Auf dem linken Arm das Baby, die rechte Hand greift nach einem Sack: Viele Menschen engagieren sich aktuell für die Opfer der Flutkatastrophe, auch eine junge Mutter aus Dortmund. © Sarah Booß
Flutkatastrophe

„Einfach machen“: Dortmunder Familie im Krisengebiet Hohenlimburg

Die Flutkatastrophe hat vielerorts nicht nur Entsetzen, sondern auch eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. Eine Dortmunder Familie war am Wochenende sogar mit „Baby im Arm“ im Einsatz.

Sarah und Axel Booß aus Dortmund gehören zu den Menschen, die auf Worte Taten folgen lassen. Nachdem sie die verheerenden Bilder aus den Krisengebieten der Flutkatastrophe gesehen haben, sind die jungen Eltern aus Lütgendortmund schnell aktiv geworden. Bereits am vergangenen Wochenende haben sie massenweise Spenden nach Hohenlimburg gefahren.

Den Stein ins Rollen gebracht hat die 30-jährige Sarah Booß mit einer WhatsApp-Nachricht. „Ich habe einen Zeitungsartikel über Altena mit einem Spendenaufruf gepostet“, erzählt sie. Was dann passierte, habe alle ihre Erwartungen gesprengt. Nicht nur viele ihrer Nachbarn in der Idastraße, allen voran Linda Arend, auch die Alten Herren der SG Lütgendortmund hätten ihre Idee sofort unterstützt. „Die Fußballer haben die Aktion über Facebook noch zusätzlich angekurbelt“, berichtet Sarah Booß.

Eine Nachricht über WhatsApp hat in Lütgendortmund eine riesige Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst.
Eine Nachricht über WhatsApp hat in Lütgendortmund eine riesige Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. © Sarah Booß © Sarah Booß

Zwei vollgeladene Transporter

Am Ende starteten das Paar und ein Freund mit zwei Transportern, die randvoll mit Kleidung, Schuhen, Spielzeug, Babynahrung und Drogerieartikeln gefüllt waren, Richtung Hohenlimburg. „Nach Altena darf ja aktuell niemand“, so Sarah Booß. Zu dieser Stadt habe sie eine enge Beziehung. „Ich bin in Lüdenscheid aufgewachsen, Altena liegt direkt nebenan.“ Alle „Dörfer“ zusammen seien ihre Heimat.

Die Not und das Leid der Menschen in Hohenlimburg hautnah zu erleben, sei sehr bedrückend gewesen, schildert Sarah Booß. Gerade mal 40 Autominuten von zu Hause entfernt habe sie in viele traurige, entsetzte und verzweifelte Gesichter geblickt: „,Überall Trümmer und Schlammberge. Die Menschen stehen auf den Straßen und haben nichts mehr.“

Der Anblick von zerstörten Spielsachen und Kindermöbeln habe sie besonders hart getroffen. „Unsere drei Kinder haben alles, während diese alles verloren haben. Es ist unvorstellbar, wie vielen Menschen es gerade schlecht geht.“

Sperrmüll am Straßenrand: Dieser Anblick sei nach hormlos, sagt Sarah Booß. Mit Rücksicht auf die notleidenden Menschen hat sie nur wenige Fotos gemacht.
Sperrmüll am Straßenrand: Dieser Anblick sei noch harmlos, sagt Sarah Booß. Mit Rücksicht auf die notleidendenden Menschen hat sie nur wenige Fotos gemacht. © Sarah Booß © Sarah Booß

Jede Hilfe zählt

Im ersten Lager, das die Lütgendortmunder angefahren haben, sei kein Platz mehr für ihre Spenden gewesen. „Ein Fliesenleger aus dem Ort hat dann seine Halle geöffnet“, so die Lütgendortmunderin. Mit ihm und einigen Helfern sei man beim Ausladen ins Gespräch gekommen. „Alle sind so dankbar für die große Unterstützung. Jede Hilfe zählt.“ Generell mache hier aber niemand große Worte: „Hier wird einfach angepackt“, sagt Sarah Booß beeindruckt.

Eine große Herausforderung sei es für die Helfer vor Ort allerdings nun, die zahlreichen Spenden zu sortieren und zu verteilen. „Viele haben auch Möbel gespendet, doch bis die aufgestellt werden können, wird es wohl noch zwei bis drei Monate dauern, meinte ein Feuerwehrmann“, erzählt die dreifache Mutter.

Ein Fliesenleger in Hohenlimburg hat seine Halle für die vielen Spenden geöffnet. Das erste Lager in der Innenstadt ist bereits voll.
Ein Fliesenleger in Hohenlimburg hat seine Halle für die vielen Spenden geöffnet. Das erste Lager in der Innenstadt ist bereits voll. © Sarah Booß © Sarah Booß

„Einfach eine Schaufel nehmen und loslegen“

Sie würde gerne noch viel mehr helfen, sagt Sarah Booß. „Einfach eine Schaufel nehmen und loslegen.“ Weil ihre drei Kinder aber noch sehr klein seien, fehlten ihr dazu aktuell die Möglichkeiten. Ihre jüngste Tochter Lotta (neun Monate alt) hatte sie am vergangenen Sonntag sogar mit nach Hohenlimburg mitgenommen. „Mit einem Arm habe ich sie getragen, mit dem anderen ausgeladen“, erzählt die 30-jährige Wahl-Dortmunderin.

Sie werde die Lage in den Krisengebieten auf jeden Fall weiterverfolgen – und bei Bedarf eine weitere Spendenaktion organisieren. „Man sollte einfach machen und nicht lange darüber nachdenken“, lautet ihr Appell.

Über die Autorin
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1968 geboren und seit über 20 Jahren Redakteurin bei Lensing Media. Zuständig für den Dortmunder Westen mit seinen Stadtbezirken Lütgendortmund, Mengede und Huckarde sowie für die Stadt Castrop-Rauxel.
Zur Autorenseite
Beate Dönnewald

Der neue Lokalsport-Newsletter für Dorsten

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Dorstener Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.