebaut.

Im Laufe des Monats März wird nun die Firma „Klima V-Max“ in das Ladenlokal einziehen. Inhaber Antonis Gjoka wird die gewerbliche Fläche für den Verkauf, die Montage sowie Pflege und Wartung von Klimaanlagen nutzen. Ein genauen Eröffnungstermin gibt es noch nicht. Den Standort Marten habe er zufällig gewählt,

Für ihn schließe sich nun ein Kreis, sagt Schmittgen. „Weil in Marten nur noch auf dem Wochenmarkt frisches Fleisch und frische Wurst angeboten wird – wie zu Zeiten unseres Großvaters.“

Über die Autorin
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1968 geboren und seit über 20 Jahren Redakteurin bei Lensing Media. Zuständig für den Dortmunder Westen mit seinen Stadtbezirken Lütgendortmund, Mengede und Huckarde sowie für die Stadt Castrop-Rauxel.
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Beate Dönnewald

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