Caro Groborz (r.) und Mel Draeger warten sehnsüchtig darauf, dass sie ihre vegane Make-up-Schule wieder öffnen dürfen. Das Foto entstand vor dem Lockdown. © Beate Dönnewald (Archiv)
Coronavirus

Eigene Make-up-Schule dicht: Unternehmerin putzt bald im Altenheim

Wegen des Lockdowns musste eine neue Make-up-Schule in Dortmund nach nur drei Wochen wieder schließen. Um Hartz IV zu entkommen, hält sich eine der Make-up-Artists nun mit Putz-Jobs über Wasser.

Der Anfang war mehr als vielversprechend: Kaum hatten Caro Groborz und Mel Draeger Mitte Oktober 2020 die erste vegane Make-up-Schule Deutschlands in Dortmund-Dorstfeld eröffnet, konnten sie sich auch schon über die ersten Anmeldungen freuen – sowohl für die Vollzeit-Kurse als auch die Workshops.

Doch nach nur drei Wochen verließ sie das Glück. Denn wegen des Corona-Lockdowns mussten die beiden Freundinnen ihre neue Schule wieder schließen und sämtliche Kurse absagen. „Eine glatte Katastrophe“, sagt Make-up-Artist und Hair-Stylistin Caro Groborz. Denn auch als Freiberuflerin könne sie schon lange nicht mehr arbeiten. „Ich habe seit November keine Aufträge und damit auch keine Einnahmen mehr.“

Stadt lehnt Antrag auf Wiedereröffnung ab

Zunächst hatten Caro Groborz und Mel Draeger versucht, mithilfe eines ihrer Meinung nach überzeugenden Hygienekonzepts ihre veganen Make-up-Schule an der Wittener Straße während des Lockdowns wieder öffnen zu dürfen. „Zumal es in Make-up-Schulen in Nachbarstädten noch Präsenzunterricht gab.“

Doch sowohl die Stadt als auch das NRW-Gesundheitsministerium lehnten ihren Antrag auf Wiedereröffnung mit Verweis auf die Coronaschutzverordnung ab. Im Schreiben der Stadt Dortmund heißt es unter anderem, „dass Dienstleistungen, bei denen ein Mindestabstand von 1,5 Metern zum Kunden nicht eingehalten werden kann, insbesondere Gesichtsbehandlungen und Kosmetik, untersagt sind.“

38-Jährige lebt ausschließlich von Ersparnissen

„Dabei bieten wir ja gar keine Dienstleistung an, sondern eine Ausbildung“, sagt Caro Groborz. Doch auch mit diesem Argument hätten sie die Stadt letztlich nicht überzeugen können. „Stattdessen hat man uns darauf hingewiesen, dass im Falle eines Verstoßes ein empfindliches Bußgeld droht.“

Das ehemalige Schlafzimmer im Wohnhaus von Mel Draeger wurde zur Make-up-Schule mit sechs Schminkplätzen umgebaut.
Das ehemalige Schlafzimmer im Wohnhaus von Mel Draeger wurde zur Make-up-Schule mit sechs Schminkplätzen umgebaut. © Beate Dönnewald © Beate Dönnewald

Während Mel Draeger (44) zumindest noch in ihrem Zweitberuf als Intensivkrankenschwester arbeiten kann, muss Caro Groborz seit Wochen von ihren Ersparnissen leben. Denn als Leiter eines Fitnessstudios und als Tontechniker kann auch ihr Ehemann schon lange nicht mehr die Familienkasse auffüllen. „Tja, wir decken alle Branchen ab, die im Lockdown hinten rüber gefallen sind“, sagt die 38-Jährige.

„Lockdown bis Ostern“

Caro Groborz glaubt nicht an das Ende der Zwangspause Mitte Februar. „Ich gehe von Ostern aus. Und selbst wenn der Lockdown früher aufgehoben wird, werden wir nicht die ersten sein, die wieder arbeiten dürfen.“

Hartz IV sei für sie keine Option. Um nicht alle Ersparnisse aufzubrauchen, habe sie sich nun als Reinigungskraft beworben, erzählt die 38-Jährige, die sich unter anderem in Los Angeles ausbilden ließ. „Drei Zusagen habe ich, unter anderem in einem Altenheim und in einer Einrichtung für betreutes Wohnen.“ Im Februar soll es losgehen.

Sie empfinde es als sehr bitter und deprimierend, dass man die Liebe zum Beruf über einen so langen Zeitraum unterdrücken müsse, sagt Caro Groborz. „Und das man gezwungen ist, Dinge zu machen, die man eigentlich gar nicht machen will.“

Erste Workshops im März

Mutlos blicken die beiden Jung-Unternehmerinnen aber nicht in die Zukunft, im Gegenteil: Ganz optimistisch planen Caro Groborz und Mel Draeger die ersten Workshops sogar schon für März und den nächsten Vollzeit-Kurs für angehende vegane Make-up-Artists im Juni. Ihr Glück im Unglück: Die Make-up-Schule befindet sich in Mel Draegers Eigenheim. Miet- und Betriebskosten fallen also keine an.

Kurs-Anmeldungen sind über die Homepage der Dorstfelder Make-up-Schule möglich. Die Internetadresse lautet: www.vms-dortmund.de

Über die Autorin
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1968 geboren und seit über 20 Jahren Redakteurin bei Lensing Media. Zuständig für den Dortmunder Westen mit seinen Stadtbezirken Lütgendortmund, Mengede und Huckarde sowie für die Stadt Castrop-Rauxel.
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Beate Dönnewald

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