Die Siegburgstraße in Dortmund-Mengede am Samstagvormittag (6.3.): Wenig Passanten sind unterwegs. Birgit Schatchtsieck hat im Fenster ihrer Boutique La Via einen Aushang gemacht. Kundinnen können per Smartphone einen Artikel bestellen und dann später abholen. Nebenan hat das Schuhhaus Ingenpass einen Eingang geöffnet. Kunden holen bestellte Ware ab. © Uwe von Schirp
Lockdown-Lockerung

Einkaufen mit Termin ab Montag: „Woher soll ich eine Aushilfe kriegen?“

Einkaufen mit Termin heißt neudeutsch jetzt „Click-and-meet“: Diese Verkaufsform kann der Einzelhandel ab Montag (8.3.) anbieten. Wie kommt das bei Händlern im Dortmunder Westen an?

Das Einkaufsmodell „Click-and-Collect“ gibt es im Corona-Lockdown seit Mitte Dezember. Kundinnen und Kunden können ihre Ware im Internet aussuchen, bestellen und dann abholen. Der stationäre Handel kommt so zu Umsätzen, obwohl er seine Ladentüren nicht öffnen darf.

Ab Montag (8.3.) kommt eine weitere Variante hinzu: „Click-and-meet“. Kunden dürfen einzeln und in einem vorher vereinbarten Zeitfenster in ein Geschäft und sich vor Ort Waren aussuchen.

„Call-and-meet“ im Velodepot

Conny Neeb ist Inhaberin des Velodepots in Huckarde. „Bei uns wird es ein ‚Call-and-meet’ sein“, sagt sie. „Die Leute rufen an und vereinbaren einen Termin.“ Das allerdings bereitet ihr ein wenig Sorge. „Das Telefon klingelt jetzt schon manchmal 300 Mal am Tag.“ Der Grund: Die angeschlossene Werkstatt ist während des Lockdowns geöffnet und dort werden auch Ersatzteile verkauft.

Der Fahrradhandel erlebte bereits im Frühjahr 2020 einen Boom. Conny Neeb ist allein im Geschäft. „Woher soll ich jetzt zeitnah eine Aushilfe kriegen, die auch noch fahrradspezifische Fragen am Telefon beantworten kann?“ Dennoch: „Call-and-meet“ startet am Montag im Velodepot Huckarde. „Für uns als kleines Geschäft ist das händelbar“, sagt die Inhaberin – auch in Sachen Infektionsschutz.

Aussuchen im Laden – Anprobe zuhause

Damit hat auch Kerstin Kesper kein Problem. „Bislang waren ohnehin höchstens mal zwei Bräute gleichzeitig im Laden“, sagt die Inhaberin von „Marie Beau“ Brautmoden in Marten. Und Terminvereinbarungen habe es bislang schon gegeben.

Ein neuer Verkaufsweg für ihre Brautmoden lässt Kerstin Kesper optimistisch in die Zukunft blicken.
Ein neuer Verkaufsweg für ihre Brautmoden lässt Kerstin Kesper trotz Lockdowns optimistisch in die Zukunft blicken. © Manfred Kesper © Manfred Kesper

Künftig wird es dann nur noch eine Braut sein. Für weitere Entlastung in den eher kleinen Geschäftsräumen sorgt ein besonderer Service. Die Kundinnen suchen sich fünf bis sechs Kleider aus und kennzeichnen sie mit einem farbigen Ring am Bügel. Kerstin Kesper besucht die Bräute dann zu Hause zur Anprobe. „Das ist total entspannt“, sagt die 55-Jährige.

Zu tun hat die gelernte Schneiderin ohnehin genug. Für andere Brautmoden-Studios übernimmt sie die notwendigen Änderungen an den Brautroben, damit am „schönsten Tag des Lebens“ alles sitzt.

Mit allzu großem Andrang rechnet Kerstin Kesper in den nächsten Tagen nicht. „Viele haben noch gar keinen Bock zu heiraten.“ Zu streng sind die Corona-Einschränkungen. Aber: „Die Leute müssen wieder in die Pötte kommen“, sagt die Geschäftsfrau.

„Click-and-collect“ – Versand oder Lieferung möglich

Birgit Schachtsieck hat lange Zeit gänzlich auf neue Verkaufsmodelle verzichtet. Erst seit ein paar Wochen setzt die Inhaberin der Mengeder Boutique „La Via“ auf „Click-and-Collect“.

Birgit Schachtsieck ist seit 12 Jahren mit ihrem Modegeschäft
Birgit Schachtsieck ist seit 12 Jahren mit ihrem Modegeschäft „La via“ in Mengede. Seitdem hat sie viele Stammkunden, trotz Corona nun auch noch welche dazu gewonnen. © Birgit Schachtsieck © Birgit Schachtsieck

Auf der Facebook-Seite ihres Geschäfts präsentiert sie ihre aktuellen Angebote. Die Kundinnen bestellen und holen die Ware montags oder freitags ab. Auf Wunsch verschickt Birgit Schachtsieck die Bestellung – oder bringt sie den Kundinnen vorbei.

„Das läuft wirklich gut“, erzählt sie. „Ich habe immer Anfragen.“ Den neuen Vertriebsweg will sie womöglich auch nach Ende der Corona-Einschränkungen beibehalten. Sie betont aber: „Ich möchte wieder vor Ort beraten und nicht allein Online-Händlerin sein.“

Einen ersten Schritt in diese Richtung bietet durchaus „Click-and-meet“. Birgit Schachtsieck ist trotzdem skeptisch. Einkaufen in einem festen Zeitfenster? „Das ist beim Arzt oder Frisör okay, aber beim Shoppen?“, fragt sie kritisch. „Ich kann das noch nicht beurteilen.“

Birgit Schachtsieck versucht es trotzdem: „Ich biete am Donnerstag drei Termine zwischen 11 und 11.45 Uhr an. Dann lüfte ich eine Viertelstunde.“ Um 12 Uhr folgen dann weitere drei Zeitfenster. „Und so weiter“, sagt Birgit Schatchtsieck. Sie ist neugierig: „Mal gucken, ob sich das rentiert.“

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Geboren 1964. Dortmunder. Interessiert an Politik, Sport, Kultur, Lokalgeschichte. Nach Wanderjahren verwurzelt im Nordwesten. Schätzt die Menschen, ihre Geschichten und ihre klare Sprache.
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Uwe von Schirp

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