In wenigen Monaten will Karl-Heinz Taubenberger seinen Platz am Werktisch räumen - ein Schritt, der dem leidenschaftlichen Goldschmied schwer fällt. © Beate Dönnewald
Abschiedswochen

Dortmunder Goldschmied läutet seinen Ruhestand mit Rabatt-Wochen ein

Der Abschied fällt dem Dortmunder Goldschmied Karl-Heinz Taubenberger und seiner Frau Annegret nicht leicht. Bevor ihr Ruhestand beginnt, wollen sie ihre Kunden mit Abschieds-Rabatten erfreuen.

Für den Dortmunder Goldschmied Karl-Heinz Taubenberger steht außer Frage: Vor über 50 Jahren hat er seinen Traumberuf gelernt. „Schmuck selbstständig herstellen und Edelsteine einsetzen, das ist mein Leben.“ Deshalb fällt es dem heute 67-Jährigen auch sichtlich schwer, den Platz an seinem Werktisch zu räumen.

Dennoch sind er und seine Ehefrau Annegret (63) fest entschlossen, sich in wenigen Monaten in den Ruhestand zu verabschieden. „Unser Alter ist der eine Grund, der andere ist Corona. Noch einen Lockdown würden wir finanziell nicht verkraften“, sagen sie.

Ende Januar 2022 wollen sie ihr Goldschmiede-Atelier an der Rahmer Straße 9 in Dortmund-Huckarde schließen und danach die freie Zeit für die große Familie und fürs Reisen nutzen. „Der Abschied von unseren Kunden fällt uns nicht leicht“, betont das Ehepaar, das vor rund 40 Jahren gemeinsam den Sprung in die Selbstständigkeit wagte. Während Karl-Heinz Taubenberger in seiner Werkstatt arbeitet, steht Ehefrau Annegret hinter der Ladentheke.

„Wir wollen uns stilvoll verabschieden“

Einfach so gehen, das kommt für das Ehepaar nicht in Frage. „Wir wollen uns stilvoll verabschieden“, sagt Annegret Taubenberger. Plakate mit der Aufschrift „Abschiedswochen“ hat sie schon in Auftrag gegeben. „Ab sofort gibt es bei uns Abschiedsrabatte.“

Edelsteine einsetzen und Schmuck selbstständig herstellen, beides sind die großen Leidenschaften von Karl-Heinz Taubenberger.
Edelsteine einsetzen und Schmuck selbstständig herstellen, beides sind die großen Leidenschaften von Karl-Heinz Taubenberger. © Beate Dönnewald © Beate Dönnewald

Die Sonderpreise gelten für Uhren und Schmuck, etwa der Marken S. Oliver, Festina und Lotus. Schmuckstücke, die Karl-Heinz Taubenberger selber gefertigt hat, sind davon ausgeschlossen.

Zwei davon tragen die Taubenbergers an ihren Fingern – ihre Eheringe. „Ohne Schmuck fühle ich mich nackt“, sagt der Goldschmied. Selbst beim Sport trage er seine Ringe und Goldkette. „Ohne gehe ich nicht aus dem Haus.“

Annegret Taubenberger kümmert sich um den Verkauf. Nebenan arbeitet ihr Mann in der Werkstatt.
Annegret Taubenberger kümmert sich um den Verkauf. Nebenan arbeitet ihr Mann in der Werkstatt. © Beate Dönnewald © Beate Dönnewald

Unzählige Schmuckstücke hat der 67-Jährige im Laufe seines Lebens gefertigt, darunter viele Sonderwünsche. „Ich habe nie gesagt, das kann ich nicht“, betont er. Selbst ein „Totenkopf“-Ring habe ihn nicht abgeschreckt. „Es ist einfach toll zu sehen, wie ein Schmuckstück wächst.“

„Die Leute kaufen lieber preiswert im Internet“

Leider sei die Nachfrage nach maßgefertigtem Schmuck zurückgegangen. „Die Leute kaufen lieber preiswert im Internet“, bedauert Taubenberger. Gold schmelzen, biegen, löten, feilen, sägen, polieren – das alles gehört nicht mehr zu seinen Hauptaufgaben. Stattdessen stapeln sich in seiner urigen Werkstatt Aufträge für Reparaturen und Batterie-Wechsel.

Natürlich hat Karl-Heinz Taubenberger seinen Ehering und den seiner Frau selber gefertigt.
Natürlich hat Karl-Heinz Taubenberger seinen Ehering und den seiner Frau selber gefertigt. © Beate Dönnewald © Beate Dönnewald

Spaß hat Taubenberger auch daran, Workshops zu geben. Etliche Paare hätten ihre Eheringe bei ihm geschmiedet. Kürzlich erst habe ein Arzt seine Frau und Schwiegermutter für ein Seminar angemeldet. „Mal schauen, was wir machen.“ Keine Frage, egal, was die beiden Damen wünschen, der Huckarder Goldschmied wird es möglich machen.

Die Werkstatt von Karl-Heinz Taubenberger ist urig und hat viele Vintage-Momente.
Die Werkstatt von Karl-Heinz Taubenberger ist urig und hat viele Vintage-Momente. © Beate Dönnewald © Beate Dönnewald
Über die Autorin
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1968 geboren und seit über 20 Jahren Redakteurin bei Lensing Media. Zuständig für den Dortmunder Westen mit seinen Stadtbezirken Lütgendortmund, Mengede und Huckarde sowie für die Stadt Castrop-Rauxel.
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Beate Dönnewald

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