Uwe Paulukat vor seiner Garage, in der sein E-Auto parkt. © Paulukat
Elektromobilität

Dortmunder braucht Strom für E-Auto in der Garage – aber die Stadt lehnt ab

Wer ein E-Auto fährt, muss es aufladen. Da wäre es praktisch, eine eigene Ladestation in der Garage zu haben. Dass die Sache nicht so einfach ist, muss ein Dortmunder nun feststellen.

Elektroautos sind im Alltag angekommen. Während ihre Reichweite und Verfügbarkeit zunimmt, wird auch die Infrastruktur der Ladesäulen weiter ausgebaut. Doch immer noch liegt so mancher Stein der E-Mobilität im Weg.

Diese Erfahrung hat auch Uwe Paulukat machen müssen. Der Kleyer fährt seit einigen Monaten ein Hybrid-Auto, also einen Wagen, der elektrisch betrieben wird, aber zugleich mit Benzin fahren kann. Uwe Paulukat wollte in seiner Garage eine Ladestation für sein Auto einrichten. Doch leichter gesagt als getan, denn seine Garage ist nicht mit dem Haus verbunden, sondern steht etwas abseits.

Um den Elektro-Anschluss für eine Ladestation in der Garage zu installieren, müsste ein entsprechendes Kabel rund zehn Meter von seinem Haus aus über öffentlichen Grund verlegt werden.

Zehn Meter als unüberwindbare Barriere

Und das wird nun offenbar zum unüberwindbaren Hindernis. „Ich habe mit einer Firma einen Plan ausgearbeitet. Ohne Genehmigung darf man nicht über öffentlichen Grund bauen. Also habe ich mehrere Mails an das Tiefbauamt geschrieben“, sagt Uwe Paulukat.

Die Situation am Wohnort von Uwe Paulukat. Die Linie zeigt den Verlauf einer möglichen Stromleitung. Der rote Bereich führt über öffentlichen Grund.
Die Situation am Wohnort von Uwe Paulukat. Die Linie zeigt den Verlauf einer möglichen Stromleitung. Der rote Bereich führt über öffentlichen Grund. © Wesolek © Wesolek

Nachdem lange Zeit keine Antwort kam, erreichte Uwe Paulukat eine knappe Absage. „Leider müssen wir Ihren Antrag ablehnen, da private Kabel/Leitungen in Öffentliche Flächen verlegt werden. Private Leitungen werden in keinem Leitungsplan erfasst. Dies könnte große Schwierigkeiten in der Unterhaltung und Neuverlegung von Kabeln/Leitungen zur Folge haben.“

Eine Antwort, die Uwe Paulukat überhaupt nicht zufrieden stellt. „Es wird in keinem Leitungsplan erfasst. Dann sollen sie das doch erfassen, das sollte doch in der heutigen Zeit kein Problem sein“, sagt Paulukat verärgert. „Die Stadt wirbt überall für E-Mobilität, und wenn man zu Hause so einen Anschluss haben will, wird gesagt, es geht nicht.“

Private Leitungen werden nicht dokumentiert

Auf Anfrage unserer Redaktion wird die Stadt konkreter: „Derzeit lehnen wir eine solche Verlegung ab, da solche Leitungen nicht in einem Leitungskataster dokumentiert werden können. Die Versorgungsunternehmen, welche üblicherweise ihre Leitungen in den Wegen und Straßen verlegen, führen eigene Bestandkataster und können bei möglichen anstehenden Baumaßnahmen umgehend Auskunft über die Lage ihrer Leitungen erteilen“, schreibt Stadt-Pressesprecher Christian Schön.

Grundsätzlich könne dies auch der privaten „Leitungsverleger“ erledigen beziehungsweise könne man die Digitalisierung und Kartierung der Leitung in Auftrag geben.

„Diese zahlreichen privaten Leitungen wären allerdings nicht zentral verwaltet. Wenn eine Straßenbaumaßnahme oder eine sonstige Tiefbaumaßnahme durchgeführt wird, muss gewährleistet sein, dass über alle Leitungen eine Auskunft eingeholt werden kann“, heißt es in der Stellungnahme der Stadt.

Kontakt zur Wirtschaftsförderung

Uwe Paulukat ist inzwischen mit Kurt Pommerenke von der Wirtschaftsförderung in Kontakt getreten, um sich Unterstützung zu suchen.

„Die Frage ist, wie wir dieses Projekt ohne großen Aufwand neu gedacht und umgesetzt werden kann. Das heißt, dass man gemeinsam nach Alternativen sucht und diese auch prüft“, sagt Pommerenke, der einen großen Zuwachs der E-Mobilität in Dortmund beobachtet.

„Dies ist sicherlich eine Sondersituation aufgrund der Örtlichkeit. Aber es gibt immer wieder Situationen, wo die offensichtliche Option nicht umgesetzt werden kann.“

Man stößt an Grenzen

Die Geschäftsstelle Elektromobilität der Stadt Dortmund unterstütze Vorhaben wie die von Uwe Paulukat. „Aber wir stoßen auch an unsere Grenzen, wenn zum Beispiel das Verteilnetz oder der bestehende Hausanschluss schon stark ausgelastet sind. Hier sind dann die Experten der Donetz gefragt“, sagt Pommerenke.

Dabei soll der Elektromobilität grundsätzlich der Weg geebnet werden. „Es wurden Gesetze und Verordnungen beschlossen, um den Aufbau von privater Ladeinfrastruktur zu unterstützen. So besagt die Stellplatzsatzung der Stadt Dortmund, dass bei Neubauten ab 10 Stellplätzen 20 Prozent dieser Plätze für das Laden von Fahrzeugen mit Strom vorzubereiten sind“, erklärt Pommerenke.

„Auch für Eigentümergemeinschaften und Mietwohnungen im Bestand gibt es ähnliche Sonderregelungen, sofern die örtlichen Gegebenheiten diese Zusatzausstattung erlauben.“

Jedes dritte zugelassene Auto in Dortmund hat E-Kennzeichen

Inzwischen sei jedes dritte in Dortmund neu zugelassene Fahrzeug mit einem E-Kennzeichen ausgestattet. Auf einer Internetplattform können Bürger Standortvorschläge für Ladepunkte im öffentlichen Raum einreichen.

Philip Wesolek von der Kabelverlegungs GmbH berät Uwe Paulukat in der Angelegenheit. „Für mich ist das eine Behinderung des Ausbaus der E-Mobilität. Städte machen Werbung dafür, die Kunden werden gelockt und dann kommt das böse Erwachen, nachdem man sich ein Auto gekauft und sich nicht vorher informiert hat. Es wird viele Garagen geben, die in einer ähnlichen Lage sind.“

Die Bauarbeiten wären natürlich dokumentiert und die Lagepläne des Kabels der Stadt zur Verfügung gestellt worden. „Wenn es einen Leitungsplan gibt, kann man die neuen Kabel ja dokumentieren, denn die Baustelle wäre natürlich offiziell angemeldet. Auch baulich würden natürlich alle Vorgaben der Stadt eingehalten.“

Auch Stromanschluss in Garage nicht möglich

Philip Wesolek schlägt auch eine Lösung vor: Die Garage könne einen eigenen Stromanschluss bekommen. Das würde bedeuten, dass ein neues Stromkabel in die Garage gelegt wird und Uwe Paulukat einen zusätzlichen Stromzähler in der Garage hätte.

Auch die Bezirksregierung Arnsberg hat dem Antrag auf den Anschluss in der Garage zugestimmt und etwa die Hälfte der Baukosten als Zuschuss genehmigt.

Doch auch da mache die Stadt Dortmund nicht mit, berichtet Uwe Paulukat. Auch dieser Ansatz sei abgelehnt worden. Diesmal habe es zur Begründung geheißen, die ihm mitgeteilt wurde: Vor jedem Anschluss müsse 1,20 Meter davor und daneben Platz sein. „Das wird doch in kaum einem Keller eingehalten“, so Paulukat. „Da kann man inzwischen nur noch drüber lachen.“

Über den Autor
Freier Mitarbeiter

Der neue Lokalsport-Newsletter für Dorsten

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Dorstener Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.