Um die Aktivitäten auf dem Sportplatz am Bärenbruch in Kirchlinde hat sich eine einseitige Diskussion entwickelt. © Nora Varga
Sportanlage

Corona-Regeln auf Sportplatz missachtet: „Kann die Jugendlichen verstehen“

Ein Text über massive Corona-Regelverstöße von Jugendlichen auf einem Sportplatz ruft viele Reaktionen hervor. Die meisten haben genug von den Einschränkungen. Und Verständnis für die jungen Menschen.

Seit Wochen kicken, skaten und spielen Jugendliche auf der Sportanlage Bärenbruch in Dortmund-Kirchlinde. Sie missachten dabei Corona-Regeln und verschaffen sich laut den dort ansässigen Vereinen auch illegal Zutritt zum Gelände. Sie sollen mitunter aggressiv reagieren, wenn die Polizei gerufen wird. Auch Drogen sollen im Spiel sein.

Darüber haben wir berichtet. Und daraufhin viele Reaktionen bekommen. Während sich die Vorsitzenden der ansässigen Sportvereine mehr Durchsetzungskraft der Dortmunder Ordnungshüter wünschen, zeigen Kommentare bei Facebook viel Verständnis für die Kinder und Jugendlichen, die die Sportanlage besuchen. Davon, dass Kinder seit Monaten wegen der Corona-Pandemie nur eingeschränkt Sport treiben und sich mit Freunden treffen können, scheinen viele langsam genug zu haben. Tenor: Lasst sie doch in Ruhe spielen.

Draußen und mehr Abstand als in Bus und Bahn

Die Debatte verläuft stark in eine Richtung: Fast alle Kommentatorinnen und Kommentatoren beziehen sich darauf, dass es Kindern und Jugendlichen seit langem nicht gestattet ist, so unbeschwert Sport zu treiben und sich mit Kollegen zu treffen, wie es vor der Pandemie der Fall war.

„Die Kids sind draußen und haben mehr Abstand als in Bus und Bahn. Und unterschreiten die Abstandsregel nur kurz, ohne längeren Kontakt. Also so what“, schreibt eine Facebook-Nutzerin. Ein anderer meint: „Sorry ich kann die Jugendlichen verstehen. Seit einem Jahr haben wir eine Corona-Politik, die diesen Namen nicht mal verdient. Die Kinder müssen raus, brauchen Bewegung, man braucht soziale Kontakte!“

Kicken in Corona-Zeiten: Am Freitag sollen auf diesem Platz 58 Personen Fußball gespielt haben.
Kicken in Corona-Zeiten: Am Freitag sollen auf diesem Platz 58 Personen Fußball gespielt haben. © Nora Varga © Nora Varga

Soziale Isolation sei „der Super-GAU für die kommenden Generationen“. Zumal die Gefahr, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, „doch wohl eher gering“ sei, schreibt eine Frau.

Facebook-Nutzer hadern: „Ist das gerecht?“

Die Ansteckungsgefahr im Freien, das haben verschiedene Gefährdungsanalysen ergeben, ist in der Tat sehr gering. Dennoch: Die Jugendlichen haben gegen die geltenden Corona-Regeln verstoßen, nach denen Sport maximal zu zweit erlaubt ist. Dass diese Regel nicht für alle gilt, regt ebenfalls einige auf: „Heute kamen mir BVB-Jugendspieler von ihrem Training entgegen“, schreibt ein User.

Das findet auch ein anderer Facebook-Nutzer unfair: „Die großen Fußballvereine dürfen alle trainieren bis in den Jugendbereich. Da wird vielleicht getestet, aber ist das deswegen gerecht?“. Natürlich sei es nicht korrekt, was im Bärenbruch passiere, „aber ich kann sie alle verstehen“. Eine Frau fügt hinzu: „Wen wundert es denn, dass Kinder und Jugendliche raus und spielen wollen?“.

Der Verstoß gegen die Corona-Regeln ist nicht das Einzige, das die Vereine Westfalia Kirchlinde und VfR Kirchlinde beklagen. Doch auf vermeintlichen Drogenkonsum, aggressives Verhalten der Jugendlichen und die Tatsache, dass die Jugendlichen sich auch unerlaubt Zutritt zum Sportplatz verschaffen, gehen die Kommentatoren nicht ein.

Die einzige Kommentatorin, die eine andere Stoßrichtung wählt, schreibt ironisch: „Die Kinder müssen lernen, was und wie Corona den Körper verändert. Alle raus, umso schneller ist die Herdenimmunität erreicht. Man lernt nur durch ‚Erfahrungen‘, alles andere funktioniert nicht.“

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Schreibt seit 2015. Arbeitet seit 2018 für die Ruhr Nachrichten und ist da vor allem in der Sportredaktion und rund um den BVB unterwegs.
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