Auf der Sportanlage am Bärenbruch in Kirchlinde kam es zuletzt immer wieder zu Zwischenfällen. © Nora Varga
Sportanlage

Dortmunder Park außer Kontrolle? Polizei und Ordnungsamt erklären sich

In einem Dortmunder Park kommt es offenbar zu Randale, Gewalt und vielfachen Corona-Regelverstößen. Vereine fühlen sich allein gelassen. Nun erklären sich die Polizei und das Ordnungsamt.

Das Geschehen in einer Sport- und Parkanlage in Kirchlinde sorgt seit ein paar Wochen für Aufregung und Ärger. Jugendliche, vor allem junge Erwachsene, so wird es uns mehrfach berichtet, randalieren am Bärenbruch, verschaffen sich illegal Zugang zum Sportplatz und scheren sich nicht um Corona-Regeln. Längst fühlen sich die dort angesiedelten Vereine allein gelassen. Wie soll es weitergehen?

Das hat unserer Redaktion Polizei und Ordnungsamt gefragt. Beide erhielten am Montag (26.4.) Fragen von uns. Jetzt liegen Antworten vor.

„Insbesondere in den letzten sechs Wochen hat die Dortmunder Polizei festgestellt“, so heißt es in der Stellungnahme der Polizei, dass die Sport- und Parkanlage am Bärenbruch in Kirchlinde „durch erlebnisorientierte Jugendliche und Heranwachsende frequentiert wird“. Ob es sich um „teilweise erlaubte Trainingsaktivitäten“ handele „oder die Platzanlage verbotswidrig betreten wird, kann nicht abschließend beantwortet werden“, wird uns mitgeteilt.

Dr. Jan Wiethoff, Vereinsvorsitzender von Westfalia Kirchlinde und einer der Beschwerdeführer stellt auf Nachfrage klar: „Die Tatbestandsmäßigkeit der beanstandeten Hausfriedensbrüche steht außer Frage. Die Sportanlage ist vollständig durch einen Zaun eingefriedet, das Tor am Eingang ist verschlossen und mit einem Schild versehen, das die Sperrung des Platzes ausweist.“

Zudem meint er: „Letztlich ist auch die Bezeichnung ‚erlebnisorientierte Jugendliche und Heranwachsende‘ völlig ungeeignet, um den teilweise gewaltbereiten Mob zu beschreiben.“ Am Freitag (23.4.), so erzählt Wiethoff, sei er selbst im Park angegriffen worden. Der Vorsitzende des Kirchlinder Vereins wünscht sich deutlich mehr Präsenz von Polizei und Ordnungsamt – und steht damit nicht alleine da.

Markus Engelbrecht, Kassierer des VfR Kirchlinde, bekräftigt: „Es wird regelrecht randaliert. Keiner greift wirklich ein. Egal ob Polizei oder Ordnungsamt – wenn man mehrere Male darauf hinweist und nichts passiert, dann ist das schon enttäuschend.“

Die Polizei will ihr Engagement intensivieren

Die Polizei selbst gibt auf Nachfrage an, „bis zum heutigen Tage (Stand 28.4., d. Red.) 16 Überprüfungen und gezielte Einsätze“ vor Ort durchgeführt zu haben. Zuletzt sei sie am 27. April am Bärenbruch gewesen, vollzog laut eigener Angabe 35 Personenkontrollen und stellte neun Corona-Ordnungswidrigkeitsanzeigen. „Dazu kommen arbeitstägliche Kontrollfahrten im Rahmen der Streife.“

Aber klar, so stellt die Polizei Dortmund an anderer Stelle fest: „Eine durchgängige Objektkontrolle kann nicht gewährleistet werden.“ Jederzeit sei sie „in der Lage einzuschreiten und tut dies auch“. Es sei aber zu berücksichtigen, „dass die Infrastruktur der Örtlichkeit“ es möglich mache, „dass potentielle Störer beim Erblicken uniformierter Polizisten flüchten“.

Auf dem Sportplatz in Bärenbruch werde offen
Auf dem Sportplatz in Bärenbruch werde offen “randaliert” und zerstört, beschweren sich die Vereine. © Privat © Privat

Damit konfrontiert, betont der Vereinsvorsitzende Jan Wiethoff: „Bei Tätern, die noch in Sichtweite sind und nur auf die Begehung weiterer Straftaten warten, muss der Versuch einer Festnahme gemacht werden.“ Laut ihm wiegelten Polizisten am Freitag (23.4.) bei einem Einsatz ab mit der Begründung, dass eine Verfolgung mit ihrer Schutzkleidung nicht möglich sei. Wiethoff kann das nicht nachvollziehen.

Gefragt nach diesem Tag, an dem 58 Personen auf dem eingezäunten Kirchlinder Bolzplatz gespielt haben sollen, schreibt die Polizei: „Zukünftig“ würden „durch den hiesigen Bezirksdienst und durch den Wach- und Wechseldienst in einsatzfreien Zeiten Kontrollen an der besagten Örtlichkeit durchgeführt“. Heißt: Die Polizei-Präsenz soll erhöht werden.

Das Ordnungsamt äußert sich defensiver. In der Antwort an diese Redaktion heißt es von der Stadt, man werde „unabhängig von konkret eingehenden Hinweisen und Beschwerden“ auch „anlasslose Kontrollen in dem Bereich durchführen“. Die Sport- sowie die Parkanlage am Bärenbruch seien „nicht erst“ seit Beginn der Pandemie „Örtlichkeiten, die Anlass für Beschwerden geben“. Von einem verstärkten Einsatz im Bärenbruch ist aber nicht die Rede.

Dabei weist Wiethoff vehement daraufhin, dass zum einen „vielfach“ Corona-Regeln missachtet würden. Und es darüber hinaus „durchaus gefährlich“ sei, also dringender Handlungsbedarf für die Polizei und das Ordnungsamt bestehe.

Erstes Gespräch zwischen Verein und Polizei hat stattgefunden

Im ersten Gespräch mit unserer Redaktion berichtete Wiethoff von einer Frau, die von zwei Betrunkenen attackiert worden sei. Zum anderen schilderte er einen Angriff auf ihn persönlich. Vor Ort sei „eine aufgebrachte, gefährliche und gewaltbereite Meute“ gewesen. Darauf seien das Ordnungsamt und die Polizei „schon häufig“ hingewiesen worden – „ohne wirklich greifbaren Erfolg“. „Dabei sind wir von der Stadt und vom Verband angehalten, Verstöße zu melden und den Platz notfalls zu räumen“, sagt Wiethoff.

Immerhin, erzählt er nun, habe ein erstes, produktives Gespräch mit der Polizei stattgefunden. „Weitere werden folgen. Es wird von hieraus sehr positiv bewertet, dass sich jetzt etwas tut und eine in die Zukunft gerichtete Kommunikation stattfindet. Nur darum ging es uns“, sagt Wiethoff. Aufregung und Ärger sollen aus seiner Sicht endlich ein Ende nehmen.

Über den Autor
Volontär
Schreibt seit 2015. Arbeitet seit 2018 für die Ruhr Nachrichten und ist da vor allem in der Sportredaktion und rund um den BVB unterwegs.
Zur Autorenseite
Avatar

Dorsten am Abend

Täglich um 19:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.