Nach vier Monaten ist die "KostBar" zurück an ihrem angestammten Platz. Sabine Neuhaus, Heike Hernandez (v.l.) und ihre Mitstreiterinnen haben den "Fairteiler" aufgemöbelt. © Uwe von Schirp
Foodsharing-Projekt

Comeback am Straßenrand: „KostBar“ bietet wieder Nudeln, Obst und Gemüse

Die „KostBar“ ist zurück. Monatelang war der Fahrradanhänger eines Foodsharing-Projekts am Straßenrand verschwunden. Dass die Initiatorinnen ihn aus dem Verkehr zogen, hatte mehrere Gründe.

Zwei Jahre ist es her: Vier Frauen parkten einen ausgedienten Fahrradanhänger zwischen Bushaltestelle und Blumengeschäft. Sie legten Obst, Gemüse, Backwaren und Nudeln hinein – kostenlos, zum Mitnehmen. Das war die Geburtsstunde der „KostBar“, eines Foodsharing-Projekts.

Im vergangenen Sommer war der Anhänger mit den Lebensmitteln zum Nulltarif dann an der Haberlandstraße in Dortmund-Nette verschwunden. Erneut hatten Unbekannte den kleinen Anhänger zweckentfremdet. Sie benutzten ihn als Papierkorb, obwohl der Mülleimer der Bushaltestelle direkt daneben hängt und ein Altpapiercontainer direkt um die Ecke steht.

Nicht nur das: „Irgendwer hat Joghurt hinein gestellt, bei praller Sommerhitze“, erzählt Sabine Neuhaus. Dabei weist ein Schild darauf hin, dass Kühl- und Molkereiprodukte etwa oder auch Fleisch und Wust nichts in der „KostBar“ zu suchen haben.

Initiatorinnen investierten Zeit und Geld

Hinzu kam: Nach gut 18 Monaten hatten Wind und Wetter dem kleinen Anhänger zugesetzt. Die Farbe der Abdeckplane war verblichen, das Verdeck auch undicht. Die vier Netter Frauen zogen den Anhänger vorerst aus dem Verkehr. Die Enttäuschung im Stadtteil und in den Sozialen Medien war groß.

Seit ein paar Tagen ist die „KostBar“ zurück. „Aufgepimpt und wasserdicht“, sagt Heike Hernandez. Stunden und Geld haben die Initiatorinnen des Foodsharing-Projekts investiert, um die Mitnahmestelle wieder einsatzbereit zu machen – unterstützt durch ihre Männer.

Vom früheren Fahrradanhänger ist nur das Chassis mit Reifen und Griff übrig geblieben. Die engagierten Privatleute bauten aus Hartfaserplatten und Plexiglas einen neuen Aufbau. Ein Zelthersteller spendete Reste von dicken Fensterplanen.

Zusammen mit HDF-Streifen bilden sie die neue Abdeckung: in Überbreite als Schutz vor Feuchtigkeit. „KostBar“ strahlt der Name in leuchtendem Gelb-Grün auf den anthrazitfarbenen Bauplatten. Am Schiebegriff hängen wetterfest laminiert die Regeln.

Es zählt der Umweltschutz

Die Resonanz war groß. „Es sind Menschen, die sich wie wir gegen Verschwendung einsetzen und Lebensmittel retten“, sagt Heike Hernandez. „Sie sind daran interessiert, dass die ‚KostBar’ in Ordnung bleibt.“

Die ersten Tage waren erfolgversprechend. „Drei- bis viermal haben Leute Lebensmittel hineingelegt“, erzählt Sabine Neuhaus. „Andere haben sich etwas herausgenommen.“ Das ist das Prinzip: Bevor die Haltbarkeit abläuft oder Obst und Gemüse gammelig werden, finden sie in der „KostBar“ neue Abnehmer.

Dass die Frauen damit Menschen helfen, die knapp bei Kasse sind, spiele eine untergeordnete Rolle, erklären die Initiatorinnen. „Für uns zählt der Umweltgedanke – unabhängig von sozialen oder religiösen Hintergründen.“

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Geboren 1964. Dortmunder. Interessiert an Politik, Sport, Kultur, Lokalgeschichte. Nach Wanderjahren verwurzelt im Nordwesten. Schätzt die Menschen, ihre Geschichten und ihre klare Sprache.
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Uwe von Schirp

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