Auf dem Dortmund-Ems-Kanal schwimmen Eisschollen. © Holger Bergmann
Gefrorene Gewässer

Eisflächen nicht betreten: Menschen im Westen bringen sich in Gefahr

Die Kälte hat vergessen geglaubte Folgen: die Gewässer frieren zu. Was viele aber auch vergessen haben: Diese Eisflächen sind nicht sicher. Das zeigen verräterische Spuren im Schnee.

Nein, der plötzliche Wintereinbruch bedeutet nicht nur Schneeräumen, Rutschgefahr und durchdrehende Reifen. Nach gefühlt mehreren Jahren ohne echtes Wintererlebnis entdecken viele Menschen Winterfreuden wie Schlittenfahren, Schneemannbauen und den Winterspaziergang neu.

Dann ist da noch das Eislaufen. Die Eislaufhallen sind coronabedingt geschlossen. Da könnte manchem die Idee kommen, in der Natur nach einer Eisfläche zu suchen.

Warnung der Stadt Dortmund

Das wäre aber gegen den ausdrücklichen Rat der Stadt Dortmund. Die veröffentlichte am Donnerstag (12.2.) eine Warnung, die Eisflächen auf zugefrorenen Gewässern nicht zu betreten. Es besteht Lebensgefahr.

„Eine Rettung aus eigener Kraft nach dem Einbrechen ist kaum möglich“, sagt Stadtsprecher Maximilian Löchter. Im Wasser verliere der Körper durch das kalte Wasser schnell an Kraft, sodass die eingebrochene Person nach kurzer Zeit untergehen kann.

Der See im Naturschutzgebiet Mastbruch zeigt deutliche Spuren unvorsichtiger Esläufer.
Der See im Naturschutzgebiet Mastbruch zeigt deutliche Spuren unvorsichtiger Esläufer. © Holger Bergmann © Holger Bergmann

Warme Kleidung, die sich vollsaugt, trage mit dazu bei. Die Gefahr ist groß, dass der Körper sogar unter die Eisfläche gerät.

Diese Gefahr ignorieren aber viele. Das zeigen Spuren auf dem Wischlinger See und auf dem See im Naturschutzgebiet Mastbruch in Westerfilde. Beide Gewässer sind zugefroren, doch über dem Eis liegt eine leichte Schneeschicht.

Unvorsichtige Menschen

Und diese Schneeschicht erzählt von unvorsichtigen Zeitgenossen, die die Eisflächen gründlich erforscht haben. Im Revierpark Wischlingen kann man Fußabdrücke und die Spuren von Schlitten erkennen. Am Mastbruch-See kann man sogar die Kratzer erkennen, die Kufen hinterlassen. Dort war jemand Eislaufen.

Am Dortmund-Ems-Kanal in Deusen und Mengede stellt sich dieses Problem nicht. Mehrere Binnenschiffe haben das Eis aufgebrochen. Nun schwimmen nur noch Eisbrocken im Wasser.

Am See im Revierpark Wischlingen stehen eindeutige Schilder, die eindeutig missachtet wurden.
Am See im Revierpark Wischlingen stehen eindeutige Schilder, die eindeutig missachtet wurden. © Holger Bergmann © Holger Bergmann

Eine geschlossene Eisdecke gibt es dagegen im Dortmunder Hafen. „Die zehn Hafenbecken des Dortmunder Hafen sind fast vollständig von Eis bedeckt“, berichtet Hafensprecher Pascal Frai.

Am dicksten ist das Eis im Südhafen (4 bis 6 Zentimeter), Mathieshafen (4 bis 6 Zentimeter) und Kanalhafen (2 bis 6 Zentimeter). Auch hier gilt die ausdrückliche Warnung, dass die Eisfläche nicht betreten werden darf.

Der Dortmund-Ems-Kanal ist frei

Für die Berufsschifffahrt wiederum stellt die Situation kein Problem dar, so Pascal Frai. Dies sei erst ab 15 Zentimetern Eisdicke der Fall. Problematisch wird in solchen Fällen nur das Anlegen, da das Eis zwischen Anleger und Schiff gequetscht wird.

Wenn es zu Einschränkungen der Befahrbarkeit auf dem Dortmund-Ems-Kanal kommen sollte, gibt die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung eine entsprechende Warnung an Unternehmen und Binnenschiffe heraus.

Der Roßbach in Huckarde ist zugefroren, doch auch vor diese Eisdecke sollten sich Fußgänger hüten.
Der Roßbach in Huckarde ist zugefroren, doch auch vor diese Eisdecke sollten sich Fußgänger hüten. © Holger Bergmann © Holger Bergmann

Wird das Eis dicker als 15 Zentimeter, wird ein Eisbrecher eingesetzt. Der würde dann aus Duisburg-Meiderich andampfen. Von einer Eissperre war der Dortmunder Hafen zuletzt vom 11. bis 16. Februar 2012 betroffen.

Gefahr geht auch von fließenden Gewässern aus. Im Dortmunder Westen war die Emscher zwar eisfrei, der Roßbach aber hatte eine geschlossene Eisdecke. Diese Eisdecke kann tückisch sein, so Löchter, weil der Bach darunter weiter fließt und einen Menschen mit sich ziehen kann.

Auch am Roßbach in Huckarde gab es Spuren von Fußgängern am renaturierten Bachufer, die die Gefahr nicht ernst genommen haben. Maximilian Löchter mahnt: „Wenn das Eis knistert und knackt, Risse aufweist oder schwallweise Wasser auf die Oberfläche tritt: nicht betreten.“

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Holger Bergmann ist seit 1994 als freier Mitarbeiter für die Ruhr Nachrichten im Dortmunder Westen unterweg und wird immer wieder aufs neue davon überrascht, wieviele spannende Geschichten direkt in der Nachbarschaft schlummern.
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