So voll war der Mengeder Ortskern vor der Corona-Pandemie. An einem verkaufsoffenen Sonntag drubbelten sich die Menschen vor den Geschäften. Jetzt, 2021, sieht das alles anders aus: Der Lockdown wurde verlängert. © Stephan Schuetze (Archivbild)
Lockdown-Verlängerung

Corona-Lockdown verlängert: Dortmunds Händler hoffen auf den Februar

Die Verlängerung des Lockdowns ist beschlossene Sache. Bund und Länder sind sich einig: Die Ladentüren bleiben weiterhin geschlossen. Was sagen die Händler im Westen?

Die Nachricht kam ganz so überraschend nicht: Schon seit dem Wochenende deutete sich an, dass Bund und Länder den Corona-Lockdown verlängern. Das heißt: Voraussichtlich bis zum 31. Januar (Sonntag) bleiben Geschäfte, Friseure und die Gastronomie geschlossen. In der Verhandlungsrunde am Dienstag (5.1.) geht es wohl nur noch um Details und die Regelung für Schulen.

In einer Blitzumfrage hat diese Redaktion Händler im Dortmunder Westen gefragt, was die Verlängerung für sie bedeutet.

Mengeder Händlerin überrascht die Verlängerung nicht

Birgit Schachtsieck ist nicht wirklich überrascht. „Ich habe damit gerechnet“, sagt die Inhaberin der Mengeder Boutique „La Via“. Das Problem sei, dass sie vor der Vekündung des Lockdowns im Dezember noch Winterware eingekauft habe. „Der Laden ist voll bis oben hin, auch schon mit der ersten Frühjahrsware“, erklärt sie.

Die sollte eigentlich jetzt im Januar in die Auslage kommen. Schachtsieck bestellt die Damenmode per Order – zwölfmal im Jahr. Andere Händler würden etwa nach Düsseldorf fahren, um kurzfristig und auch nach aktuellen Witterungsaussichten Neuware einzukaufen.

In Birgit Schachtsiecks Boutique
In Birgit Schachtsiecks Boutique “La Via” stapelt sich georderte Winter- und Frühjahrsware. Sie hofft nach Ende des Lockdowns auf ein paar kalte Tage im Februar. © Uwe von Schirp © Uwe von Schirp

Birgit Schachtsieck bleibt auch bei der Verlängerung dabei: Online-Handel ist für sie keine Option. Im Vordergrund stehe die individuelle Beratung vor Ort im Geschäft an der Siegburgstraße. Außerdem: „Wo sollen die Kunden die Sachen denn anziehen?“ Durch den Lockdown fehle es auch an Gelegenheiten, neue Mode zu tragen.

Die Geschäftsfrau bleibt zuversichtlich. Sie hofft auf eine Öffnung im Februar und dann noch einige kalte Wintertage, um die Mäntel und dicken Pullover an die Frau zu bringen. Vor allem aber hofft sie, „dass die Menschen in meinem Umfeld und meine Kundinnen gesund bleiben. Das ist mir im Moment wichtiger als der wirtschaftliche Aspekt.“

„Ein bisschen zwiegespalten“

Buchhändler Michael Nau sieht die Verlängerung „ein bisschen zwiegespalten“. Auf der einen Seite herrsche hinsichtlich des Infektionsgeschehens die Vernunft. „Auf der anderen Seite fehlen uns trotzdem die Umsätze“, sagt er. „Aber wir werden mit einem blauen Auge davon kommen.“

Die Leselust boomt wegen des Winters und wegen Corona. Derzeit gibt es in der Buchhandlung am Amtshaus in Dortmund-Mengede immerhin einen Bestell- und Abholservice.
Die Leselust boomt wegen des Winters und wegen Corona. Derzeit gibt es in der Buchhandlung am Amtshaus immerhin einen Bestell- und Abholservice. © Uwe von Schirp © Uwe von Schirp

Seine Buchhandlung am Amtshaus bietet immerhin noch einen Abholservice an der Ladentür sowie einen Lieferdienst an. Dafür schafft Nau ein Lasten-E-Bike an – gefördert durch den Wettbewerb „Heimspiel.Dortmund“ der Wirtschaftsförderung. Buchbestellungen nimmt er per Telefon oder per E-Mail entgegen.

Der Träger des Westfälischen Handelspreises 2019 blickt zuversichtlich in die Zukunft: „Wir überlegen schon sehr intensiv, welche Projekte oder Lesungen wir planen, wenn alles wieder normal ist.“

Sabine Kurmann von der Buchhandlung
Sabine Kurmann von der Buchhandlung “Seitenreich” in Huckarde hat Angst vor einem zweiten Lockdown. © Archiv © Archiv

Sabine Kurmann von der Buchhandlung Seitenreich aus Huckarde schließt sich ihren Händler-Kollegen an: „Wir machen das, was wir können und sind froh, dass uns unsere Kunden weiterhin die Treue halten.“ Dennoch ist sie von der Verlängerung des Lockdowns „nicht begeistert“.

Damit meint sie, dass die Buchhandlung über alle möglichen Wege erreichbar ist, um Bestellungen entgegenzunehmen. Per Mail, telefonisch und über den Online-Shop können Kunden weiterhin Bücher bestellen und kaufen.

„Wäre ich auf dem Westenhellweg, wäre ich schon längst weg vom Fenster.“

Kerstin Kesper, Brautgeschäftinhaberin

Besonders ist die telefonische Beratung. Würde zum Beispiel ein passendes Buch-Geschenk für eine Großmutter gesucht werden, „würde ich das mit Ihnen besprechen und Sie am Telefon beraten“, sagt Kurmann.

Kontakt unter Tel. (0231) 39602787, per mail an seitenreich@t-online.de oder über die Internetseite: https://buchhandlung-seitenreich-dortmund.buchhandlung.de/shop/

„Heiraten wie die Wilden“

Brautmodengeschäft-Inhaberin Kerstin Kesper hatte sich schon darauf eingestellt, dass sie ihren Laden „Marie Beau“ in Marten auch bis zum Ende des Monats nicht öffnen werden kann. Kerstin Kesper nutzt jetzt die Zeit, um auf Facebook und Instagram weiter Werbung für ihr Geschäft zu machen.

Sie hofft, dass trotz Lockdown-Verlängerung künftige Bräute bei ihr anrufen, um Termine auszumachen. „Hoffentlich heiraten die Dortmunder im Sommer wie die Wilden“, sagt die Inhaberin. Noch könne sie sich finanziell über Wasser halten. Doch sollte der Lockdown länger andauern und nur wenige Paare heiraten, sehe sie Schwarz. „Dieses Jahr geht‘s noch“, sagt sie.

Kerstin Kesper, die gebürtig aus Ostdeutschland kommt, ist froh, dass sie für ihr Geschäft eine vergleichsweise günstige Miete zahlen muss. „Wäre ich auf dem Westenhellweg, wäre ich schon längst weg vom Fenster“, ist sich Kesper sicher.

Eigentlich entstehen bei
Eigentlich entstehen bei “Marie Beau Brautmoden” in Marten Brautträume. Doch Inhaberin Kerstin Kesper näht seit Beginn der Krise auch Masken. © Privat © Privat

Für vier andere Brautgeschäfte in Dortmund, Witten und Bochum nimmt Kesper die Änderungen vor, die an Brautkleidern vorgenommen werden müssen. Das ist ihre Nische. „Das machen nicht viele Schneider.“

Da ist man fast geneigt, zu hoffen, dass viele künftige Bräute ihre Kleider ändern lassen müssen, weil sie während der Feiertage zu viel genascht haben – und das Brautkleid nun doch nicht mehr passt.

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Geboren 1964. Dortmunder. Interessiert an Politik, Sport, Kultur, Lokalgeschichte. Nach Wanderjahren verwurzelt im Nordwesten. Schätzt die Menschen, ihre Geschichten und ihre klare Sprache.
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Uwe von Schirp
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Freddy Schneider, Jahrgang 1993, Dortmunderin. Gelernte Medienkauffrau Digital/Print und Redakteurin. Seit 2012 arbeitet sie bei den Ruhr Nachrichten.
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Frederike Schneider

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