Ende Juli ist Schluss: Die Stadt will ihre Immobilie an der Fine Frau 60 nicht mehr umbauen. © Gregor Beushausen
Kinderbetreuung

Dortmunder Tagespflege schließt: Tagesmütter und Kinder suchen neue Bleibe

Das „Hallo“ war groß, als Politiker die Kinder in der Großtagespflege „Die Strolche“ im Juni 2020 mit einem „Schnullerbaum“ beglückten. Der Spaß ist vorbei: Die Tagespflege wird geschlossen.

Es gibt Schreiben, die bei Friedrich Fuß, Bezirksbürgermeister in der Innenstadt-West, mehr Freude auslösen als jener Brief, den ihm Daniela Schneckenburger zukommen ließ. Darin kündigt die Kinder- und Jugenddezernentin den Entschluss des Trägers Fabido an, die Großtagespflege „Die Strolche“ zum 31.7.2021 zu schließen.

Untergebracht in einer ehemaligen Hausmeisterwohnung, werden in dem Flachbau an der Straße Fine Frau 60 insgesamt neun Kinder unter drei Jahren von zwei Tagesmüttern betreut. Aktuell sind es aufgrund der Corona-Situation fünf Kinder. Die Eltern und die Tagesmütter sind über die Absicht der Stadt inzwischen im Bilde.

Als Grund führt Fabido-Geschäftsführer Daniel Kunstleben den Gebäudezustand ins Feld. Die Immobilie verfüge im Falle eines Weiterbetriebs über einen „Instandsetzungsbedarf im fünstelligen Bereich“, wie Kunstleben auf Anfrage erklärt. „Es gibt Feuchtigkeitsschäden im Keller.“ Hinzu komme, dass die Auflagen für den Betrieb einer Großtagespflege verschärft worden seien.

Der Knackpunkt mit der Küche

Dabei gehe es vor allem um neue Hygieneregeln für die Küche. Die seien dort aktuell nicht umsetzbar. „Die Stadt müsste zusätzlich für den Ausbau der Küche investieren“, so Kunstleben. Das sei unter wirtschaftlichen und zeitlichen Aspekten aber nicht zu realisieren. Von daher sei beschlossen worden, die Einrichtung zu schließen. Ob im unmittelbaren Umkreis ein neues Angebot eröffnet wird, ist offen. Die Bedarfsermittlung ist Sache des Jugendamtes.

Tagesmutter Becky Sieper hat sich mit dem Aus im Sommer schweren Herzens abgefunden. „Ich möchte auf jeden Fall weiterarbeiten“, sagt sie. Nur wie? Und wo? „Eine Wohnung für die Tagesbetreuung von Kindern anzumieten, ist ziemlich schwierig“, findet Sieper, die mit Fabido einen Kooperationsvertrag geschlossen hat. „Bei mir zu Hause geht das gar nicht.“

Kinder sollen neue Plätze erhalten

Kunstleben gibt erstmal Entwarnung. „Wir werden der Tagesmutter ein neues Angebot machen“, kündigt der Fabido-Chef an. Das könne in einer Kita sein oder in einer anderen Großtagespflege. Stadtweit hält Fabido ein Netzwerk von 1100 solcher Betreuungsplätze – eine zusätzliche Großtagespflege mit weiteren neun Plätzen soll im Laufe des Jahres an der Josefstraße 25 bis 27 nahe dem St. Johannes-Hospital eingerichtet werden.

Darüber hinaus verspricht Kunstleben, was auch Dezernentin Schneckenburger in ihrem Schreiben an den Bezirksbürgermeister ankündigt: Die Eltern, teilweise Alleinerziehende, teilweise Familien, sollen für ihre Kinder mit alternativen und ortsnahen Betreuungsplätzen versorgt werden. „Wir werden uns das individuell für jedes Kind anschauen“, sagt Kunstleben.

Bezirksvertreter gaben noch Geld

Dass „Die Strolche“ ihre Unterkunft verlassen müssen, dürften Mitte 2020 nur die Wenigsten geahnt haben. Dabei herrschte noch im Juli eitel Sonnenschein, als sich einige der Kinder mit einem eigens aufgestellten „Schnullerbaum“ mit einem schönen Ritual im Beisein von Politik und Verwaltung von ihrer Schnullerzeit verabschiedeten.

Und Bezirksbürgermeister Fuß erinnert sich, dass die Bezirksvertretung im April 2020 knapp 4000 Euro für den Kauf von vier speziellen Kinderbetten für „Die Strolche“ locker gemacht hatte. „Von einer Schließung war damals noch keine Rede“, sagt Fuß. Doch auch da kann Schneckenburger beruhigen: Die Kinderbetten, schreibt sie, sollen in anderen Betreuungsangeboten genutzt werden – und das ausschließlich in der westlichen Innenstadt.

Wie es nach dem Auszug mit dem Gebäude an der Fine Frau weitergeht, ist unklar. Die Immobilie gehört der Stadt. Denkbar wären ein Abriss und ein möglicher Neubau für eine Kita, heißt es in der Verwaltung. Ausgang offen.

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Jahrgang 1961, Dortmunder. Nach dem Jura-Studium an der Bochumer Ruhr-Uni fliegender Wechsel in den Journalismus. Berichtet seit mehr als 20 Jahren über das Geschehen in Dortmunds Politik, Verwaltung und Kommunalwirtschaft.
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